Reden ist Gold: Mit Zwischenfällen offen umgehen

Patienten umfassend informieren - auch bei Zwischenfällen © Thieme - Paavo Blåfield

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Niemand ist unfehlbar – auch Ärzte nicht. Ihre Fehler können jedoch gesundheitliche Konsequenzen für ihre Patienten nach sich ziehen und im schlimmsten Fall deren Tod bedeuten. Für das Ansehen der Klinik und das Arzt-Patienten-Verhältnis ist es deshalb wichtig, vertrauenswürdig und offen mit Fehlern umzugehen. Dazu gehört beispielsweise Patienten und Angehörige umgehend zu informieren, um das Vertrauensverhältnis nicht noch weiter zu erschüttern. Was im Patientengespräch zu beachten ist, lesen Sie hier.

Sind nach einem Zwischenfall die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um weiteren Schaden vom betroffenen oder anderen Patienten abzuwenden, sollten die Verantwortlichen umgehend das Gespräch mit den Patienten suchen. Am besten innerhalb von 24 Stunden. Dabei sind sich Ärzte oftmals unsicher wie sie etwas formulieren sollen und was Teil des Gesprächs sein darf.

Checkliste Patientengespräch

1. Sich Zeit nehmen
2. Für eine ruhige Umgebung sorgen
3. Gespräch vorbereiten
4. Das Gespräch empathisch führen, d. h. zum Beispiel, dass die Fragen des Patienten das Gespräch bestimmen
5. Ggf. eine Vertrauensperson wie eine ärztliche Leitungsperson oder eine Pflegekraft hinzubitten
6. Patienten über Vorfall, Folgen und Prognose informieren sowie Empfehlungen für die Weiterbehandlung geben
7. Nur Fakten nennen, keine Spekulationen äußern
8. Bedauern ausdrücken, denn es ist keineswegs ein Schuldeingeständnis und auch nicht haftungsrelevant
9. Haftungsfragen sollten nicht Teil des Gesprächs sein, denn es ist Aufgabe der Versicherung sich mit dem Patienten ggf. gerichtlich zu einigen
10. Gesprächsprotokoll führen und dem Patienten mitgeben

Konsequenzen ziehen

Neben dem Gespräch mit den Patienten bedarf es auch klinikintern einer offenen Kommunikation. Regelmäßige Morbiditäts- und Mortalitätsbesprechungen geben der Fehleraufarbeitung einen festen Platz im Klinikalltag. Dabei ist es wichtig, dass ärztliche Leitung, Geschäftsführung sowie Pflege- und Funktionsdienst miteinbezogen werden.

Lesenswert:
„Reden ist Gold“, Broschüre des Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS)

Quelle:
M. Schenk:
Umgang mit unerwünschten Zwischenfällen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2015; 140 (18); S.1394-1396

cp/KWM
Bildquelle: © Thieme Verlagsgruppe – Paavo Blafield

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