Vom Best Practice zur Digitalisierungsstrategie

Corona als Digitalisierungstreiber

© Frohberg GmbH

Bei der Digitalisierung ist es wie bei jedem Wissensmanagement-Projekt: Ein Patentrezept gibt es nicht. Zu verschieden sind die Rahmenbedingungen, zu individuell die Anforderungen. Gerade im Mikrokosmos Krankenhaus müssen zudem so viele heterogene Nutzergruppen und Anwendungsfälle berücksichtigt werden, dass Digitalisierung zur Maßarbeit wird. Um das richtige Maß zu finden, bedarf es aber einer Vielzahl von Anschauungsobjekten. Also Best Practices. Diese zu sammeln, zu verdichten und anschließend zu einer Strategie zusammenzufügen, ist die vielleicht die größte Herausforderung auf dem Weg zum Digitalisierungserfolg.

Wo findet man Best Practices?

Wer Best Practices kennen lernen möchte, muss Kontakte zu anderen Organisationen pflegen. Das brauchen nicht zwangsläufig andere Kliniken sein. Auch sonstige Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen und sogar außerhalb der Branche sind zum Generieren von Anwendungsbeispielen geeignet. Die zentrale Frage lautet daher zunächst schlicht und einfach: „Wie machen es andere?“. Es geht dabei um das wertungsfreie Sammeln von Erfahrungen. Über entsprechende Best Practices erfährt man

  • in der einschlägigen Literatur – entweder in medizinisch-organisatorischen Publikationen oder in Periodika rund um Digitalisierung und Wissensmanagement.
  • auf (Online-)Kongressen und -Symposien.
  • bei Webinaren.
  • in Communitys, wie XING.

Praxisbeispiele auf Herz und Nieren prüfen

Im nächsten Schritt geht es darum, das gesammelte Praxiswissen zu sichten und auf die Umsetzbarkeit und Anwendbarkeit im eigenen Klinikkontext hin zu überprüfen. Die zentrale Frage lautet in diesem Prozessschritt: „Welche Aspekte des Vorgehens in anderen Organisationen kann ich auf meine eigene Klinik übertragen?“. Einen geeigneten Rahmen dafür bildet beispielsweise klinikinternes Best-Practice-Sharing, bei dem im Rahmen eines Workshops die gesammelten Praxisbeispiele vorgestellt werden, um dann gezielt und in Form eines kritischen Auswahlprozesses nach der besten Lösung oder den geeignetsten Lösungsbausteinen gesucht wird. Anschließend bietet es sich an, eine Wissenswerkstatt zu initiieren, bei der zum Beispiel bei einem World Café die ausgewählten Lösungsansätze verallgemeinert und auf die konkreten Gegebenheiten im eigenen Organisationskontext hin übertragen werden.

Von den Ansätzen zur Strategie

Die verallgemeinerten Digitalisierungsansätze und adaptierten Umsetzungsmethoden müssen anschließend verdichtet und zu einer Strategie ausgebaut werden. Zusätzlich zum „Was“ und „Wie“ aus den Best Practices bedarf es in diesem Schritt auch einer Bewertung der benötigten zeitlichen und monetären Ressourcen. Außerdem muss eine Priorisierung erfolgen, also eine Reihenfolge der Implementierungsschritte. Erfolgskritisch sind dabei Aspekte wie: Welches Tool wird zuerst eingeführt? Und in welcher Abteilung bzw. auf welcher Station soll die Erst-Implementierung stattfinden? Neben Notwendigkeit und Dringlichkeit muss insbesondere am Anfang von größeren Digitalisierungsvorhaben auch im Vordergrund stehen, welche Nutzergruppen am offensten auf ein entsprechendes Projekt reagieren. Denn die betroffenen Mitarbeiter gelten für die weitere Digitalisierung auch als Multiplikatoren. Sie tragen positive Erlebnisse, aber auch negative Erfahrungen rund um „ihr“ Digitalisierungsprojekt in die Belegschaft und sind damit ausschlaggebend dafür, ob die Change-Befürworter oder die Change-Verweigerer die Oberhand gewinnen werden.

Ein Kommentar auf “Vom Best Practice zur Digitalisierungsstrategie”

  1. Es sind nicht nur Best-Practices, denn das geht schon 2-3 Schritte weiter wo viele überhaupt sind. Viele sind schon mit Begriffen überfordert. Allein bei uns auf morethandigital.info gibt es schon einen Grossteil der Anfragen nur für die Defintion von Digitalisierung, Digitale Transformation oder sonstigen Themen.

    Grundbildung ist auch der erfolgreiche Grundstein für Unterstützung, denn Personen werden immer Dinge ablehen, welche sie nicht verstehen.

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