Patientenakte: Nur konsequentes Digitalisieren bringt Zeitersparnis und mehr Patientensicherheit

elektronische Patientenakte erhöht Patientensicherheit ©Fotolia Tyler Olson

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Etwa 60 bis 80 Prozent der deutschen Kliniken nutzen die elektronische Patientenakte. Viele dokumentieren jedoch sowohl elektronisch als auch noch auf Papier und oft verwendet jede Berufsgruppe und Station ihre eigenen Formulare. Dabei zeigen Beispiele aus der Schweiz oder am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE), dass eine konsequente elektronische Dokumentation Arbeitszeit spart, mehr Ruhe auf Station schafft, für reibungslose Behandlungsabläufe und nicht zuletzt für eine sicherere Medikation sorgt.

Krankenhäuser investieren weniger als viele andere Branchen in ihre IT. Und wenn doch, dann standen bisher in Folge der DRG-Einführung abrechnungsbezogene Anwendungen im Vordergrund. Dabei gäbe es viele Gründe, hier zu investieren. Zum Beispiel ist in den USA das maßgebliche Argument für die elektronische Patientenakte eine höhere Patientensicherheit. Fest steht, dass ein Nebeneinander von elektronischer Patientenakte und Papierdokumentation fehleranfällig ist und den Aufwand erhöht, anstelle ihn zu senken. Seit 2009 nutzt unter anderem das UKE konsequent die elektronische Patientenakte. Dessen Erfahrungen zeigen, wie wichtig die EPA für Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung ist.

 

Eine IT, die Patienten, Personal und Klinik nützt

 

  • Weniger Fehler: Es gibt keine Übertragungsfehler mehr und was dokumentiert wird ist insgesamt präziser, eindeutig lesbar und zuverlässiger.
  • Der geschlossene Medikationskreislauf brachte am UKE den positivsten Effekt auf die Patientensicherheit: Im Vergleich zur Papierdokumentation konnte der Anteil von Abweichungen der Arzneimittelverordnung um 54,4 Prozent gesenkt werden konnte.
  • Trotz größerer Sorgfalt Zeit sparen: Kein Zusammenbringen mehr durch händisches Übertragen, Scannen oder Drucken. Kein Suchen oder Hinterherlaufen von Untersuchungsergebnissen.
  • Die aktuellsten Patientendaten sind jederzeit und an jedem Ort des Klinikums verfügbar.
  • Wenn medizinisches Personal Untersuchungen anfordert, kommt direkt der Hinweis, falls hier eine Untersuchung bereits angefordert wurde um Dopplungen zu vermeiden.
  • Mit dem Tablet zur Visite schafft mehr Ruhe auf Station: Kein hektisches Hin- und Herlaufen zwischen Patientenbett und Arztzimmer, um Patienten die neuesten Untersuchungsergebnisse mitzuteilen.
  • Intelligente Integration verschiedener Anwendungen schaffen mehr Effizienz, wie beispielsweise ein Terminmanagement für den Transportservice um Wartezeiten zu verringern (das UKE schaffte eine Reduktion der Wartezeit von 1000 auf weniger als 50 Stunden pro Jahr!), Qualitätssicherung, Arztbrieferstellung
  • Eventuell können Kliniken sogar den Umsatz steigern, denn es wird weniger vergessen, weil sofort dokumentiert wird.
  • Lückenlose und auffindbare Dokumentation schafft mehr Sicherheit gegenüber dem MDK.

 

Was zu Bedenken ist:

 

  • Nutzerfreundlich: Das IT-System muss leicht bedienbar sein und die Organisation der Behandlungsprozesse gezielt unterstützen. Nur auf diese Weise werden Mitarbeiter die neue Technik akzeptieren.
  • Angst vorm „gläsernen“ Arzt? Jeder Nutzer kann sehen, was wann erfolgt ist. Auf Bedenken sollte die Klinikleitung deshalb sensibel reagieren und die Vorteile betonen.
  • Datenschutz: Die sensiblen Patientendaten und deren Zugang sollte sehr sorgfältig geschützt werden.
  • Mehr Standards: Die Prozesse sollten im Krankenhaus zuvor analysiert werden, damit die IT bestmöglich die Mitarbeiter unterstützen kann. In der Regel sind auch erhebliche Standardisierungen notwendig. Wichtig ist daher, die Abteilungen von Anfang an mit einzubeziehen.

 

Quellen:

  • Friederike Klein: Elektronische Patientenakte: Komplette Umstellung kann sich lohnen, Gesundheitswesen 2015; 77, S.389
  • Gaede, G. Doelfs, J. Mau: Wege aus dem Dokuwahnsinn, kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin, Juni 2015: S.27-33

srh/KWM
Bildquellen: ©Fotolia-Tyler Olson, ©Fotolia gpointstudio

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