Seelische Gesundheit von Ärzten ist Teil des Patientenwohls

Belastung im Arztalltag © wutzkoh/Adobe.Stock

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Psychotherapeuten am Universitätsklinikum Leipzig haben eine internetbasierte Schreibtherapie für Ärztinnen und Ärzte entwickelt, die unter posttraumatischem Stress leiden. Das Angebot zielt jedoch nicht nur auf die Gesundheit der Betroffenen, sondern hat auch die von ihnen behandelten Patienten im Blick. Denn nur ein seelisch gesunder Arzt kann auch verantwortungsvoll handeln!

Ärzte  leiden viermal so oft unter einer PBTS als andere Erwachsene

„Ärzte und Ärztinnen haben ein erhöhtes Risiko, traumatische Erfahrungen zu erleben, da sie täglich mit Schmerz, Leid, schweren Erkrankungen oder Tod konfrontiert sind“, erklärt Prof. Dr. Anette Kersting, Direktorin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). Im Vergleich zur erwachsenen Allgemeinbevölkerung litten sie etwa viermal häufiger unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung, so Kersting. Infolge dessen würden Orte, Menschen oder Situationen vermieden, die an das traumatische Ereignis erinnern, oder eine überhöhte Reizbarkeit entsteht. Ein Zustand, der nicht nur die Zusammenarbeit mit Kollegen erschwert, sondern auch die Patientensicherheit gefährdet.

Internetbasierte Interventionen sind flexibel und anonym nutzbar

Es gilt daher, niedrigschwellige Angebote für Ärzte zu schaffen, damit sie zeitnah professionelle Hilfe in Anspruch nehmen könnten, so Kersting weiter. Deshalb haben die Psychotherapie-Experten am UKL eine Internettherapie entwickelt. Die Wirksamkeit konventioneller Psychotherapien bei posttraumatischem Stress (PTS) ist gut belegt. „Einer Behandlung von Ärztinnen und Ärzten mit PTS stehen jedoch einige Hürden entgegen“, beschreibt die Leipziger Expertin. Lange und unregelmäßige Arbeitszeiten sowie die Angst vor negativen Auswirkungen auf die berufliche Karriere erschweren die Inanspruchnahme therapeutischer Unterstützung. Internetbasierte Interventionen lassen sich dagegen flexibel in den Alltag integrieren und bieten eine höhere Anonymität als herkömmliche Therapien. 

Studie überprüft Wirksamkeit der Maßnahmen

Die Online-Therapie für Mediziner wird nun erstmals im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie durchgeführt und besteht aus zehn Schreibaufgaben, die über einen Zeitraum von fünf Wochen bearbeitet werden. Die im Oktober startende Studie soll die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Verarbeitung von posttraumatischem Stress nach einem belastenden Ereignis im Arztberuf untersuchen.

Interessenten finden mehr Informationen zum Therapieangebot unter www.belastung-im-arztberuf.de.

Quelle:
www.uniklinikum-leipzig.de

cp/KWM
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