OP 4.1 – auf dem Weg zum intelligent vernetzten Operationssaal

Laser, Sonografen, Roboter – der Operationssaal ist voll von innovativer Medizintechnik. Digitalisierung und künstliche Intelligenz haben hier längst Einzug gehalten. Und dennoch ist der Weg hin zum intelligenten und vollvernetzten OP noch weit. Einzelgeräte und Insellösungen schaffen Datensilos, die eine einheitliche Bereitstellung von Daten erschweren und oftmals sogar ganz verhindern. Projekte wie der „OP 4.1“ wollen das ändern!

Die Vision: Intelligent-agierende Medizintechnik

Der Operationssaal der Zukunft passt sich den Bedürfnissen von Patienten und Chirurgen automatisch an: Die automatische Anpassung von Lichtstärke und -farbe sorgt für optimale Kontrastschärfe. Die Monitore richten sich im perfekten Winkel zum Blickfeld des Mediziners aus. Und sie zeigen alle erforderlichen Daten an – sowohl die aktuellen Vitaldaten des Patienten als auch alle relevanten Informationen aus der Patientenhistorie. Auf Zuruf blenden sie Details ein und zoomen sie so weit heran, dass der Chirurg sie mit einem Wimpernschlag aufnehmen und verarbeiten kann.

Die „Smart Factory“ dient als Vorbild

Neben der Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) korrespondieren auch die einzelnen Medizingeräte miteinander. Aus der Industrie 4.0 ist die so genannte Machine-to-Machine-Kommunikation, kurz M2M, bereits bekannt: Dabei interagieren mehrere Geräte, Maschinen oder Systeme miteinander, indem sie vollautomatisiert Daten untereinander austauschen. So lassen sich beispielsweise Messwerte übertragen, Informationen an zentrale Leitstellen übermitteln oder Anlage überwachen. Das geht sogar so weit, dass sich ganze Systeme per digitalem Zwilling virtuell nachbauen lassen, um potenzielle Veränderungen und deren Auswirkungen simulieren und damit gefahrlos testen zu können.

Digitale Zwillinge im OP

All diese Anwendungsszenarien aus der intelligenten Fabrik sollen auch in das Gesundheitswesen, allen voran in die Krankenhäuser und dort ganz gezielt in den OP, übertragen werden. Sol ließe sich mit einem digitalen Zwilling des menschlichen Herzens beispielsweise die Wirkungsweise von Herzmedikamenten testen oder Herzoperationen unter realen Bedingungen üben.

Vernetzte Daten als Grundvoraussetzung

Doch um künstliche Intelligenz im OP überhaupt nutzen zu können, müssen Krankenhäuser zunächst einmal ihre Hausaufgaben machen und Basisarbeit leisten – nämlich den immer noch großen Anteil an papiergebundenen Dokumenten und Daten endlich digitalisieren. Noch immer gibt es OPs, in denen die dort installierten Monitore lediglich dazu dienen, ausgedruckte Datenblätter mit Klebestreifen zu befestigen. Auch das intelligenteste System kann daraus keine Erkenntnisse ziehen.

Einmal digitalisiert, gilt es anschließend, die vorhandenen Daten zu vernetzen, um daraus Mehrwerte zu generieren. Man spricht auch davon, aus Big Data – den unglaublich großen und immer schneller wachsenden Datenmengen – so genannte Smart Data zu machen: also mehrwertstiftende Informationsnuggets.

OP 4.1.: Die Zukunft beginnt jetzt

Genau hier kommt das BMWi-Projekt „OP 4.1“[1] ins Spiel: Es handelt sich um eine innovative Technologieplattform, mit der sich intelligente Apps für das den gesamten OP-Bereich, inklusiver aller vor- und nachgelagerten Prozesse, entwickeln lassen. Ziel soll es sein, Zugriff auf verschiedenste „Smart Services“ von Medizingeräten und Datenquellen zu ermöglichen – um alle relevanten Daten in die OP-Prozesse einfließen zu lassen. Für die Verantwortlichen im OP wäre das eine Revolution – sie hätten Zugriff auf alle verfügbaren Informationen. Und zwar automatisiert und in Echtzeit. Davon profitieren nicht nur Chirurg und Patient. Das Mehr an Effizienz würde sich auch direkt auf das OP-Management und alle damit verbundenen Workflows auswirken. Das Freisetzen wertvoller Kapazitäten und knapp bemessener Ressourcen inklusive. Das Konsortium aus der urologischen Universitätsklinik Heidelberg, DKFZ, SAP, KARL STORZ, mbits imaging und Siemens Healthineers hat das Projekt „OP 4.1“ mittlerweile abgeschlossen. Nun gilt es, den OP der Zukunft Realität werden zu lassen.


Quelle:

[1] https://op41.de/ergebnis.html

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