Ultraschall in der Anästhesiologie: Vorteile für Patienten und Kliniken

Porträtfoto Dr. Wolf Armbruster © AEN-sono.de

Dr. Wolf Armbruster © AEN-sono.de

Ultraschall in der Anästhesiologie ist das Verfahren der Zukunft, denn es ist wirksamer, sicherer und schneller als herkömmliche Bildgebung wie Röntgen. Davon ist Dr. Wolf Armbruster überzeugt. Im KWM-Interview erläutert der Chefarzt und Buchautor Einsatzbereiche sowie Vorteile von Ultraschall für Patienten, Anästhesisten und Kliniken.

Welche Entwicklung wird die Zukunft der Anästhesiologie wesentlich beeinflussen?

Ultraschall wird sich durchsetzen und künftig bei Interventionen am Patienten deutlich mehr zum Einsatz kommen. Außerdem wird es das Röntgen bei bestimmten Indikationen ablösen. Dadurch wird die Zufriedenheit der Patienten steigen und die Prozesse in den Kliniken werden verbessert.

Wieso hat der Ultraschall-Einsatz Einfluss auf die Patientenzufriedenheit?

Im Gegensatz zur Vorgehensweise nach anatomischen Landmarken kommt ein Anästhesist mit Ultraschallunterstützung viel näher an die jeweiligen Nerven heran. Man kann beispielsweise einen Schmerzkatheter in weniger als einem Millimeter Entfernung zum betroffenen Nerv legen und das Betäubungsmittel dadurch sehr gezielt platzieren. So kann der Arzt Schmerzfreiheit beim Patienten bewirken, benötigt dafür aber wesentlich geringere Dosierungen als bei herkömmlichen Verfahren.

Hinzu kommt: Sticht man ohne Ultraschallhilfe mit der Nadel, verursacht man häufiger Komplikationen und kann mögliche Parallel- und Flurschäden, die in der Tiefe geschehen, gar nicht sehen. Dagegen erkennt der Anästhesist bei Interventionen mit Ultraschallhilfe alle anatomischen Strukturen und sieht gleichzeitig die jeweilige Nadelposition. Folglich kann ein versierter Anwender die Komplikationsrate auf ein absolutes Minimum reduzieren. Damit steigen die Patientensicherheit und der Patientenkomfort.

Wann ist Ultraschall die bessere Alternative zum Röntgen?

Das hängt natürlich von der jeweiligen Indikation und Fragestellung ab.

Ein Beispiel: In der Intensivmedizin wird häufig ein Gefäßkatheter unterhalb des Schlüsselbeins angelegt. Dabei kann es passieren, dass die Nadel, die meistens fünf bis sechs Zentimeter lang ist, so tief geführt wird, dass das Lungenfell verletzt wird. Dann entsteht ein Pneumothorax: Die jeweilige Lungenhälfte schnurrt zusammen. Wenn ein Patient nach Legen eines Gefäßkatheters Atemnot bekommt, wird heute in vielen Kliniken mit Röntgen untersucht, ob ein Pneumothorax vorliegt.

Aber die entsprechende Sensitivität, also die Wahrscheinlichkeit, durch die Untersuchung tatsächlich etwas Derartiges feststellen zu können, liegt beim Röntgen nur bei 30 Prozent. Beim Ultraschall beträgt sie dagegen 90 Prozent, ganz ohne Strahlenbelastung. Trotzdem ist Röntgen immer noch die am meisten angewandte Methode.

Inwiefern erfolgt eine Prozessoptimierung in den Kliniken?

Wenn man Gefäß- oder Schmerzkatheter mit Ultraschallhilfe legt, braucht man nur einen Teil der Zeit, die man für die Landmark-Technik benötigt. Somit erreicht man im OP kürzere Prozesszeiten. Ultraschall ist also das sicherer wirkende, komplikationsärmere und schnellere Verfahren.

Warum wird Ultraschall bei diesen Vorteilen nicht flächendeckend in der Anästhesiologie eingesetzt?

In der Medizin dauert es etwas länger, bis neue Verfahren weithin akzeptiert werden. Teilweise wird aus Tradition an bewährten Vorgehensweisen festgehalten oder auch aus Unkenntnis der neuen Verfahren. Hinzu kommt, dass Ultraschall noch bis vor vier Jahren in keiner Weiterbildungsverordnung der Ärztekammern aufgeführt war. Erst jetzt ist es in den meisten Verordnungen enthalten.

Inzwischen setzen Kliniken aber zunehmend auf Ultraschall und führen beispielsweise entsprechende Inhouse-Schulungen für die gesamte Abteilung durch. Dazu ist auch ein fortschrittliches Selbstverständnis der Chefärzte erforderlich: Denn bei einem gemeinsamen Ultraschallkurs offenbaren sie gegenüber ihren Mitarbeitern, dass auch sie erst lernen müssen, mit der neuen Technik umzugehen. Das nehmen aber immer mehr Klinikleiter zugunsten einer besseren Anästhesiologie bewusst in Kauf.

Zur Person

Dr. Wolf Armbruster ist Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie am Evangelischen Krankenhaus Unna. Gemeinsam mit Dr. Rüdiger Eichholz und Dr. Thomas Notheisen ist er Autor von „Ultraschall in der Anästhesiologie“ und bietet unter der Firmierung AEN DEGUM-zertifizierte Sonographie-Kurse an.

Buchcover Ultraschall in der Anästhesiologie © AEN.sono.deBuchtipp
W. Armbruster, R. Eichholz, T. Notheisen
Ultraschall in der Anästhesiologie
Grundlagen – Nadelnavigation – Gefäßpunktion – Nervenblockaden – Atemdiagnstik
AEN-sono.de, 2017

Das Interview mit Dr. Armbruster, Dr. Eichholz und Dr. Notheisen zum
didaktischen Konzept ihres aktuellen Buches finden Sie im Fachbuch-Blog von frohberg.

 

Das Interview führte Elke Paxmann für KWM.

Bildquelle: © sudok1/Adobe.Stock und AEN-sono.de

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