Vom Informations- zum Wissensmanagement: Wo steht Ihre Klinik aktuell?

Vom Informations- zum Wissensmanagement

©Thieme & Frohberg GmbH

Haben Sie in Ihrer Klinik bereits funktionierende Wissensprozesse etabliert? Oder handelt es sich bei den implementierten Tools und Methoden um Werkzeuge aus dem Baukasten des Informationsmanagements? Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so trivial. Denn oft werden Informations- und Wissensmanagement synonym verwendet. Und das nicht ohne Grund: Die Übergänge vom einen zum anderen sind oft fließend, eine exakte Trennlinie ist nur schwer zu ziehen. Und dennoch sollten gerade Krankenhäuser ihren Blick weg vom reinen Informations- hin zum Wissensmanagement richten. Doch was bedeutet das konkret?

Daten – Informationen – Wissen

Alltagssprache ist oft unpräzise und mehrdeutig – niemand weiß das besser als Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Aber auch Wissensmanager können ein Lied davon singen. Bestes Beispiel dafür ist die Verwendung der Begriffe Daten, Informationen und Wissen. Denn dabei handelt es sich keineswegs um ein und dasselbe, sondern um verschiedene Ausbaustufen. Die Grundform, also die Basis, bilden dabei Zeichen.

  • Zeichen sind zum Beispiel die Ziffern 6, 3 und 5. Oder die Buchstaben E, T, G und A.
  • In die richtige Reihenfolge gebraucht werden daraus Zahlen (365) und Wörter (Tage) – also Daten.
  • Bringt man diese Daten in eine logische Struktur, entstehen Informationen in Form von Sätzen oder Mengenangaben. In unserem Beispiel: 365 Tage.
  • Und erst durch die Interpretation und die Verknüpfung mit den eigenen Erfahrungen wird Information zu Wissen: Ein Jahr hat 365 Tage – ausgenommen Schaltjahre.

Was genau speichern Ihre IT-Systeme?

Die Frage, ob Sie Informations- oder Wissensmanagement betreiben, richtet sich folglich unter anderem danach, was Sie mit Ihrer Klinik-IT speichern. Sind es überwiegend Forschungsergebnisse, Therapieverläufe sowie die ärztliche und pflegerische Dokumentation in Form von Patientenakten? Dann haben Sie ein Informationsmanagement.

Wissensmanagement hingegen zielt darauf ab, die reinen Informationen intelligent zu verknüpfen, um daraus verwertbares Wissen zu machen, das sich in der Anwendung und Nutzung verfeinert und zu neuem Wissen wird. Wissensmanagement verknüpft also beispielsweise Expertenwissen. Und Expertenwissen ist zu einem hohen Anteil implizites Wissen – ein Aspekt, der beim Informationsmanagement völlig außen vor bleibt. Geht es beim Informationsmanagement also ausschließlich um harte Fakten, integriert das Wissensmanagement auch Erfahrungswerte.

Die Bedeutung des impliziten Kapitals

Dieser Aspekt ist gerade in der Medizin ausschlaggebend. So zeichnen sich renommierte Krankenhäuser unter anderem durch die Expertise ihres Fachpersonals aus, allen voran die Reputation der Ober- und Chefärzte. Und genau diese Expertise fußt maßgeblich auf der Erfahrung und Leistung des Experten. Beide befähigen den jeweiligen Mediziner, schneller zu agieren und qualitativ besonders hochwertige bzw. herausragende Entscheidungen zu treffen.

Übrigens: Unglaubliche 70 bis 90 Prozent der gesamten Wissensbestände sind implizit. Dokumentiert sind aber in den meisten Kliniken nur die offensichtlichen 10 bis 30 Prozent des Know-hows, also das explizite Wissen.

Und genau hier schließt sich der Kreis: Informationsmanagement verwaltet Datenbestände. Wissensmanagement hingegen ist ein dynamischer Kreislauf aus Wissenserwerb, Wissensspeicherung, Wissensverteilung und Wissensnutzung, in dem insbesondere auch implizites Wissen immer wieder neu definiert und bewertet wird, um in einem veränderten expliziten Kontext neues Wissen zu generieren.

 

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nl/KWM

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