Reform der Notfallversorgung mittels Telemedizin, smarter Alarmierung und einheitlicher Kommunikation

Die Notfallversorgung muss reformiert werden. Diese Tatsache ist nicht neu. Bereits im Jahr 2018 attestierte der Sachverständigenrat diesem wichtigen Bereich des Gesundheitswesens erhebliche Defizite und leitete daraus akuten Handlungsbedarf ab. Doch gleich zwei darauffolgende Gesetzentwürfe scheiterten. Es ist der Spagat zwischen maximaler Patientensicherheit und hohem Koordinationsbedarf, der Beteiligung verschiedenster Stakeholder und möglichst effizienten Abläufen, der den Weg zur Umsetzung so steinig macht. Und doch sind die Herausforderungen „alte Bekannte“: Im Wissensmanagement geht es beim Gros der Projekte darum, verteilte Akteure bestmöglich mit Informationen zu versorgen, Dringlichkeiten zu priorisieren und durch schlanke Prozesse wertvolle Ressourcen zu schonen.

Ineffiziente Prozesse führen zur Überlastung

Bei der Situation in den Notaufnahmen treffen drei Phänomene aufeinander:

  1. eine überalternde, zunehmend multimorbide Gesellschaft,
  2. der sich akut verschärfende Fachkräftemangel im Gesundheitswesen sowie
  3. tradierte, an viele Stellen ineffiziente Prozesse.

Studien zufolge gelten allein in den Notaufnahmen etwa 30 Prozent der Patientenströme als „fehlgeleitet“. Der Zustrom in den Notaufnahmen führt dazu, dass besonders akute Erkrankungen allein aufgrund der schieren Menge an Patienten nicht mehr von weniger dringlichen Krankheitsbildern unterschieden werden können. Ziel der Reform sollte es daher sein, die Patientenströme schon im Vorfeld sinnvoll zu lenken.

Hohe Anzahl an Prozessbeteiligten als Herausforderung

Doch die Zahl der am Notfallprozess Beteiligten erschwert dieses Vorhaben erheblich. Neben den Krankenhäusern und den Rettungsdiensten müssen auch die Bedürfnisse und Vorgaben der Krankenkassen, der kassenärztlichen Vereinigung und der Gesundheitsministerien Berücksichtigung finden.

Hinzu kommt der Patient: Ohne über eigene medizinische Kompetenz zu verfügen, braucht er eine zentrale Anlaufstelle für den Notfall. Er muss schnell und unkompliziert Hilfe finden, ohne seine Symptome selbst einschätzen zu können.

Telemedizin & Co.: Niederschwellige Angebote sind erforderlich

Kern der bisherigen Reformbestrebungen sind neben verschiedenen Rufnummern – vor allem die 112 sowie die 116 117 – die Einrichtung von Integrierten Notfallzentren (INZ), wobei die Definition mitunter vage oder gar widersprüchlich ist. Aus dem Blickwinkel des Wissensmanagements bedarf es insbesondere einer einheitlichen Kommunikationsplattform, die potenziellen Notfallpatienten und deren Angehörigen einen sehr niedrigschwelligen Zugang zur Notfallversorgung bietet. Hier sollten auch telemedizinische Angebote eine wichtige Rolle übernehmen, um insbesondere die Dringlichkeit einer Behandlung besser beurteilen zu können.

Intelligente Alarmierungssysteme als Prozessunterstützer

Ein weiteres Tool aus dem Werkzeugkasten des Wissensmanagements sind intelligente Alarmierungssysteme, die sowohl bei erhöhtem Anrufaufkommen als auch vor Ort in der Notaufnahme bei der Priorisierung der Dringlichkeit unterstützen.

Patentensicherheit und -versorgung als oberste Maxime

Und schließlich gilt es, für eine tragbare und praktizierbare Lösung alle Leistungserbringer an einen Tisch zu holen – und unabhängig von individuellen Befindlichkeiten die Patientensicherheit und die Patientenversorgung an oberste Stelle zu setzen. Auch Aspekte wie der Fachkräftemangel, der Budgethaushalt von Krankenhäusern und die Struktur der Krankenhauslandschaft allgemein gehören dabei mit auf die Tagesordnung.

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