Pflegekräfte für sich gewinnen: Interview mit Dr. Lars Holldorf Teil I

Dr. Lars Holldorf © Dr. Holldorf Consult GmbH

Pflegekräfte für die eigene Einrichtung zu gewinnen, ist das Gebot der Stunde. Nach Angaben des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI) werden in deutschen Kliniken bis 2030 rund 20 Prozent mehr Vollzeitkräfte benötigt. Welche Wege Arbeitgeber gehen können, um Fachkräfte dauerhaft für ihre Einrichtung zu gewinnen, weiß Dr. Lars Holldorf. Wir haben den Experten für Personalstrategie im Gesundheitswesen für den KWM-Blog interviewt. Heute gibt er Auskunft darüber, was auf die Mitarbeiter-Bindung einzahlt und wie Arbeitgeber bereits in der Stellenanzeige bei Bewerbern punkten können.

Welchen Herausforderungen müssen sich Pflegemanager heute stellen?

Dr. Lars Holldorf: Die demografische Entwicklung und der damit verbundene Fachkräftemangel verlangen eine Personalarbeit, die auch sensibel für die Generationsunterschiede zwischen den Mitarbeitern ist. Es muss klar sein, dass sich Vorstellungen von Führung und Arbeitszeitgestaltung wandeln. Wer darauf eingeht, kann Mitarbeiter für sich gewinnen und binden. Wer sich von Wettbewerbern abhebt, erhöht seine Arbeitgeberattraktivität.

Der zentrale Punkt aller Bemühungen ist die Mitarbeiter-Bindung. Erst wenn diese funktioniert beziehungsweise ein gutes Niveau erreicht hat, kann man eine Arbeitgebermarke aufbauen. Das geschieht mit dem Ziel, auch von außen als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Wer nur auf die Personalgewinnung schaut, handelt fahrlässig. Denn bei schlechter Mitarbeiter-Bindung verlassen das Unternehmen in manchen Fällen mehr Leute als Ersatz rekrutiert werden kann. Da die eigenen Führungskräfte für eine gute Mitarbeiter-Bindung entscheidend sind, kann das Problem nicht allein durch den Personalbereich gelöst werden. Gerade für den Umgang mit und die Führung der jüngsten Generationen benötigt man auch einen neuen Führungsstil.

Wie können sie bei potenziellen Bewerbern punkten?

Dr. Lars Holldorf: Insbesondere junge Talente suchen heute bei einem potenziellen Arbeitgeber Authentizität, Transparenz, Wertschätzung und immer häufiger Sinnstiftung. Diese Aspekte möchten sie am liebsten von Anfang an wiederfinden und bestätigt bekommen. Mit Sinnstiftung kann das Gesundheitswesen grundsätzlich punkten.

Statt Stellenanzeigen mit den typischen Phrasen aus den 1990er Jahren zu gestalten, wäre es sinnvoll, einfach die gewünschte Zielgruppe innerhalb des Unternehmen zu befragen, wie diese sich positiv angesprochen fühlen würde. So können Stellen für Azubis oder Berufseinsteiger auch gemeinsam mit Fachmitarbeitern und der Personalabteilung erstellt werden.

Außerdem ist es empfehlenswert, recht früh über das Gehalt und die Arbeitsbedingungen zu sprechen. Das Gehalt kann durchaus schon in der Stellenanzeige genannt werden. Im Grunde genommen ist aber ein grundsätzlicher fundamentaler Perspektivenwechsel erforderlich: Heutzutage bewirbt sich nicht mehr der Bewerber beim Unternehmen, sondern das Unternehmen beim Bewerber. Spätestens im Bewerbungsgespräch sollte dann auch ganz offen über die zukünftige Entwicklungsmöglichkeit im Unternehmen gesprochen werden. Dies ist am Ende häufig ein Grund, ob ein Bewerber für ein Job-Angebot entscheidet oder nicht.

Fortsetzung folgt…

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews mehr darüber, welche Maßnahmen im Wettbewerb um Fachkräfte nützlich sind. Welche Vorteile bietet zum Beispiel das E-Recruiting? Und was ist notwendig, um Pflegekräfte aus dem Ausland gut in den Arbeitsalltag zu integrieren? Antworten auf diese Fragen gibt Dr. Lars Holldorf im zweiten Teil des Interviews.

Buchtipp:
In seinem Buch „Gezwungen zu Spitzenleistungen“ fasst Dr. Lars Holldorf viele praxisrelevante Aspekte für eine erfolgreiche Mitarbeitergewinnung und -bindung zusammen. Darüber hinaus hat er mit mehreren Experten, aus dem Gesundheitswesen und anderen Branchen mit starkem Fachkräftemangel, Interviews geführt. Dazu gehören unter anderem der Pflegedirektor der Uniklinik Münster, Thomas van den Hooven, Ugur Cetinkaya, der 2017 als einer der besten Nachwuchs-Pflegemanager ausgezeichnet wurde. Auch Prof. Dr. Gunther Olesch, einer der renommiertesten Personalmanager Deutschlands, kommt zu Wort. Ihre Erfahrungen zeigen, was sich in der Praxis bewährt hat, aber auch welche Fehler unnötig Zeit, Geld und Nerven kosten.

Zur Person:
Dr. Lars Holldorf ist Experte für Personalstrategie im Gesundheitswesen. Seit 2010 befasst er sich mit der Rekrutierung und dem Onboarding beziehungsweise der Integration ausländischer Ärzte und Pflegekräfte in Deutschland. Denn Rekrutierung ohne langfristige Bindung ist ein Verlustgeschäft. Dazu hat er die Online-Akademie Klinik-Kenner.de ins Leben gerufen.

Quelle:
cp/KWM
Bildquelle: © arahan/Adobe.stock.com und Dr. Holldorf Consult GmbH

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