Vom Pflege- zum Wissensnotstand: Die Medizin in der Demografiefalle

Erfahrungswissen © MH/ adobe.stock.com

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Der Gesundheitssektor steht vor einem schier unlösbaren Personalproblem. Vor allem im Pflegebereich klafft eine immer größer werdende Lücke zwischen bestehendem Bedarf und vorhandenen Kapazitäten. Der viel propagierte Pflegenotstand ist daher vielerorts bereits Realität. Während die Verantwortlichen um neue Fachkräfte werben und gleichzeitig versuchen, das vorhandene Personal zu halten, übersehen sie ein noch viel größeres Problem: den immensen Wissensverlust, der mit der Abwanderung von Therapeuten, Pflegern und Medizinern einhergeht.

Mitarbeiter – nicht nur finden, sondern vor allem binden

Wenn vom Fachkräftemangel im Gesundheitssektor die Rede ist, geht es überwiegend darum, wie sich neues Personal aufbauen und rekrutieren lässt. Familienfreundlichere Arbeitsbedingungen, eine bessere Work-Life-Balance, betriebliches Gesundheitsmanagement und insbesondere eine gerechtere Bezahlung gelten als probate Mittel. Und zwar nicht zur als Anreize bei der Mitarbeitersuche, sondern auch für die Bindung des bestehenden Personals. Allerdings werden die Anstrengungen in der Praxis eher auf der Recruiting-Seite unternommen. Die – noch – treuen Mitarbeiter geraten dabei häufig in Vergessenheit oder kommen erst an zweiter Stelle. Mit fatalen Folgen!

Personalabwanderung: Immer mehr Vollaussteiger

Unter dem Motto „Ich bin dann mal weg“, veröffentlichte die Hochschule Fresenius alarmierende Zahlen: Nur jeder Dritte will langfristig in seinem Beruf bleiben. Alle anderen sind entweder bereits ausgestiegen oder planen einen Job-, häufig sogar einen Branchenwechsel. Oftmals beginnen sie in einer ganz neuen Sparte von vorn oder bringen ihr Know-how in Forschung und Lehre ein. Die Leidtragenden sind die Patienten.

Die offensichtliche Folge ist der zunehmende Fachkräftemangel, der sich in diesem Fall nicht nur demografisch begründet. Schließlich resultiert er nicht allein aus der sich veränderten Altersstruktur der Gesellschaft. Hinzu kommen die Rahmenbedingungen, die zu einer immer größeren Personalabwanderung führen.

Fachkräfteverlust zieht Wissensverluste nach sich

Damit gehen wertvolle Humanressourcen verloren. Das ist unübersehbar und sofort spürbar. Doch ein weiterer Aspekt spielt hier eine mindestens genauso wichtige Rolle: der Wissensverlust. Die Dimension der Know-how-Abwanderung wird bisher noch unterschätzt oder gar nicht thematisiert. Schließlich geht es in erster Linie darum, wer sich um die Patienten kümmert, wenn Pfleger, Therapeuten oder Ärzte aus ihrem Beruf ausscheiden. Die Frage ist umso dringlicher, wenn kein Ersatz in Sicht ist.

Dass die medizinischen Experten dabei nicht nur ihre tatsächliche Arbeitskraft mit in Rente oder mit in den neuen Job nehmen, sondern auch ihr Know-how für den bisherigen Arbeitgeber und seine Patienten für immer verloren ist, das ist dem Gros der Verantwortlichen gar nicht bewusst. Doch gerade im medizinischen Bereich geht es nicht nur um Faktenwissen, sondern um Erfahrungen. Und genau diese lassen sich nicht durch ein Präsenzseminar oder eine Weiterbildung neu aufbauen.

Wissen als wertvolles Investment

Hier geht es um ein jahrelanges Investment, das mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Es sei denn, Ihre Klinik hat Instrumente und Verfahren zur Wissensbewahrung implementiert. In der Praxis ist das bisher leider nur selten der Fall. Dabei lässt sich Wissen bei akuter Abwanderungsgefahr schon binnen weniger Tage sichern. Mit etwas mehr Vorlauf können Kliniken entsprechende Prozesse implementieren, um Wissensverlusten mittel- und langfristig einen Riegel vorzuschieben. Die Dokumentation vor allem des wertvollen Erfahrungswissens erfolgt dadurch quasi nebenbei, parallel zum Tagesgeschäft. Und zwar ohne Mehrarbeit oder Zusatzbelastung.

Wissensmanagement beugt materiellen und immateriellen Verlusten vor

Auch hier zeigt sich wieder einmal, dass Wissensmanagement für den reibungslosen Klinikbetrieb unerlässlich ist – und großen Verlust, sowohl materieller wie auch immaterieller Art, nachhaltig vorbeugen kann.

nl/KWM
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