Arbeitsplatz OP: Viele Mitarbeiter würden sich nicht in der eigenen Klinik operieren lassen

Operation © Tao Tran/Thieme Gruppe

© Tao Tran/Thieme Gruppe

Laut OP-Barometer 2017 sinkt die Leistungsfähigkeit in deutschen Operationssälen. Insbesondere OP-Mitarbeiter großer Einrichtungen sehen Organisationsschwächen in ihrem Bereich, die zu Lasten der Patienten gehen könnten: So würden sich nur etwa 62 Prozent aus fachlicher Hinsicht in ihrem OP operieren lassen. Insbesondere für Pflegepersonal großer Kliniken mit über 12 Sälen wäre der eigene OP nicht die erste Wahl.

„Der OP-Saal ist der Motor eines Krankenhauses. Wenn dieser stottert, dann bedeutet es eine Gefährdung für die gesamte Einrichtung“, sagt Professor Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), der die Studie zum sechsten Mal durchführt. Deshalb sollten Kliniken gerade hier die aus dem Personal vorgetragenen Bedenken und Kritikpunkte ernst nehmen.

Große Unterschiede in Personalausstattung und Organisation

„Nach der Datenlage aus dem OP-Barometer 2017 scheint es große Unterschiede im Hinblick auf Personal, Organisation und Patientengefährdung in den unterschiedlichen Krankenhäusern zu geben. Manche Krankenhäuser haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, nämlich Organisationsabläufe optimiert oder beispielsweise Hygienemängel abgestellt, anderen ist dies wohl nicht gelungen. Es ist den Patientinnen und Patienten daher anzuraten, genau hinzuschauen, in welchem Krankenhaus sie sich operieren lassen“, resümiert Busse.

Keine Verbesserung im Hinblick auf die Patientensicherheit

Mehr als 47 Prozent der Befragten gaben an, dass aus ihrer Sicht die Gefährdung der Patientinnen und Patienten in den letzten zwei Jahren zugenommen hat. Von den befragten Mitarbeitern aus großen OP-Bereichen traf über die Hälfte diese Aussage. Im Vergleich zu den früheren Befragungen hat sich das Meinungsbild in Bezug auf die Patientengefährdung kaum verändert.

Wo liegen die Probleme?

Folgende Gründe werden im OP-Barometer 2017 genannt: Nur etwa 28 Prozent der Befragten empfinden, dass sie genügend Pflegepersonal haben, um die wachsenden Anforderungen zu bewältigen. Unter den Mitarbeitern großer OP-Bereiche sind sogar nur 21 Prozent dieser Meinung. Rund 65 Prozent aller Befragten bemängeln eine sehr hohe Krankenquote und fast die Hälfte attestiert eine hohe Fluktuationsrate bei neuen Mitarbeitenden. Rund 38 Prozent der Befragten sehen sich in ihrem OP-Bereich in der täglichen Arbeit sogar mit dem Thema Mobbing konfrontiert.

Sterilgutversorgung verbessert sich kontinuierlich

Während 2011 noch rund 44 Prozent die Sterilgutversorgung als problematisch einschätzten, taten dies 2017 nur noch rund 34 Prozent. Immerhin 60 Prozent aller Befragten sagten aus, dass die Hygienerichtlinien in ihrem OP-Saal streng eingehalten würden. 76 Prozent waren der Meinung, die Patientensicherheit sei in ihrem OP ein wichtiges Thema. Hier zeichneten vor allem die kleineren OP-Bereiche mit bis zu acht Sälen ein positives Bild.

Zufriedenheit der Beschäftigten nimmt ab

Mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind etwa 61 Prozent der Befragten. Damit hat die Zufriedenheit seit 2011 um ganze zehn Prozentpunkte abgenommen. Wie auch schon in den vorangegangenen Erhebungen erklären die Studienteilnehmer, dass ihre Arbeit von der Krankenhausleitung nicht wertschätzend anerkannt werde.

„Motorschaden“ vermeiden und Personal Gehör schenken

Die Ergebnisse zeigen, dass Kliniken ihr Herzstück OP kritisch unter die Lupe nehmen sollten. Eine bessere Organisation und mehr Personal wünschen sich die Mitarbeiter. Letzteres ist gerade im Hinblick auf die kontinuierlich steigenden Krankenstände und die zunehmende Fluktuation wichtig. Dass sich das Personal gerade in einem für die Klinik wirtschaftlich wichtigen Bereich kaum ernst genommen und wertgeschätzt wird, ist nicht minder problematisch. Ein erster Schritt könnte daher ein regelmäßiger Austausch mit den Mitarbeitern sein, um die Probleme gemeinsam anzugehen.

Das OP-Barometer

Die Frankfurt University of Applied Sciences bringt seit 2007 im Rhythmus von zwei Jahren das OP-Barometer heraus, für das Pflegende aus dem Operations- und Anästhesiebereich zu ihrer Arbeitssituation befragt werden. An der nun sechsten Befragung nahmen mehr als 1.950 Pflegende teil. Das sind 14 Prozent mehr gegenüber dem letzten OP-Barometer 2015 (wir berichteten). Die aufbereiteten Ergebnisse des OP-Barometers 2017 stehen ab der kommenden Woche (7. KW) zum Download zur Verfügung.

Quelle:
OP-Barometer 2017: Kliniken mit großen OP-Bereichen haben mehr Schwierigkeiten, Pressemeldung der Frankfurt University of Applied Sciences, idw online vom 6.2.2018

cp/KWM
Bildquelle: © Tao Tran/Thieme Gruppe

 

Ein Kommentar auf “Arbeitsplatz OP: Viele Mitarbeiter würden sich nicht in der eigenen Klinik operieren lassen”

  1. Optimierung sagt:

    Ich denke, nirgendwo ist es so wichtig wie in einem OP von Organisationsoptimierung sprechen zu können. Wirklich interessanter Beitrag, danke!

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