Sicherheitsrisiko Fax

Faxgerät © piyahunjun/ Adobe.Stock.com

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Big Data, elektronische Gesundheitskarte, Telemedizin – Digitalisierung spielt  in der Gesundheitsbranche eine immer größere Rolle. Diese Themen rufen aber auch immer wieder Kritiker auf den Plan, die sich um die Datensicherheit sorgen. Wenig Aufsehen erregen hingegen Faxgeräte. Immer noch sind sie täglich in Klinik und Praxis im Einsatz. Das Risiko, dass Patientendaten hierüber in die falschen Hände geraten und Hacker sich Eingang ins gesamte Kliniknetzwerk verschaffen, ist hier jedoch vergleichsweise groß. Die kürzlich gegründete Initiative #faxendicke hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, das Fax in der Medizin schnellstmöglich zu ersetzen.

Eine Umfrage der CompuGroup Medical und des Springer Medizin Verlages aus dem vergangenen Jahr ergab, dass das Fax zwar eine althergebrachte, aber keineswegs ungenutzte Technologie ist: 80 Prozent der Mediziner versenden ihre Arztbriefe an niedergelassene Kollegen noch per Fax. Für Dr. Johannes Jacubeit ist das nicht nachvollziehbar: „So einfach das Versenden eines Faxes auch sein mag, es ist eine alte, unverschlüsselte Technologie, bei der die Qualität der Daten zusätzlich stark leidet.“ Der Geschäftsführer der connected-health.eu GmbH gehört zu den Mitbegründern der Initiative #faxendicke. Gemeinsam mit den Gesundheitsexperten Frank Stratmann und Professor Heinz Lohmann macht er sich dafür stark, Kliniken und Praxen über das Sicherheitsrisiko aufzuklären und auf Alternativen hinzuweisen.

Faxen: Diese Fakten sollte Sie kennen! *

 

  • Die Inhalte werden grundsätzlich offen übermittelt. Ähnlich wie bei einer Postkarte können Informationen mitgelesen werden.
  • Selbst durch die Umstellung der ISDN-Anschlüsse auf die sogenannte IP-Technik, erfolgt der Versandweg teilweise unverschlüsselt über das Internet.
  • Die Geräte stehen meist an einem zentralen Ort, damit sie für jedermann zugänglich sind. Dadurch steigt das Risiko, dass unbefugte Mitarbeiter oder Dritte (Dienstleister oder Besucher), die Informationen einsehen können.
  • Neuere Geräte verfügen oft über Fernwartungsfunktionen. Das ermöglicht unter Umständen einen Zugriff von außen auf die im Gerät gespeicherten Daten.
  • Bei der Entsorgung von Faxgeräte werden zuvor gespeicherte Daten nur selten gelöscht. Dabei speichern moderne Geräte neben Sende- und Empfangsprotokollen sowie Kurzwahlzielen häufig auch die Inhalte der Dokumente über längere Zeit.
  • Auch unter juristischen Gesichtspunkten ist das Fax keine gute Wahl: Empfangsbestätigungen und Sendeberichte sind keine Garantie, dass Dokumente an der richtigen Stelle angekommen sind. Um das sicherzustellen müsste der Empfänger am anderen Ende stehen und das Fax entgegennehmen. Vor Gericht gilt die Empfangsbestätigung nicht.

Computerexperten schlagen angesichts dieses Sicherheitsrisikos Alarm: Fax-Geräte eröffnen Hackern die Möglichkeit, die Telefonleitung zu manipulieren und diese als Einfallstor für einen Angriff auf das gesamte Netzwerk zu nutzen. Im Sommer dieses Jahres machte die unter dem Namen „Faxploit“ bekannte Sicherheitslücke Schlagzeilen.

An Alternativen zum Fax mangelt es nicht

Dabei gibt es heute digitale und sichere Alternativen, um Dokumente zu übermitteln wie beispielsweise die verschlüsselte E-Mail-Kommunikation. Eine Auswahl stellt die Initiative #faxendicke auf ihrer Interseite vor. Frank Stratmann fordert alle Verantwortlichen auf, sich digitalen Neuerungen nicht zu verschließen: “Wer nicht angeschlossen ist, wird ausgeschlossen. Es geht gar nicht um das Fax. Es geht um Zukunftsfähigkeit durch Anschlussfähigkeit. Eine digitale Haltung, die Ärzten häufig noch fehlt.”

Quellen:
*Sechs Fakten, warum das Fax unsicher ist unter www.faxendicke.org
Neue Initiative #faxendicke will Fax in der Medizin abschaffen, Pressemeldung vom 8.11.2018
Rückständig oder bodenständig: Ärzte faxen am liebsten, ÄrzteZeitung online 14.7.2017
„Faxploit“: Faxgeräte sind ein Einfallstor für Hacker, Frankfurter Rundschau online 14.8.2018

cp/KWM
Bildquelle: © piyahunjun/ Adobe.Stock.com

 

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