Sind Sie ein attraktiver Arbeitgeber? Kliniken zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Personal © Kirsten Oborny/ Thieme Gruppe

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Steigender Fachkräftemangel bis hin zum Pflegenotstand macht Kliniken landein, landaus zu schaffen. In dem Bestreben, die offenen Stellen zu besetzen, feilen Krankenhäuser zunehmend an ihrer Arbeitgeberattraktivität. Im Sinne von Employer Branding versuchen sie, die besten Köpfe in ihr Haus zu locken. Hochglanzbroschüren und vollmundige Versprechungen sollen dafür sorgen, dass das eigene Haus im War for Talents die Nase vorn hat. Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen dabei oft weit auseinander.

Ärzte geben ihren Arbeitgebern schlechte Noten

Nur jeder vierte Arzt würde seine eigene Klinik hierzulande als Arbeitgeber empfehlen. Das ergab der „Front Line of Healthcare Report 2016“. Zwar steht Deutschland im internationalen Vergleich damit noch verhältnismäßig gut da. Doch Krankenhäusern konkurrieren bei der Personalsuche zunehmend mit der freien Wirtschaft. Und während medizinische IT-Dienstleister und Software-Häuser mit flexiblen Arbeitszeiten, familienfreundlichen Rahmenbedingungen und flachen Hierarchien winken, bleibt diesbezüglich in den Kliniken alles beim Alten. Hinzu kommt der allgegenwärtige Kostendruck. Und genau den sehen die Studienteilnehmer als größtes Hindernis auf dem Weg zur Arbeitgeberattraktivität. Einsparmaßnahmen und Budgetkontrolle führen zu großflächiger Unzufriedenheit. In Anbetracht des künftig weiter steigenden Versorgungsbedarfs befürchten sie, die medizinische Qualität langfristig nicht aufrechterhalten zu können. Falsche Strukturen und Strategien befeuern, so die Studie, diese Entwicklung zusätzlich.

Mit Wissensmanagement das Ruder herumreißen

Mitten im demografischen Wandel sind das keine guten Voraussetzungen für die Kliniklandschaft von morgen. Es gilt folglich, umgehend zu handeln. Das heißt in erster Linie: Runter von den Kosten! Gleichzeitig müssen etablierte, aber nicht mehr zeitgemäße Strukturen überdacht und neu definiert werden. Das beginnt beim Aufweichen von starren Hierarchien, geht über Kommunikation auf Augenhöhe und Fehlertoleranz bis hin zu einem Öffnen für familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Wissensmanagement kann helfen, all diese Faktoren unter einen Hut zu bringen.

Die Einführung von Wissensmanagement kann bisher ungeahnte Einblicke in vermeintlich etablierte Prozesse geben, Ressourcenverschwendung aufzeigen und Optimierungspotenziale offenlegen. Das spart bares Geld und entlastet das Personal.

Entlastung auf Knopfdruck

Wissensmanagement kommt somit einem Großreinemachen gleich. Es bietet die Gelegenheit, sich vom „Das haben wir doch immer so gemacht“ zu trennen und frischen Wind durch die Stationen wehen zu lassen. Wissensmanagement automatisiert diejenigen Abläufe, die das Personal tagtäglich wertvolle Zeit kostet – ohne dass sie dem Patienten zugutekommt oder sich ertragssteigernd für das Krankenhaus auswirkt. IT-gestützte Wissensmanagement-Lösungen nehmen unliebsame Aufgaben ab. Zum Beispiel die Informationssuche. Oder die Prozessüberwachung. Vieles funktioniert damit auf Knopfdruck.

Der Wandel braucht kulturelle Veränderungen

Doch Software allein, das wissen Sie sicher selbst, senkt noch keine Kosten und reduziert keine Mehraufwände. Die Einführung von Wissensmanagement muss einhergehen mit einer organisationalen Verjüngungskur. Zunächst gilt es, alle Mitarbeiter mit auf diese Reise zu nehmen. Sie also zu involvieren. Sie nach ihren Bedürfnissen, Vorschlägen und Meinungen zu fragen – und diese dann auch ernsthaft zu prüfen und gegebenenfalls umzusetzen. Es bedarf also einer Kommunikation auf Augenhöhe. Es braucht Mitarbeiterbeteiligung. Es muss Wissen bereitwillig geteilt und offen kommuniziert werden.

Auf diese Weise wird Ihr Krankenhaus zu einer Organisation, in die sich das Personal gerne einbringt und in der es sich und sein Engagement wertgeschätzt fühlt. Das fördert die Motivation und die Identifikation mit dem Arbeitgeber. Das ist Arbeitgeberattraktivität, wie es sich viele Kliniken wünschen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Es wird Zeit, endlich den ersten Schritt dorthin zu gehen.

nl/KWM
Bildquelle: © Kirsten Oborny/ Thieme Gruppe

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