Social Media – (k)ein Thema im Krankenhaus?

Social Media © niroworld/adobe.stock.com

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Facebook, Twitter, Instagram: Aus dem Privatleben sind soziale Netzwerke nicht mehr wegzudenken. Je nach Quelle verbringen zwischen 55 bis 78 Prozent der Internetnutzer einen Teil ihrer Freizeit auf mindestens einem dieser Kanäle. Angemeldet sind sie häufig sogar auf mehreren. Auch viele Unternehmen sind hier vertreten. Sie bleiben auf diesem Weg mit ihren (potenziellen) Kunden in Kontakt, pflegen ihr Image und machen Werbung. Aber Krankenhäuser und Social Media? Bei dem Gedanken schlagen die Verantwortlichen oft die Hände über dem Kopf zusammen. Vor allem rechtliche Risiken halten Kliniken vom Schritt ins Social Web ab. Auch der Zweifel am wirtschaftlichen Nutzen und fehlende personelle Ressourcen verhindern den Weg zu Facebook & Co. Noch! Denn schon bald könnten die digitalen Vorreiter ihren analogen Wettbewerbern den Rang ablaufen. Beispiele für den Weg nach Digitalien gibt es bereits. Und es werden immer mehr!

Social Media ist nicht gleich Social Media

Natürlich gibt es sie: die Facebook-Accounts und YouTube-Channels der Krankenhäuser. Vergleicht man sie allerdings mit anderen Auftritten im sozialen Netz, dann fällt auf, dass sie ihrem sozialen Charakter häufig nicht gerecht werden. Statt einen offenen Dialog anzuregen und zu führen, dienen sie oft lediglich der Informationsverbreitung. Ähnlich einer statischen Website. Vor allem die Furcht vor negativen Äußerungen oder kritischen Kommentaren führt bei Social-Media-Aktivitäten noch zu häufig in eine Einbahnstraße. Dabei könnte ein Austausch auf Augenhöhe Mehrwerte für alle Beteiligten bringen:

  • potenzielle Patienten werden auf Ihr Haus aufmerksam,
  • bestehende Patienten können Sie langfristig an sich binden und
  • Ärzte auf Stellensuche präsentieren Sie sich – ganz im Sinne von Employer Branding – als attraktiver Arbeitgeber.

Social Media ist mehr als Facebook

Ein Forscherteam der Fachhochschule Brandenburg veröffentlichte vor zwei Jahren eine Studie zum Thema Social-Media-Nutzung im Ärzteblatt. Ihre Arbeit ergab unter anderem, dass Kliniken – wenn überhaupt – dann mehrheitlich auf Facebook setzen. Dieses Nutzungsverhalten entspricht durchaus den User-Gewohnheiten: Facebook ist und bleibt hierzulande das beliebteste soziale Netzwerk. Doch insbesondere Instagram holt deutlich auf und könnte vielen bisher analogen Kliniken den Weg ins Social Web ebnen. Instagram setzt dabei insbesondere auf das sogenannte Visual Storytelling. Es werden also Geschichten erzählt und mit Fotos oder Videos untermauert. Gerade zu den oft emotionalen Krankenhaus-Themen passt dieses Konzept perfekt. Zudem lebt Instagram quasi von der Interaktion mit den Nutzern.

Insbesondere Geschichten von Patienten, aber auch der Einblick in den medizinischen Alltag machen das Klinikleben transparent. Visualisiert durch Bilder bleiben sie besonders lange im Gedächtnis. So können Ihre digitalen Nutzer beziehungsweise Follower virtuell eine enge Bindung zu Ihrem Krankenhaus aufbauen. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig neue Informationen bereitstellen und die Kommentare nicht nur im Blick behalten, sondern bei Bedarf auch darauf antworten. Damit Sie bei der Content-Erstellung und bei der Interaktion stets auf der rechtlich sicheren Seite sind, bedarf es vorab klar definierten Social-Media-Guidelines. In der Charité kümmert sich seit dem Frühjahr ein Chief Digital Officer um solche und andere Fragen der digitalen Transformation. Eine Aufgabe, die als Teil des Wissensmanagements in den Krankenhäusern immer wichtiger wird – und aus einigen Einrichtungen schon gar nicht mehr wegzudenken ist.

Eine WhatsApp-Nachricht an den Patienten?

So setzt das Rehazentrum Bad Bocklet in der Patientenkommunikation beispielsweise auf den Messenger-Dienst WhatsApp – und keiner der Beteiligten möchte mehr darauf verzichten. Auch bei Facebook und Instragram sind immer mehr Gesundheitseinrichtungen vertreten. Dazu zählen unter anderem das Krankenhaus Porz am Rhein oder die Hamburger Klinik Groß-Sand. Sie sammeln fleißig Follower und bauen so kontinuierlich ihr (digitales) Image aus. Das Klinikum Dortmund führte über seine Social-Media-Kanäle im Frühjahr sogar Live-Experten-Chats (wir berichteten) durch. Erstmals in Deutschland. Eine echte Novität, der mit Sicherheit weitere folgen werden.

Beim Thema digitale Vernetzung gilt es, den Anschluss nicht zu verpassen. Nur wer jetzt aktiv wird und seine Zielgruppe genau dort anspricht, wo sie sich aufhält – nämlich im Social Web – kann sie langfristig an sich binden und sowohl neue Patienten als auch potenzielle Fachkräfte für sich gewinnen.

nl/KWM
Bildquelle: © niroworld/adobe.stock.com

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