Smart Architecture: Können bauliche Maßnahmen die Versorgungsqualität erhöhen?

Wohlfühl-Beleuchtung, grüne Oasen und eine heimelige Einrichtung – das Interieur trägt maßgeblich dazu bei, ob sich Patienten in der Klinik gut aufgehoben fühlen, ob sie zur Ruhe kommen und sich voll und ganz auf den Genesungsprozess konzentrieren können. Die so genannte Healing Architecture geht aber noch einen Schritt weiter: Sie schafft nicht nur ideale Voraussetzungen für die Patienten, sondern hat auch das Klinikpersonal im Fokus. Stressreduktion, körperliche Entlastung und intelligente Ausstattung tragen dazu bei, dass sich Arzt- und Pflegepersonal ohne Ablenkung auf die Patienten konzentrieren können. Smarte Baukonzepte sind zudem die Basis für intelligente Vernetzung und innovatives Wissensmanagement – zwei Aspekte, auf die moderne Krankenhäuser in Zukunft nicht mehr verzichten können.

Healing Architecture – nicht nur in Neubauten realisierbar

Wird ein Krankenhaus neu gebaut, lassen sich diverse moderne Baukonzepte umsetzen. Anders als bei Bestandsobjekten gehören dann beispielsweise Grünflächen und Hotel-ähnliche Eingangsbereiche zur Grundausstattung. Allerdings sind Neubauten eher die Ausnahme. Vielmehr geht es darum, Aspekte der genesungsfördenden Raumgestaltung in Modernisierungs- und Wissensmanagement-Projekte einfließen zu lassen. Ziel ist es, den Menschen konsequent in den Mittelpunkt der einzelnen Klinikprozesse zu stellen.

Patienten und Mitarbeiter im Fokus

Das Hauptaugenmerk liegt dabei aber nicht nur auf dem Patienten, sondern auch auf allen anderen Akteuren, insbesondere den Beschäftigten. Das heißt: Einerseits sollen sich die Patienten natürlich wohlfühlen. Intelligente Architektur verfolgt aber einen ganzheitlichen Ansatz. Das bedeutet: Sie erleichtert dem medizinischen Fachpersonal ihre Alltagsroutine und setzt damit an ganz unterschiedlichen Prozessbausteinen an.

Smarte Oberflächen reduzieren das Infektionsrisiko

So werden in einem modellhaften Patientenzimmer am Klinikum Braunschweig derzeit unter anderem smarte Materialen entwickelt und getestet, die aufgrund ihrer besonderen Oberflächenbeschaffenheit leichter zu reinigen sind und vor dem Hintergrund des Infektionsschutzes von großer Bedeutung für moderne Krankenhäuser mit hoher Versorgungsqualität sind: Solche intelligenten Oberflächen verhindern die Ausbreitun von Infektionen, wodurch sich das Ansteckungsrisiko bei Patienten und Klinikpersonal gleichermaßen reduziert. Zudem entlastet es die Mitarbeiter, weil sie weniger Zeit in die Desinfektion investieren müssen.

Intelligente Beleuchtung schafft Wohlfühlatmosphäre

Smarte Architektur geht zudem mit intelligenten Beleuchtungskonzepten einher und sorgt beispielsweise dafür, dass das Pflegepersonal in der Nacht keine Vollbeleuchtung benötigt, um eine Schublade im Patientenzimmer zu öffnen. Stattdessen flammt sensorgesteuert und vollautomatisch ein kleines Licht direkt am Griff auf.

Innovative WCs als Schnittstelle zum Labor

Darüber hinaus schaffen intelligente Baukonzepte die Voraussetzungen für intelligente Vernetzung. Dazu zählen neben smarten Assistenzsystemen, die die Raumsteuerung auch per Zuruf erlauben, beispielsweise Steckdosen am WC. Was zunächst simpel – oder sogar überflüssig – klingt, hat einen tieferen Sinn: Smarte WCs sind in der Lage, bei jedem Toilettengang relevante Laborergebnisse zu liefern. Blut im Urin oder erhöhte Eiweißwerte werden so automatisch und ganz nebenbei – ohne händisches Zutun des Personals – erfasst. Bei Abweichungen erhalten die verantwortlichen Pflegekräfte eine Systemmeldung und können so umgehend weitere Untersuchungen veranlassen. Auf dies Weise sind sie in der Lage, proaktiv zu handeln. Eine tägliche „händische“ Testung würde zu einem deutlichen Mehraufwand führen und erhebliche Mehrkosten verursachen. Zudem sind die Patienten entspannter, weil sie wissen, dass sie lückenlos monitort werden – ohne aber aktiv an einer Testung teilzunehmen zu müssen. Denn das würde für den Einzelnen ein erhöhtes Stresslevel bedeuten.

Fazit

Im Kontext von intelligenter – sensorgesteuerter – Vernetzung trägt smarte Architektur damit nachhaltig zur einer höheren Versorgungsqualität bei und entlastetet gleichzeitig alle am Behandlungsprozess beteiligten Personen. Zudem lassen sich einzelne Aspekte auch in ein bestehendes Krankenhaus implementieren.

 

Bildquelle: Ahmad Setyadi, https://pixabay.com/de/photos/empfangshalle-baum-holz-t%c3%bcr-mauer-4886627/

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