Vom Journal Club zur Community of Practice

Frohberg GmbH

Gerade im akademischen Bereich sind Journal Clubs etabliert. Der Austausch zu aktuellen Forschungsergebnissen und die kritische Diskussion neuester Erkenntnisse bilden einen wichtigen Baustein im Wissensentwicklungsprozess, vor allem auf wissenschaftlicher Ebene. Communities of Practice (CoP) greifen diesen Ansatz auf, erweitern die Methode aber auf alle organisatorisch-relevanten Themen. So können auch wichtige Herausforderungen rund um Digitalisierung und Wissensmanagement aktiv vorangetrieben und das erarbeitete Know-how in der gesamten Klinik transparent verbreitet werden.

Was sind Communities of Practice?

Der Begriff Community of Practice, kurz CoP, geht zurück auf den Schweizer Sozialforscher Étienne Wenger und die US-amerikanische Anthropologin Jean Lave. Beide sind Vertreter des partizipativen Lernens und übertrugen dieses Konzept auf den Wissenserwerb in Gemeinschaften. Ihre Grundidee folgt der Annahme, dass erfolgreiches Lernen stets eines sozialen Kontextes bedarf. Der geeignete Rahmend dafür sind Communities of Practice.

In 5 Schritten zur Community of Practice

Jede Community of Practice hat ein gemeinsames, identitätsstiftendes Thema, das alle Mitglieder verbindet. In der Regel werden CoPs daher auch nicht top-down initiiert, sondern sie basieren auf einem gemeinsamen Grundinteresse.

  • In der ersten Phase finden sich Personen mit gleichem Themenfokus zusammen.
  • In der zweiten Phase erhält die lose Vereinigung von CoP-Mitgliedern eine grobe Struktur, indem unter anderem Ziele und Aufgaben definiert werden.
  • Die dritte Phase ist geprägt von der originären Community-Arbeit: der gegenseitige Austausch von Wissen und der Aufbau von Know-how. Diese Phase bildet einen Peak: Es wird mit Hochdruck am Thema und möglichen Lösungsstrategien gearbeitet.
  • In der vierten Phase flacht die Wissensgenerierung ab, weil kein weiterer Bedarf besteht oder alle auf einem einheitlichen Wissensstand sind.
  • In der fünften Phase verliert die Community of Practice an Bedeutung, oft weil das Thema „abgearbeitet“ ist oder bereits eine Lösungsstrategie gefunden wurde.

CoPs in der Praxis

In der Medizin existieren oft klinikübergreifende Communities of Pracitce. Dazu zählte beispielsweise das Verbundprojekt „Knowledge Communities im Krankenhaus“, kurz Know-IT, das mittels einer gemeinsamen Wissensplattform die Bereiche Medizin, Pflege und Verwaltung in den Kliniken Oberallgäu vernetzen wollte.[1] Der Freistaat Bayern hat versucht, über offene Communities of Practice die Digitalisierung im Gesundheitsweisen generell voranzutreiben.[2]

Zielführend ist der Ansatz aber insbesondere auch, um klinikinterne Prozesse und Methoden zu fokussieren. Ähnliche wie beim wissenschaftlichen Austausch in Journal Clubs geht es hier darum, ein wissensintensives und/oder organisationsorganisatorisches Thema (weiter-)zuentwickeln – und darüber hinaus Strategien zu entwerfen und Workflows zu erarbeiten, um das Thema in der Klinik zu verankern. Mögliche Ansatzpunkte sind beispielsweise die Einführung der digitalen Patientenakte. Oder die Implementierung von E-Learning-Lösungen für die Weiterbildung des Klinikpersonals. Erfolgsentscheidend ist dabei, dass sich alle CoP-Mitglieder für das Thema begeistern können oder es für so relevant halten, dass sie ihre persönlichen Ressourcen dafür einsetzen und die Umsetzung langfristig begleiten wollen.


Quellen:

[1] https://www.aerzteblatt.de/archiv/55245/Knowledge-Communities-im-Krankenhaus-Mit-Wissen-zum-Erfolg

[2] https://zentrum-digitalisierung.bayern/initiativen-fuer-die-wirtschaft/themenplattformen/gesundheit-medizin/page/3/

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