Projekt zum „Shared Decision Making“ startet am UKSH

Arzt-Patienten-Kommunikation © Al-Ma-Ga-Mi/Adobe.Stock.com

© Al-Ma-Ga-Mi/Adobe.Stock.com

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) bindet Patienten in Zukunft stärker in Behandlungsentscheidungen ein. Im Rahmen eines Projektes zum „Shared Decision Making“ nehmen Ärzte und Pflegepersonal an Schulungen zur Patientenkommunikation teil. Darüber hinaus können Patienten online laienverständliche Informationen abrufen.

Im klinischen Alltag gelte es dabei, die neuesten medizinischen Erkenntnisse und die Interessen des Patienten in einem strukturierten Prozess zusammenzuführen, teilt das Klinikum dem Online-Portal BibliomedManager mit. „Wir wollen zeigen, dass wir die am besten passende Behandlung dann identifizieren, wenn Patienten aktiv mitentscheiden“, so Projektleiter Professor Friedemann Geiger, der als Lehrbeauftragter am Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie des UKSH tätig ist.

„Shared Decision Making“ zu Deutsch „Partizipative Entscheidungsfindung“

Der Begriff „Partizipative Entscheidungsfindung“ beschreibt eine partnerschaftliche Entscheidungsfindung im medizinischen Kontext. Viele Akteure im Gesundheitswesen sprechen sich mittlerweile für diese Form der Arzt-Patienten-Interaktion aus. Hier kommen Arzt und Patient gemeinsam zu einer Entscheidung, nachdem sie medizinische und auch behandlungsrelevante persönliche Informationen ausgetauscht sowie ihre Rollen- und Behandlungspräferenzen offengelegt haben. Die Verantwortung für die Umsetzung der Behandlung wird somit geteilt.

Umfragen, wie der jährliche Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass sich Patienten vermehrt für ein solches Modell aussprechen. Auch auf Arztseite findet das Modell regen Zuspruch. Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass Anspruch und Wirklichkeit oft noch weit auseinandergehen: So haben Patienten entgegen der ärztlichen Einschätzung deutlich seltener den Eindruck, dass ihre Vorstellungen in der Behandlung berücksichtigt werden oder ihnen Vor- und Nachteile der Behandlungsoptionen erklärt wurden.

Das Projekt am UKSH bietet nun die Chance dem theoretischen Anspruch näher zu kommen und eine positive Wirkung zu erzielen, wie sie bereits in internationalen Studien belegt sind. Demnach führen Entscheidungshilfen, Ärzte- sowie Patiententrainings nicht nur zu einer besseren Arzt-Patienten-Kommunikation und einer aktiveren Beteilung der Betroffenen. Die Patienten sind auch besser informiert und können somit Risiken besser einschätzen, was wiederum zu realistischeren Erwartungen hinsichtlich des Behandlungsverlaufs führt.

Shared Decision Making am UKSH

Das Projekt wird von der Ludwig-Maximilian-Universität München wissenschaftlich begleitet. Zudem arbeitet das UKSH unter anderem mit Partnern am Universitätsklinikum Tromsø (Norwegen) zusammen, wo ebenfalls Shared Decision Making eingeführt wird. Teile des Programms wurden in Norwegen bereits zum verbindlichen Vorbild für die nationale Versorgung erklärt. Das Projekt wird durch den Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. Insgesamt fließen rund 14 Millionen Euro innerhalb der nächsten vier Jahre in sämtliche Einheiten in Kiel.

Quellen:
Shared Decision Making – UKSH wird führend in der partnerschaftlichen Arzt-Patienten-Kooperation, idw online 14.6.2018
Shared Decision Making: UKSH startet 14-Millionen-Euro-Projekt zur Arzt-Patienten-Kooperation, BibliomeManager online 14.6.2018
Bieber, C.; Gschwendtner, K.; Müller, N.; Eich, W.: Partizipative Entscheidungsfindung (PEF) – Patient und Arzt als Team; Der Nuklearmediziner; Ausgabe 02, 2018

cp/KWM
Bildquelle: © Al-Ma-Ga-Mi/Adobe.Stock.com

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar