Sind Millennials die besseren Wissensmanager?

Wissensmanagement © XtravaganT/ Adobe.Stock.com

© XtravaganT/ Adobe.Stock.com

Wissensmanagement ist alternativlos. Gleichzeitig scheint die Umsetzung einer Mammutaufgabe zu gleichen. Von einer flächendeckenden Implementierung ist das Gesundheitswesen noch weit entfernt. Woran liegt das? Offenbart das Wissensmanagement-Dilemma womöglich ein Generationenproblem? Und wenn ja, wie lässt es sich in absehbarer Zeit lösen?

Bis zu fünf Generationen unter einem Dach

Im Gesundheitswesen arbeiten derzeit – je nach Definition und Statistik – bis zu fünf Generationen zusammen. Dazu zählen: die Veteranen, die Baby Boomer sowie die Generationen X, Y und Z. Auch wenn die ältesten und die jüngsten jeweils nur etwa ein Prozent der Belegschaft ausmachen, sind ihre Einflüsse unbestritten. Vor allem die Prägung der Älteren hat auch noch in der Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben Auswirkungen auf die Organisationskultur. Das sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber erwähnt.

Aber auch wenn wir die bis Mitte der 50er Jahre geborenen Veteranen und die ab Jahrtausenderwende existierende Generation Z einmal hinten anstellen, bleiben immer noch drei Generationen, die ganz unterschiedliche berufliche wie private Ziele haben.

Wie tickt die Generation Y?

Die Generation Y, auch bekannt als Millennials, ist als erste Altersgruppe überhaupt mit dem Internet aufgewachsen. Der Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann spricht in diesem Zusammenhang von einer „Multioptionsgesellschaft“ ohne Grenzen, in der die Yler groß geworden sind. Diese Prägung beeinflusst maßgeblich die Auffassung ihres Berufslebens und ihre Einstellung zur Arbeit. Gleichzeitig unterscheiden diese Aspekte sie maßgeblich von den Vorgängergenerationen.

Die Generation Y hat sehr gute Voraussetzungen für beruflichen Erfolg: Sie ist gut ausgebildet und stark technikaffin. Kollaboration, also das gemeinsame Arbeiten und der aktive Austausch von Wissen, ist ihnen bereits in die Wiege gelegt. Daher agieren sie bevorzugt in Teams und lehnen starre Hierarchien und strenge Reglementierungen ab.

Hinzu kommt, dass auch ihr bisheriger Lebensweg nicht ungetrübt war: Was bei den Babyboomern die Nachkriegszeit und für die Generation X der Fall der Berliner Mauer sowie das Ende des kalten Krieges war, sind für die Generation Y Terror und Finanzkrise. Den Umgang mit Unsicherheiten haben sie von klein auf gelernt. Sie können folglich mit sich schnell verändernden Rahmendbedingungen gut umgehen und flexibel interagieren.

Was hat das mit Wissensmanagement zu tun?

Für das Wissensmanagement sind das ideale Voraussetzungen. Wissensmanagement – die Grundlage für jedwede erfolgreiche Digitalisierung – braucht eine wissensförderliche Organisationsstruktur, um nachhaltig wirken zu können. Das bedeutet insbesondere: flache Hierarchien, Teamgedanke, offene Kommunikation, Fehlertoleranz, Feedbackkultur und die Bereitschaft, Wissen aktiv zu teilen. Damit erfordert Wissensmanagement im Grunde genau das, was die Generation Y fordert.

Anders als ihren Vorgängergenerationen spielt ihnen der demografische Wandel derzeit in die Karten. Hier besteht eine Wechselbeziehung: Die Millennials fordern die Strukturen einer Wissensorganisation aktiv ein. Durch den Geburtenrückgang werden sie in den Unternehmen und auch in den Krankenhäusern bald in der Überzahl sein. Sie streben gezielt Führungspositionen an und haben dann die Macht, ihre Ideen umzusetzen.

Auf der anderen Seite lässt der demografische Wandel es gar nicht zu, noch so lange zu warten. Das gilt insbesondere für das Gesundheitswesen. Finden sich die Millennials in den Strukturen von Kliniken nicht wieder, werden sie kein Krankenhaus als künftigen Arbeitgeber wählen, sondern einen Pharmakonzern oder ein Medizintechnikunternehmen. Oder sie gründen ein Start-up. Die Möglichkeiten, die sie haben, sind vielfältig.

Kliniken brauchen ein Wissens- und Generationenmanagement

Auch die Babyboomer und die Generation X können Wissensmanagement. Das steht außer Frage. Sie haben in der Vergangenheit aber ein anderes Arbeiten kennen gelernt. Offene Kommunikation, Teamarbeit und Kollaboration sind vor allem für die älteren Vertreter der Generationen Neuland. Sie müssen sich dem aber öffnen, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Krankenhäuser sind vor diesem Hintergrund gefordert, ihre Organisationsstrukturen dahingehend zu verändern, dass sie für den Nachwuchs attraktiv werden, ohne die älteren vor den Kopf zu stoßen. Es gilt, alle Generationen aktiv einzubinden, um den Weg für das Wissensmanagement und damit für die Digitalisierung frei zu machen.

Wie das gelingt? Indem Krankenhäuser eine Stelle schaffen, die Wissens- und Generationenmanagement vereint.

nl/KWM
Bildquelle:
© XtravaganT/ Adobe.Stock.com

 

Ein Kommentar auf “Sind Millennials die besseren Wissensmanager?”

  1. Fritz Iversen sagt:

    Interessante Überlegungen. Im Grunde zeigt die Überlegungen zu den unterschiedlich eingewöhnten Wissensträger allerdings, wie wichtig Technologien und Strukturen sind. Man muss ja zunächst überlegen: Wer und wo ist das Wissen? Sind erfahrenere MitarbeiterInnen nicht eher diejenigen, die mehr Wissen haben?
    Die andere Frage, ob „Teams“ nicht gerade in Krankenhäusern schon ganz gut funktionieren. Krankenhäuser sind ja eigentlich nach Wissensgebieten gegliedert: Neurologie, Kardiologie, Augenheilkunde etc. Das Problem ist dann eher ganz klassisch: Wie orgenaisiert man die Wissenspartizipation abteilungsübergreifend? Und wie bleibt Wissen für die Organisation erhalten, wenn MitarbeiterInnen die Organisation verlassen bzw. nicht anwesend sind?
    Dazu braucht man möglichst smarte Technologien – smart auch bei der GUI. Da tut sich ja immer mehr dank NLP, Semantik, Machine Learning. Gerade gestern „Ask Sherlock“, eine Lösung von Starmind aus der Schweiz. Großartig, weil einmal gegebene Antworten im System bleben und weiterwirken. https://www.plattform-lernende-systeme.de/ki-landkarte.html

Hinterlassen Sie einen Kommentar