Strahlenschutz im OP: Viele Kliniken müssen mehr tun

Es gibt große Wissenslücken hinsichtlich des Strahlenschutzes im OP und die geltenden Vorschriften werden zum Teil lax gehandhabt! Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter Chirurgen. Experten sehen deshalb massiven Handlungsbedarf, um Ärzte und Pflegepersonal zu schützen. Kliniken könnten etwadurch entsprechende Fortbildungen und angemessene Schutzkleidung gegensteuern.

Letzte Woche berichteten wir über die geltenden diagnostischen Referenzwerte für Röntgenanwendungen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat diese kürzlich gesenkt, um die Strahlenbelastung für Patienten zu senken. Aber was ist mit den Ärzten und Pflegern im OP? Da bei chirurgischen Eingriffen immer häufiger mobile Röntgengeräte eingesetzt werden, steigt für sie die Strahlenbelastung mehr als für die Patienten. Vorschriften und Schutzmaßnahmen sollen die Gesundheit der Mitarbeiter sicherstellen. Dass die Realität anders aussieht, macht eine Umfrage der AO Foundation deutlich, die Dr. Alexander Joeris im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung unter Chirurgen durchführt hat. Er selbst ist Facharzt für Kinderchirurgie und derzeit als Head of „Medical Affairs and Health Economics“ beim Institut Clinical Investigation and Documentation (AOCID) der AO Foundation tätig.

Dr. Sorglos

Auch wenn zwei Drittel der über 500 Teilnehmer sich „mäßige bis sehr große“ Sorgen um die eigene Gesundheit machte, belegt die Umfrage eine gefährliche Sorglosigkeit.

  • Fast 16 Prozent setzt einen Teil des eigenen Körpers häufig einem direkten Strahlengang aus
  • Nur 21 Prozent trägt ein Dosimeter, das die Strahlendosis misst
  • 50 Prozent der Befragten gaben sogar an, nie eines mit sich zu führen
  • Ein Drittel trägt keine Bleischürze
  • Zwei Drittel trägt keinen Schilddrüsenschutz

Auch eine weitere Untersuchung am Universitätsspital Zürich kommt zu dem Ergebnis, das Vorschriften gerade mal von der Hälfte der Mitarbeiter eingehalten wird.

Was verbessert die Compliance?

Für Dr. Joeris resultiert das Verhalten der Befragten aus einer Kombination aus Unwissenheit und Sorglosigkeit, wie er in einem Interview gegenüber der Fachzeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie“ erklärt. Zudem beobachtet er, dass Vorschriften besser eingehalten würden, wenn Kliniken hausinterne Fortbildungen dazu anböten, Strahlenschutzrichtlinien sowie ein Strahlenschutzbeauftragter vorhanden seien. Darüber hinaus merkt er an, dass Schutzkleidung dann getragen werde, wenn sie auf die Anforderungen der Mitarbeiter angepasst sei. Daher wäre es von Vorteil, solche Anschaffungen in Rücksprache mit den Mitarbeitern zu tätigen. Kein Chirurg trägt bei einer stundenlangen OP gern eine Schürze die viele Kilos wiegt.

Hier finden Sie weitere Informationen rund um die geltende Strahlenschutzverordnung sowie die Röntgenschutzverordnung.

Quelle:
B. Epping:
Gesundheitsrisiken für Ärzte und Pfleger im OP: Massiver Handlungsbedarf beim Strahlenschutz
Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie 2016; 154 (4); S.321-322

B. Epping:
„Viele Krankenhäuser müssen mehr tun“ – Interview mit Alexander Joeris von der AO Foundation
Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie 2016; 154 (4); S. 323-324

cp/KWM

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