So gelingt der Weg zum demenzsensiblen Krankenhaus

demenzsensibles Krankenhaus

© Thieme & Frohberg GmbH

Das demenzsensible Krankenhaus erfährt eine zunehmend wachsende Bedeutung. Eine fremde Umgebung, unbekannte Menschen und Abläufe fernab der häuslichen Routine – ein Krankenhausaufenthalt ist für Menschen mit Demenz eine riesige Hürde. Und auch für das Klinikpersonal sind die Bedürfnisse dieser speziellen Patientengruppe angesichts eng getakteter Abläufe und permanenter Zeitnot eine besondere Herausforderung. Im Klinikalltag sind nur die wenigsten Stationen auf diese Situation eingestellt. Und das, obwohl täglich 50.000 Demenzerkrankte stationär behandelt werden.[1] Oft ist die Demenz dabei „nur“ eine Nebendiagnose. Dennoch muss sie im Sinne des Patientenwohls in den Fokus aller Beteiligten rücken. Demenzsensible Krankenhäuser machen sich genau das zum Ziel.

Demenzsensibilität im Krankenhaus entwickeln

Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung steigt bei 82 Prozent der Pflegekräfte in Akutkrankenhäusern die Zahl der demenzkranken Patienten, die sie versorgen.[2] Doch weniger als ein Drittel fühlt sich für diese Herausforderung ausreichend qualifiziert. Zum anderen sind die Rahmenbedingungen vielerorts für Demenzkranke schlichtweg ungeeignet: zu viel Stress, zu kurze Zeitfenster, fehlende Orientierungshilfen und unzureichende Beschäftigungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass die Demenz bei der Aufnahme häufig nicht bekannt ist – weil es sich beim Großteil der Fälle um eine Nebendiagnose handelt, die nicht dokumentiert ist.

Aus dieser Symptomatik ergeben sich drei konkrete Handlungsbereiche:

  1. Schulung der medizinischen Fach- und Pflegekräfte
  2. Sensibilisierung für das Thema entlang der gesamten Behandlungskette, beginnend beim Vorgespräch
  3. Anpassung der Rahmenbedingungen

Demenzsensibles Krankenhaus: Ein ganzheitlicher Ansatz

Allerdings ist es dabei nicht mit einer einmaligen Schulung oder der Ergänzung auf einer Checkliste für die Krankenhausaufnahme getan. Vielmehr geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, der für eine tiefe Kenntnis über die Krankheit und die Bedürfnisse der entsprechenden Patienten beim gesamten Klinikpersonal sorgt. Denn, so Dr. Winfried Teschauer von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft: „Demenzsensibilität erreicht man nur mit einer grundsätzlichen Haltungsänderung des gesamten Personals. Voraussetzung hierfür sind grundlegende Kenntnisse über die Erkrankung. Die Haltung des Personals lässt sich nicht mit einer zweitägigen Demenzfortbildung oder mit einer Checkliste zum Abarbeiten verändern. Individuelles Fallverstehen und eine verstehende Diagnostik werden gebraucht und der Umgang mit diesen Menschen muss erlernt und immer wieder geübt werden.“

Praxisbeispiel: Demenzsensibilität am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf

Das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf in Hamburg verfügt seit 2011 über eine eigene Station, auf der Patienten mit der Nebendiagnose Demenz behandelt werden. [3] Dort ist alles auf ihre Bedürfnisse eingestellt: Das Pflegepersonal hat besonders viel Zeit, die es vor allem für Gespräche und Erklärungen nutzt. Geduld und Verständnis haben oberste Priorität. Feste Essens- und Schlafenszeiten gibt es nicht, dafür aber Musiktherapie. Die Inneneinrichtung und das Ambiente soll die oft hoch betagten Patienten an ihre Jugend erinnern, damit sie sich schnell wohlfühlen. Zudem wird Sicherheit groß geschrieben: Es gibt nur einen Ausgang und der ist getarnt. So verhindert die Station, dass Patienten in einem unbeobachteten Moment den geschützten Raum der demenzsensiblen Station verlassen.

Individuelle Versorgung und eine große Portion Fingerspitzengefühl sorgen dafür, dass Aggressionen abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden. Das Personal ist beispielsweise besonders darin geschult, die Mimik und Gestik der Patienten richtig zu lesen und adäquat darauf zu reagieren. So gelingt es, eine positive Atmosphäre aufzubauen, in der die Patienten die Behandlung annehmen können, was sich nachhaltig auf den Therapieerfolg auswirkt.

 


nl/KWM

 

Quellen:

[1] https://www.bosch-stiftung.de/de/news/wie-funktioniert-ein-demenzsensibles-krankenhaus

[2][2] https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2019-11/Praxisleitfaden_demenzsensible_Krankenhaeuser.pdf

[3] https://www.bosch-stiftung.de/de/story/am-ruhepol

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