Schmerzversorgung ist wichtiges Qualitätsmerkmal

Schmerzversorgung ist wichtiges Qualitätsmerkmal © Coloures-pic – Fotolia.com

© Coloures-pic – Fotolia.com

Viele Patienten leiden nach einem Eingriff unter postoperativen Schmerzen. Ein großer Teil leidet still und nimmt den Schmerz als unabdingbare Nebenwirkung der OP hin, ohne den Ärzten oder Pflegekräften entsprechende Hinweise zu geben. Eine angemessene Schmerztherapie bleibt daher oft aus. Die Folgen können für Klinik und Patient gravierend sein. Wird der Akutschmerz chronisch, verlängert sich der Genesungsprozess: Die Behandlungskosten steigen, die Patientenzufriedenheit nimmt ab. Nicht umsonst wurde deshalb auf dem diesjährigen Schmerzkongress in Mannheim die Forderung laut, die Behandlungsqualität einer Einrichtung auch im Hinblick auf deren Schmerzversorgung zu beurteilen.

„Gute und schlechte Qualität muss endlich systematisch in den Einrichtungen des Gesundheitswesens erhoben werden, und zwar auch zum Thema Schmerz“, forderte der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Professor Dr. med. Michael Schäfer. Dabei können Gesundheitspolitik, Klinikträger, Krankenkassen und interessierte Einrichtungen bereits auf erfolgreich entwickelte Instrumente zurückgreifen.

Patienten geben Auskunft

Das Projekt „Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie (QUIPS)“ zeigt, dass ein Qualitätsvergleich möglich und sinnvoll ist. 2006 ins Leben gerufen, wurde es unter Federführung von Professor Dr. med. Winfried Meissner, Leiter der Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena und Präsidiumsmitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. entwickelt und durchgeführt. QUIPS ist ein multizentrisches, interdisziplinäres Benchmark-Projekt. Die beteiligten über 200 Krankenhäuser erfassen kontinuierlich patientenbezogene Daten. Generiert werden diese über einen kurzen Fragebogen, den jeder Patient nach der OP ausfüllt. Die Angaben zur Schmerzstärke, funktionellen Einschränkungen, aber auch zu Nebenwirkungen und Behandlungszufriedenheit fließen anonymisiert in eine zentrale Datenbank ein.

Schwachstellen zeitnah aufdecken

Teilnehmende Kliniken können sich so in Hinblick auf die Qualität ihrer postoperativen Schmerzversorgung vergleichen. Filterfunktionen ermöglichen Abfragen etwa nach Art des Eingriffs, nach Geschlecht, nach Alter und Anästhesieverfahren. Nach Aussage des Projektkoordinators Meißner lassen sich durch QUIPS Schwachstellen zeitnah erkennen und beheben, noch bevor größere ökonomische Nachteile, wie verlängerte Liegezeiten oder negative Patientenbewertungen, entstehen. Zudem sind die Teilnahmekosten für Kliniken mit 1.500 Euro im Jahr gegenüber denen einer Zertifizierung im Bereich Schmerzmanagement vergleichsweise gering.

Darüber hinaus hat die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. in den letzten Jahren ein Register aufgebaut, um zusammen mit niedergelassenen Schmerzexperten und multimodalen Schmerzzentren Qualität zu erfassen. Mithilfe der „KErnDOkumentation und Qualitätssicherung (KEDOQ-Schmerz)“ ist es möglich, dass sich schmerztherapeutische Einrichtungen, die Patienten mit (chronischen) Schmerzen ambulant, teilstationär oder stationär versorgen, systematisch vergleichen und damit ihre eigene Qualität sichern beziehungsweise fortentwickeln. „KEDOQ-Schmerz“ sollte verpflichtender Bestandteil der Vor-Ort-Versorgung werden, fordert die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.

Quelle:
Pressemeldung der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. vom 25.10.2016: Deutscher Schmerzkongress 2016: Qualitätsindikatoren im Gesundheitswesen einführen

W. Meißner und C. Weinmann:
Gut oder schlecht? Fragen Sie Ihre Patienten
kma – das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2015; 20 (8); S.32–34

cp/KWM
Bildquelle: © Coloures-pic – Fotolia.com

Hinterlassen Sie einen Kommentar