Welche Tools und Methoden braucht erfolgreiches Wissensmanagement?

Tools Wissensmanagement

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Wissensmanagement kennt zahlreiche Tools und Methoden. Häufig wird das Thema sehr technisch angegangen. Z.B. durch intelligente Schnittstellen, skalierbare Serverkapazitäten oder die Telematikinfrastruktur. Doch dieser Blick ist zu einseitig und tut der Disziplin unrecht. Denn Wissensmanagement gelingt im Zweifel auch ganz ohne Technik. Methoden wie das World Café, systemische Aufstellungen oder Working Out Loud verzichten ganz bewusst auf den IT-Einsatz. Was brauchen Kliniken also tatsächlich, wenn sie Wissensmanagement erfolgreich und damit nachhaltig einführen wollen?

Der Zweck heiligt die Mittel

Wissensmanagement zielt auf die Verarbeitung der Ressource Wissen. Geht es dabei um das Management riesiger Datenmengen, also beispielsweise die Erhebung, Verarbeitung und Archivierung von Patientendaten, dann ist intelligente IT das beste Mittel der Wahl. Steht aber bei einem Wissensmanagement-Projekt eher implizites Know-how im Fokus – weil beispielsweise Teamkonflikte oder stationen- bzw. sektorenübergreifende Unstimmigkeiten die effiziente Zusammenarbeit gefährden, dann bringen Datenbanken oder Analysefunktionen nur wenig.

Wissensaktivitäten als Basis für die Zieldefinition

Folglich besteht der erste Schritt hin zu nachhaltigem Wissensmanagement in der Zieldefinition: Wohin wollen wir? Als Station? Oder als gesamte Klinik? Bei der Evaluation der Zielgrößen bietet es sich an, sich an den Wissensaktivitäten zu orientieren. In Anlehnung an den Wissenskreislauf nach Probst muss dabei zunächst entschieden werden, ob es bei dem angestrebten Wissensmanagement-Projekt in erster Linie darum geht,

  • Wissen zu erwerben
  • Wissen zu speichern,
  • Wissen zu verteilen oder
  • Wissen zu nutzen.

Wissen erwerben – Weiterbildung

Steht der Wissenserwerb im Vordergrund, befindet man sich im Bereich der Weiterbildung. Umsetzen lassen sich entsprechende Vorhaben entweder mit klassischen Schulungsmaßnahmen oder mit Hilfe von E-Learning. In der Praxis werden es in der Regel Mischformen im Sinne von Blended-Learning-Ansätzen sein, die zum Erfolg führen. Sucht man nach einem generischen Tool, sind es Lernmanagement-Systeme (LMS), die sich – als proprietäre Lösung oder in Form von Add-ons – in die klinikweite Systemlandschaft integrieren lassen.

Wissen speichern – Archivierung und Sicherung

Geht es hingegen um die Speicherung von Wissen, kann die Umsetzung entweder in Form eines Krankenhausinformationssystems erfolgen oder mit Hilfe eines Wikis. Soll die Archivierung des verfügbaren Know-hows hingegen der Wissenssicherung dienen, dann empfehlen sich Mindmaps als geeignetes Umsetzungstool.

Wissen verteilen – Vernetzung

Besonders häufig klagen Klinikmitarbeiter über fehlende oder fehlgeleitete Informationen. In diesem Fall soll Wissensmanagement dazu beitragen, verfügbares Wissen effizient zu verteilen. Das gelingt – ganz klassisch – über einen Anschlag am Schwarzen Brett. Oder – deutlich smarter – per Push-Nachricht auf das Dienst-Handy. Der praktikabelste Zwischenweg führt über ein Intranet, bei dem jeder Mitarbeiter sein individuelles Dashboard mit den für ihn relevanten Informationskanälen zusammenstellen kann. Auch der gemeinsame Wissenszugriff und kollaboratives Arbeiten an Teamdokumenten lassen sich auf diese Weise realisieren.

Wissen nutzen – Finden und Anwenden

Einmal generiertes Wissen bei Bedarf wiederzufinden und für die aktuelle Situation anzupassen, das ist die hohe Kunst des Wissensmanagements. Im Endeffekt geht es dabei um eine intelligente Suche. Sie findet Datenbausteine unabhängig davon, in welchem Format oder in welchem System sie abgelegt sind. Und zwar binnen Sekundenbruchteilen. So geht keine wertvolle Zeit verloren – weder bei der Suche noch bei der Erstellung redundanter Wissensdokumente.

Einmal gefunden, gilt es im Sinne des Wissensmanagements, das bestehende Know-how zu erweitern und auszubauen. Auf diese Weise entsteht neues Wissen. Ob es gelingt, dieses neue Know-how in den klinikweiten Wissenskreislauf zu überführen, ist in erster Linie eine Frage der Wissenskultur. Eine solche zu etablieren und zu pflegen, ist eine permanente Herausforderung für jede lernende Organisation und die Grundlage für erfolgreiches Wissensmanagement. Die Umsetzung erfolgt dabei ganz ohne IT-Unterstützung, sondern durch Vorleben wissensförderlicher Verhaltensweisen und dem Schaffen entsprechender Rahmenbedingungen.

nl/KWM

 

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