Rationalisierung, Hybrid-DRG oder Digitalisierung: Was hilft gegen den Fachkräftemangel?

Haben Sie kürzlich auch vor einer geschlossenen Restauranttür gestanden? Gab es am Freitagabend kein frisches Brot mehr beim Bäcker? Oder gehören Sie zu den Personen, die aufgrund zu langer Warteschlangen ihren Flug verpasst haben oder am Zielort ohne Koffer dastanden? Wenn Sie nicht persönlich betroffen waren, kennen Sie bestimmt jemandem, dem es so ging. Oder Sie haben zumindest davon in den Medien gehört. Doch nicht nur in Gaststätten, im Einzelhandel und an Airports herrscht derzeit Ausnahmezustand, sondern auch im Gesundheitswesen. Ein Termin beim Facharzt? Ein freier Platz im Bezirkskrankenhaus? Oder ein Routineeingriff im nächsten Klinikum? Das kann dauern! Hauptgrund für das Dilemma ist der demografische Wandel. Gibt es einen Ausweg?

Der demografische Wandel ist längst Realität

Es ist schon längst kein Geheimnis mehr, dass sich die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation seit zirka zwei Jahren sukzessive in den Ruhestand verabschieden. Dieser Trend wird noch eine Weile anhalten und er vollzieht sich in Wellen. Natürlich haben sich die vielen erfahren Fachkräfte ihren Ruhestand nach jahrzehntelanger Arbeit redlich verdient. Die so genannte Verrentung spiegelt den Lauf der Zeit wider – und doch ist dieses Mal alles anders: Die nachfolgenden Generationen sind zahlenmäßig so gering repräsentiert, dass Millenials & Co. die entstehende Personallücke schon rein quantitativ nicht füllen können. Auf diese Weise wächst der Fachkräftemangel – bis auf Weiteres – jedes Jahr um 350.000 bis 500.000 Mitarbeiter. Die Hochrechnungen und Prognosen variieren, je nachdem, welcher Anteil an Zuwanderung berücksichtigt wird.

80.000 Fachkräfte dringend gesucht

Derzeit verzeichnet allein die stationäre Pflege mindestens 25.000 offene Stellen. Experten schätzen allerdings, dass bis zu 80.000 Fachkräfte nötig wären, um hochwertige Pflege realisieren zu können. Hier zeichnet sich ein Trend ab, der sich auch über die Pflege hinaus auf die gesamte Kliniklandschaft ausweitet. So waren im vergangenen Jahr 4,5-mal so viele Stellen unbesetzt wie noch vor 14 Jahren. Damals galt der demografische Wandel noch als weit entferntes Schreckgespenst, dessen erste Auswirkungen zwar in Japan bereits absehbar waren – allerdings erschien das so weit weg, dass man sich hierzulande lieber anderen Themen widmete.

Ambulante Behandlungen und Hybrid-DRG als Lösungsansätze?

Nun ist der demografische Wandel in der Realität und im Krankenhausalltag angekommen. Umkehren lässt sich die demografische Entwicklung nicht mehr. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Aber es gibt durchaus Mittel und Wege, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. So plädieren die einen für ein Mehr an ambulanten Behandlungen und Hybrid-DRG, andere sprechen von Rationierungen, was insbesondere für strukturschwache Regionen und die zu behandelnden Menschen dort erhebliche Nachteile mit sich bringen würde.

Wissensmanagement als praktikabler und schnell umsetzbarer Ausweg

Ein anderer Ansatz kommt aus dem Wissensmanagement. Hier geht es darum, vor allem virtuelle Formate zu etablieren, allen voran E-Konsultationen und virtuelle (Video-)Sprechstunden. Zudem kann die Digitalisierung einen erheblichen Beitrag zur Effizienzsteigerung leisten. Wenn Standardprozesse, Routineaufgaben oder Dokumentationspflichten automatisiert – also nicht mehr händisch durchgeführt – werden, dann bleibt dem einzelnen Arzt, der einzelnen Pflegekraft, der Anästhesisten, der Hebamme und den Labormitarbeitenden mehr Zeit für die Patienten. Sie können sich nicht nur intensiver um sie kümmern, sondern auch die Taktzahl erhöhen. Statt zu dokumentieren, schaffen sie drei, vier oder fünf Patienten mehr. Pro Kopf und Tag. Hier gilt es, auch im Sinne von Patientensicherheit und Versorgungsqualität anzusetzen.

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