Sprach- und Kommunikationskompetenz: wichtige Faktoren im klinischen Qualitätsmanagement

Kommunikation Patientengespräc

© Thieme & Frohberg GmbH

Für eine sichere Patientenversorgung im Krankenhaus ist die korrekte Informationsübermittlung und Verständigung aller Beteiligten unabdingbar. Dementsprechend wichtig sind die Sprach- und Kommunikationskompetenz von Fachkräften für das klinische Qualitätsmanagement. Dazu zählt weit mehr als das Erlernen der deutschen Sprache.

Schwerwiegende Fehler durch mangelhafte Kommunikation

Die vollständige und richtige Weitergabe von Informationen ist wesentlich für Diagnostik und Therapie der Patienten. Zudem trägt sie zur Verbesserung klinikinterner Prozesse bei. Auch steigen Vertrauen, Compliance und Zufriedenheit der Patienten, wenn Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten patientenorientiert mit ihnen kommunizieren. Schließlich wächst die Mitarbeiterzufriedenheit mit der Kommunikationsqualität in der Klinik, was unter anderem zu besserer Zusammenarbeit und geringerer Fluktuation führen kann.

Umgekehrt konstatiert die Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung (GQMG): „Fehler in der Kommunikation sind weltweit in der medizinischen Versorgung eine der wesentlichen und häufigsten Ursachen von Schadens- und Todesfällen.“ Daher stellt die GQMG vielfältige Arbeitshilfen zur Kommunikation im Krankenhaus zur Verfügung, sowohl in Langversion, als auch als praktische Handreichung „für die Kitteltasche“. Auch Prof. Wilfried von Eiff betont die Bedeutung der Kommunikationsqualität für die Qualität im Medizinbetrieb.

Sprachkompetenz des Fachpersonals fördern

Mangelnde Sprachkenntnisse erhöhen das Risiko unerwünschter Ereignisse zusätzlich. Deswegen müssen Fachkräfte aus dem Ausland, die in Deutschland als Arzt oder Pflegefachperson arbeiten, ausreichend Deutsch sprechen. Aber was ist „ausreichend“ für die hochsensible Kommunikation im Krankenhaus?

Für Ärzte haben sich die Gesundheitsminister der Länder dazu auf einheitliche Sprachtests verständigt: Die Mediziner müssen ein allgemeines Sprach­niveau von B2 gemäß Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) nachweisen sowie ein C1 Fachsprachkenntnis-Zertifikat für Medizin. Bei Pflegefachpersonen sind die Vorgaben mit B1 bzw. B2 je nach Bundesland unterschiedlich.

In der Praxis zeigt sich jedoch vielfach, dass die tatsächliche Sprachkompetenz des ausländischen Fachpersonals nicht für den Klinikalltag ausreicht. Darum fördern viele Krankenhäuser gezielt die Sprachkenntnisse ihrer internationalen Mitarbeiter.

Ein Beispiel dafür ist das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg, das viele Ärzte aus dem Ausland beschäftigt. Dort wurde vor mehr als zwei Jahren der Deutsch-Unterricht für internationale Mitarbeiter fest am Haus etabliert. Ärzte des Klinikums, die aus dem Ausland stammen, erhalten kostenfrei berufsbegleitende Sprachkurse sowie bei Bedarf Individualcoachings durch die eigens dafür eingestellte Pädagogin. Künftig soll das Angebot erweitert werden, so dass auch Pflegefachpersonen daran teilnehmen können.

Sprach- und Kommunikationskompetenz im Patientengespräch

Für ein gelungenes Patientengespräch sind mehr Aspekte von Bedeutung als die Kenntnis von Vokabular und Grammatik: beispielsweise die Fähigkeit, verständlich zu erklären, genau zuzuhören und dabei Empathie, Wertschätzung und Respekt zu vermitteln. Währenddessen erfolgt die Kommunikation auch nonverbal durch Gestik, Mimik, Blickkontakt sowie Körpersprache und -haltung.

Treffen Menschen aus verschiedenen Ländern aufeinander, kann es schneller zu Missverständnissen kommen, wenn Kenntnis und Verständnis der jeweiligen kulturellen Hintergründe fehlen. Aus diesem Grund sollten internationale Mitarbeiter, die in Deutschland arbeiten, immer auch interkulturell geschult werden.

Ebenso ist es wichtig, dass Kliniken, die einen hohen Anteil an Patienten aus dem Ausland oder mit Migrationshintergrund haben, die Sprach- und Kommunikationskompetenz ihrer deutschen Mitarbeiter schulen, um mögliche sprachlichen oder interkulturellen Stolpersteine im Klinikalltag zu umgehen.

 

Auch online gibt es Hilfen zum Aufbau von Sprach- und Kommunikationskompetenz:

  • Das Online-Trainingsprogramm h-com soll Ärzten und Pflegefachkräften helfen, Kommunikationskompetenzen für schwierige Gespräche mit Patienten aufzubauen.
  • Die Non-Profit-Organisation Triaphon bietet einen telefonischen 24-Stunden-Übersetzungsdienst für Krankenhäuser. Kliniken, die aktuell als Corona-Anlaufstelle, -Ambulanz oder -Klinik entsprechende Unterstützung benötigen, haben die Möglichkeit, Triaphon kostenlos zu nutzen.

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