„Schmerzerfassung“ in der Klinik verbessert Behandlungsqualität

Schmerzmanagement © tashatuvango/ Adobe.Stock.com

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Die Qualität der Akutschmerzbehandlung nach OPs ist in deutschen Kliniken aus Patientensicht sehr unterschiedlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von Daten aus dem weltweit größten Akutschmerzregister QUIPS („Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie“). Eine weitere Erkenntnis: Patienten sind zufriedener und empfinden die Behandlung als „besser“, wenn sie nicht nur Medikamente erhalten, sondern informiert und in die Therapieentscheidung mit eingebunden sind und ihre Schmerzen erfasst und dokumentiert werden. 

Gute Schmerzbehandlung nach OP ist entscheidend für die Genesung

In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 18 Millionen operativen Eingriffen. Schmerzen nach Operationen erhöhen das Risiko für Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen. Auch verzögern sie das Wiedererlangen der körperlichen Beweglichkeit und belasten den Patienten. „Hinzu kommt, dass etwa fünf Prozent aller operierten Patienten Monate nach der Operation chronische Schmerzen entwickeln“, sagt Professor Dr. med. Winfried Meißner, im Vorfeld des Deutschen Schmerzkongresses 2018. Er ist Leiter der Sektion Schmerztherapie an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Jena. Die ersten Tage nach der OP seien deshalb auch entscheidend in Bezug auf die Gefahr einer Chronifizierung. Frühes Handeln zahlt sich nach Meinung Meißners aus: Effektive und „finanziell erschwingliche“ Methoden zur Schmerzbehandlung seien an den meisten Kliniken vorhanden.

Qualität der Schmerzbehandlung variiert Patientenangaben zufolge stark

Defizite könnten jedoch nur dann erkannt werden, wenn Schmerzen regelmäßig gemessen und verglichen werden. Krankenhäuser können an Vergleichsprojekten wie dem Register der Initiative QUIPS („Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie“) oder an Zertifizierungen (Certcom) teilnehmen. Eine aktuelle Analyse*, bei der Meißner und Kollegen Struktur- und Prozessmerkmale und deren Auswirkung auf die Ergebnisqualität der postoperativen Schmerztherapie aus Sicht der Patienten untersuchten, brachte zwei wichtige Erkenntnisse.

Die Schmerzintensität, schmerzbedingte Funktionseinschränkungen und die Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung variieren erheblich zwischen den 138 Kliniken, deren Daten für QUIPS erhoben und ausgewertet wurden. Auf einer Skala von 0 (= kein Schmerz) bis 10 (= stärkster Schmerz) berichteten Patienten der „schlechtesten“ zehn Prozent der Krankenhäuser über eine Schmerzintensität von 6,3; diejenigen der zehn Prozent „besten“ Kliniken von 3,6.

Zweitens: In den Krankenhäusern, in denen die Schmerzen in der Krankenakte dokumentiert und die Patienten zu den verschiedenen Therapiemöglichkeiten informiert wurden, waren die schmerzbedingten Beeinträchtigungen geringer und die Zufriedenheit der Patienten höher.

Besser versorgen heißt: Dokumentieren – informieren – einbeziehen

„Neben Medikamenten sind drei Faktoren für die Akutschmerzbehandlung nach OPs wichtig: Patienten informieren, in die Therapieentscheidung mit einbeziehen und die Schmerzen regelmäßig erfassen“, bilanziert Meißner, Mitglied des Vorstands der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. Professor Dr. med. Carla Nau, Kongresspräsidentin des Deutschen Schmerzkongresses 2018, ergänzt: „Mit dem Messen der Qualität der postoperativen Schmerzbehandlung und einer leitliniengerechten Behandlung kann langfristig die Behandlungsqualität der Patienten deutlich verbessert werden.“

Terminhinweis

Der Deutsche Schmerzkongress 2018 findet vom 18. bis 20. Oktober im Congress Center Rosengarten in Mannheim statt. Die jährliche Fachtagung der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. steht in diesem Jahr unter dem Motto FIT FÜR DIE ZUKUNFT.

Quellen:
Behandlungsqualität verbessern durch „Schmerzerfassung“ in der Klinik, Pressemeldung zum Deutschen Schmerzkongress 2018 in Mannheim vom 27.9.2018
*Meißner W, Komann M, Erlenwein J, Stamer U, Scherag A: Qualität postoperativer Schmerztherapie in deutschen Krankenhäusern. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 161–7. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0161

cp/KWM
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