Notfalldatenmanagement – ein beispielhaftes Wissensmanagement-Projekt?

Notfalldaten © IckeT/Adobe.Stock.com

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Blutgruppe, Vorerkrankungen, Allergien und Unverträglichkeiten – diese Daten enthalten wichtige Informationen für die richtige Erstbehandlung, zum Beispiel nach einem Unfall oder bei einem Herzinfarkt. Allerdings ist dieses Wissen im Notfall oft nicht verfügbar. Weil der Patient bewusstlos ist oder die genauen Daten schlichtweg nicht kennt. Da sie aber lebensrettend sein können, sollen sie im Rahmen des Notfalldatenmanagements künftig auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Von den Vorteilen sind Mediziner und Patienten gleichermaßen überzeugt. Bei diesem Projekt zeigt sich, welche gesellschaftliche Bedeutung und Akzeptanz Wissensmanagement im Gesundheitswesen erlangen kann.

Akzeptanz als wichtigste Voraussetzung für Wissensmanagement

Den medizinischen Notfalldatensatz bewerten laut Angaben des Instituts für Demoskopie Allensbach 76 Prozent aller Ärzte positiv. In der Bevölkerung befürworten sogar mehr als 90 Prozent die Speicherung entsprechender Informationen. Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab, dass die Bundesbürger fast flächendeckend Angaben zu Allergien, Unverträglichkeiten und zur Blutgruppe machen wollen. Über 80 Prozent erachten auch Informationen zur Medikamenteneinnahme, zu Implantaten und Prothesen als sinnvoll. Es folgen Daten zu chronischen Erkrankungen und Impfungen.

Eine solche Akzeptanz ist bei Wissensmanagement-Vorhaben die Ausnahme. Häufig überwiegen die Kritiker. Dabei gilt Akzeptanz als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Projekterfolg. Wer von den Mehrwerten überzeugt ist, wird die Umsetzung auch aktiv fördern. Beim Notfalldatenmanagement sitzen alle in einem Boot – und rudern in die gleiche Richtung.

Allein der Nutzen zählt

Aufgrund der Vielzahl und Heterogenität der Daten, handelt es sich beim Notfalldatenmanagement allerdings um ein besonders komplexes Wissensmanagement-Projekt. Es geht dabei nicht nur darum, die Daten initial zu erheben, sondern sie permanent aktuell zu halten und im Notfall sofort verfügbar zu machen. Anderenfalls können sie ihren unbestrittenen Mehrwert nicht entfalten.

Dass der Datenschutz dabei oberste Priorität haben muss, versteht sich von selbst. Doch diese Diskussion ist für die Patienten in dem Fall sogar sekundär. Es ist der Nutzen des Notfalldatenmanagements, der sie überzeugt.

Notfalldatenmanagement als beispielhafte Lessons Learned

Die Nutzenargumentation des Notfalldatenmanagements kann als Lessons Learned für andere Wissensmanagement-Projekte im Gesundheitswesen dienen. Denn dieses Beispiel zeigt, wie kaum ein anderes, welcher Stellschraube es bedarf, um die Beteiligten von den Mehrwerten des Vorhabens zu überzeugen. Es sind keine monetären Aspekte. Auch die Frage, ob die Erfassung und das Monitoring der Daten einen Mehraufwand bedeuten, bleibt sekundär. Vielmehr geht es darum, welchen Vorteil das Projekt unter dem Strich bringt. Im Fall des Notfalldatensatzes profitieren alle Seiten vom Zuwachs an Versorgungsqualität: Den Patienten kann schneller geholfen werden. Die Mediziner verlieren keine wertvolle Zeit mit der Datenerhebung, sondern können sich sofort auf ihr Kerngeschäft – den Patienten – fokussieren.

Kliniken, die ein Wissensmanagement-Projekt initiieren, sollten daher schon in der Planungsphase den Nutzen explizieren und ihn zum Inhalt ihrer Kommunikation mit den Beteiligten machen. Das kann die Reduzierung von Überstunden bei der Einführung von Suchlösungen ebenso sein wie die Zeitersparnis bei der Implementierung der elektronischen Patientenakte. Wer seine Mitarbeiter zu Befürwortern oder gar Mitgestaltern machen will, der muss ihnen überzeugende Argumente liefern. Der Nutzen sollte dabei für jeden Einzelnen spürbar sein.

nl/KWM
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