Technische Innovationen: Was können sie in der Pflege leisten?

Pflege 4.0 (© Thieme & Frohberg)

Ein Blick nach Japan offenbart, was Europa noch bevorsteht: eine rasant alternde Gesellschaft mit Auswirkungen in nahezu allen Lebensbereichen. Eines der ganz großen Themen ist dabei die Pflege und ihre mögliche Unterstützung durch Innovationen 4.0. Der Markt ist riesig, der Bedarf enorm. Was ist tatsächlich umsetzbar? Wo liegen Möglichkeiten und Grenzen der Technisierung in diesem Bereich? Und was bringt es den Pflegenden und den Pflegekräften?

Auf dem Weg zur Pflege 4.0 gibt es drei große Ansatzpunkte:

  • Die Entlastung der Pflegekräfte bei ihrer täglichen Arbeit.
  • Die digitale Unterhaltung von Pflegebedürftigen.
  • Die Vereinfachung von administrativen Prozessen, die immer mehr Ressourcen binden.

Unterstützender Technikeinsatz

Pflege ist oft verbunden mit schwerer körperlicher Arbeit. Um hier gezielte Entlastung zu bieten, empfehlen sich Lösungen wie z.B. zum Aufrichten von Personen und Hebevorrichtungen für die Badewanne. Hinzu kommen intelligente Assistenzsysteme:

  • Smarte Fußböden, die Stürze eigenständig erkennen und einen Notruf auslösen.
  • Elektronischen Medikamentenboxen, die die Patienten an die Einnahme erinnern und die richtige Dosis bereithalten.
  • Digital vernetzte Betten bieten Mehrwerte. Sie funktionieren per Zuruf statt auf Knopfdruck und bringen den Patienten mittels Sprachsteuerung in jede beliebige Position.

Digitale Unterhaltung

Viele Patienten, zu wenig Zeit – der Pflegealltag ist eng getaktet. Der Zeitdruck geht oft zu Lasten der sozialen Interaktion. Zeitung vorlesen, einfach einmal zuhören oder die Hand halten sind wichtig, aber aufgrund von Fachkräftemangel und Kostendruck die seltene Ausnahme. Und dennoch möchten Pflegebedürftige am sozialen Leben teilnehmen. Spezielle Entertainment-Lösungen am Bett lassen sich durch ein integriertes Assistenzsystem per Stimme steuern. So kann der Fernseher gestartet oder ebenfalls das Internet durchsucht werden. Auf diese Weise lassen sich auch E-Mails verfassen und Kontakte außerhalb des Krankenhauses pflegen.

Wie weit digitale Unterhaltung gehen darf, wird dabei oft kontrovers diskutiert. Besonders der als „Kuschelrobbe Paro“ bekannt gewordene Roboter hat Experten und Gesellschaft gespalten. Abgeleitet von der tiergestützten Therapie reagiert das intelligente Plüschtier auf Geräusche, Töne und Berührungen. Vor allem in der Altenpflege und im Umgang mit Demenzkranken wurden auf diese Weise erste Erfolge bekannt. So fördert Paro zum Beispiel den Beziehungsaufbau und die Kommunikationsfähigkeit der Patienten. Ein kompletter Ersatz für menschlichen Kontakt können – und sollen – derartige künstliche Intelligenzen hingegen nicht sein.

Vereinfachung administrativer Prozesse

Die Patientendokumentation ist eine Gradwanderung zwischen gesetzlichen Pflichten und pflegerischem „Kerngeschäft“. Ziel muss es sein, den administrativen Aufwand so gering wie möglich zu halten. Analoge Dokumentationen können das allerdings nicht leisten. Digitale Aufzeichnungen, idealerweise auch per Sprache, sparen wertvolle Zeit. Zudem reduzieren sich Suchaufwände und die Abstimmung mit anderen am Behandlungsprozess Beteiligten wird optimiert. So profitieren sowohl Pflegekräfte als auch die Pflegebedürftigen – und schließlich die gesamte Krankenhausorganisation, da alle Daten immer sofort, nachvollziehbar und gesetzeskonform vorliegen.

 

nl/KWM

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