Self Tracking: Digitales Wissensmanagement für die Arzt-Patienten-Kommunikation

Self-tracking © momius/adobe.stock.com

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Gesundheits-Apps liegen voll im Trend. Jeder Zehnte nutzt derzeit sensorgestützte Wearables, um seine persönlichen Vital- und Fitnessdaten zu erheben. Unter den Smartphone-Nutzern ist sogar jeder Zweite bereits auf den Self-Tracking-Zug aufgesprungen. Tendenz weiter steigend. Neben den Anwendern sind es vor allem die Sport- und Ernährungsbranche, die von den stetig wachsenden Datensammlungen profitieren. Ob für die Produktentwicklung, die Kundenbindung oder zu Marktforschungszwecken – Self Tracking öffnet ihnen ganz neue Einblick in ihre Zielgruppe. Auch die Medizin könnte – im Rahmen ihrer E-Health-Bestrebungen – vom „Gesundheits-Big-Data“ profitieren. Doch noch geht der Trend weitgehend an Krankenhäusern & Co. vorbei.

Self Tracking = Big Data = Wissensmanagement

Die Digitalisierung ist ein wichtiger Bestandteil des Wissensmanagements und steht für Datenaustausch in Echtzeit, medienbruchfreie Kommunikation sowie die intelligente Auswertung sowie Nutzung riesiger Datenmengen. E-Health hat zum Ziel, genau diese Mehrwerte auch im Gesundheitssektor nutzbar zu machen. Self Tracking setzt genau hier an: Es fokussiert auf die Sammlung, Aufbereitung und Nutzbarmachung gigantischer Datenmengen. Big Data also, aber mit der Besonderheit, dass es sich dabei um medizinisch relevante Informationen handelt. Das ist selten – und daher für Krankenhäuser & Co. so wertvoll.

Self Tracking ist folglich nicht nur ein wichtiger Bestandteil von E-Health, sondern zählt im Kern zum Wissensmanagement. Und genau diese Disziplin soll dem Gesundheitssektor ja bekanntlich den Weg aus den momentanen und künftigen Herausforderungen weisen. Dazu zählt insbesondere der demografische Wandel und die immer größer werdende Kluft zwischen verfügbaren medizinischen Fachkräften und der pflege- beziehungsweise behandlungsbedürftigen Gesellschaft. Permanent überfüllte Notaufnahmen und immer größer werdende Versorgungslücken im ländlichen Raum sind nur zwei der Symptome, die die Brisanz dieses Themas verdeutlichen. Es sind aber auch zwei Beispiele, denen mit Hilfe von E-Health – und ganz besonders mit sensorgestützten Gesundheitsanwendungen – zumindest teilweise begegnet werden kann.

Permanente Überwachung von Risikopatienten

Ganz gleich ob als Smartwatch, Fitnessarmband oder in Form von smarter Kleidung – Wearables zeichnen die Vitalfunktionen auf und übertrage sie auf Wunsch auch, zum Beispiel zum behandelnden Arzt. Die technischen Voraussetzungen dafür sind längst vorhanden. Während gesunden Menschen die Daten lediglich für ihren jährlichen Check beim Hausarzt dienen, zeigen sich die Möglichkeiten insbesondere bei chronisch Kranken oder bei Risikopatienten. Denn Wearables erlauben eine permanente Überwachung. Solange die Werte im Normalbereich liegen, erfolgt die Datenerhebung unbemerkt im Hintergrund. Schlagen sie allerdings in die eine oder andere Richtung aus, werden Patienten, Angehörige und Ärzte alarmiert. Erste Handlungsanweisungen erfolgen vollautomatisch. Anschließend können weitere Maßnahmen individuell besprochen werden, zum Beispiel am Telefon. Häufig lassen sich dann auch Rückschlüsse ziehen: Wurde eine Medikamenteneinnahme vergessen? Gab es besondere Anstrengungen oder Aufregungen?

Ein Plus an Daten und Sicherheit

Epileptiker, Diabetiker oder Bluthochdruckpatienten bekommen so ein Mehr an Sicherheit. Die behandelnden Ärzte sind über den Gesundheitszustand ihrer Patienten stets im Bilde. Und die Notaufnahme hat die erforderlichen Vitaldaten sowie das Langzeitmonitoring bereits vorliegen – bestenfalls noch bevor der Patient überhaupt angekommen ist. Technisch ist das alles längst möglich. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist so hoch wie selten bei Innovationen. In der Praxis scheitert es aber an der erforderlichen Schnittstelle zum Arzt beziehungsweise zum Krankenhaus.

Self Tracking und der Schwung der Crowd

Self Tracking erlaubt die Überwachung auch bis in entlegene Regionen. Und es ist ein Service, der für Krankenhäuser zum attraktiven Mehrwert werden kann. Obendrein hilft es, Ressourcen zu schonen – bei gleichzeitig hoher Versorgungsqualität. Damit ist Self Tracking ist mehr als nur die Leidenschaft zum Datensammeln. Es ist auch mehr als nur eine Selbst-Monitoring. Die Erhebung von persönlichen Gesundheitsdaten ist Wissensmanagement in Reinkultur und hat längst eine gesellschaftliche Dimension erreicht. Self Tracking ist eine Massenbewegung. Und in keiner anderen Disziplin lässt sich der Schwung der „Crowd“ so gut nutzen wie im Wissensmanagement.

nl/KWM
Bildquelle: © momius/adobe.stock.com

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