Störfaktor Lärm auf Intensivstation: Sechs Tipps für mehr Ruhe

Störender Lärm in der Klinik erschwert die Genesung ©Fotolia / robodread

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Lärm und laute Geräusche wirken sich negativ auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit aus: Tinnitus, Nervosität und Schlafstörungen können die Folge sein. Arbeitgeber sind daher gesetzlich dazu verpflichtet, Lärmbereiche zu kennzeichnen und ihren Mitarbeitern gegebenenfalls einen Gehörschutz zur Verfügung zu stellen. Keine festgelegten Grenzwerte gibt es in Deutschland hingegen für Lärm in Krankenhäusern. Ein Problem, insbesondere für Intensivpatienten. Sie sind den Signal- und Alarmtönen verschiedener Überwachungsgeräte oft schutzlos ausgeliefert. Ein aktueller Fachbeitrag gibt Tipps, wie sich der Lärm reduzieren lässt.

Richtlinien der WHO, die auch in den USA Anwendung finden, geben Höchstwerte von 45 Dezibel (dBA) am Tag und 35 Dezibel (dBA) in der Nacht in Krankenhäusern vor. Am Tag entspricht das, den üblichen Wohngeräuschen durch Sprechen oder Radio im Hintergrund. In Deutschland sucht man solche Richtwerte vergeblich. Dabei kann ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus sowie möglicher Schlafentzug zu erheblichen Gesundheitsschäden führen. Gerade kranke Menschen reagieren stärker auf Lärm als gesunde.

Lärmquellen auf Intensivstation

Die kontinuierliche Überwachung von Intensivpatienten geht zu Lasten ihrer Ruhe:

  • Alarmgebung verschiedener Geräte wie Monitor zur allgemeinen Patientenüberwachung, Spritzen- und Volumenpumpen
  • Kommunikation unter dem Personal
  • Arbeitsverrichtung wie Öffnen der Blutdruckmanschette
  • Telefone, Klingeln der Besucher

Folgen für den Patienten

Fehlt dem Körper die Ruhe im Schlaf kann es beispielsweise zu folgenden Störungen kommen:

  • Verschlechterte Wundheilung
  • Zunahme der Schmerzempfindlichkeit
  • Schwächung des Immunsystems
  • Erschwerte Entwöhnung von der künstlichen Beatmung

Das führt zu einer verlängerten Erholungsdauer der Patienten, verbunden mit einem längeren Klinikaufenthalt. Dies wiederum erhöht die Kosten und der Störfaktor Lärm wird zum Wirtschaftsfaktor.

Schlaf dich gesund!

Folgende Maßnahmen sorgen für mehr Ruhe und damit für eine bessere Genesung der Patienten:

  • Frühzeitiges Wechseln der Volumen- und Spritzenpumpen verhindert Alarmgebung
  • Geräte wie Absaugung bei Nichtgebrauch abschalten
  • Auffüllarbeiten außerhalb des Patientenzimmers und nicht in der Nacht durchführen
  • Bündeln der Pflegemaßnahmen schafft Ruhephasen für den Patienten
  • Auf Nachtruhe achten und Alarmgebung der Geräte entsprechend einstellen
  • Abstand zum Alarm: Geräte möglichst weit weg vom Patienten platzieren

Sinkt der Geräuschpegel um etwa drei Dezibel (dBA), reduziert sich der Lärm für die Patienten schon um die Hälfte.

Quelle:
Ise Hirsch:
Störfaktor Lärm (1)
Intensiv 2015; 23 (1); S. 8-14

Ise Hirsch:
Störfaktor Lärm (2)
Intensiv 2015; 23 (2); S.68-74

 

cp/KWM
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