Von der Krankenhausbetriebslehre zur Krankenhaus-Managementlehre 2.0

Management © Robert Kneschke – Adobe Stock

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Die „Krankenhaus-Managementlehre“ wurde von Siegfried Eichhorn unter dem Titel „Krankenhausbetriebslehre“ als dreibändiges Werk 1958 begründet und wurde das führende Lehr- und Fachbuch für Hochschulen und für die Krankenhauspraxis. Nach seinem Tod führte seine Schülerin Barbara Schmidt-Rettig, Professorin für Krankenhausmanagement und Krankenhausfinanzierung an der Hochschule Osnabrück, seine Arbeit fort. Für die Neuauflage übernahm Julia Oswald, Nachfolgerin und Schülerin von B. Schmidt-Rettig, die thematische und didaktische Überarbeitung der 2. Auflage. Sie ist Inhaberin der einzigen Professur für Krankenhausmanagement und Krankenhausfinanzierung an einer Hochschule in Deutschland. Unter Mitarbeit eines ausgesuchten Autorenteams entstand ein Werk, das einen wesentlichen Beitrag zur Verzahnung von Theorie und Praxis im Krankenhausmanagement leistet.

Die Neuorientierung und -strukturierung der Krankenhäuser sowie des Gesundheitsmarktes in den letzten zehn Jahren ist auch weiterhin geprägt durch ein Politik-Folgen-Management; das heißt, einer Anpassung an die politischen Rahmenbedingungen und den daraus entstandenen Wechselbeziehungen für einzelne Krankenhäuser und den Krankenhausmarkt.

Dabei lag der Fokus zum einen auf Strategien zur Existenzsicherung, wie zum Beispiel Erhaltung oder Erweiterung der Betriebsgröße, Bildung strategischer Allianzen und Gruppen über Kooperationen und Fusionen. Zum anderen verstärkte sich der Wettbewerb um Innovationen, Schwerpunktbildungen und Investitionen.

Stärker ausgebaut wurden folglich die Instrumente für eine differenzierte operative Unternehmenssteuerung in Form des Erlös- und Kostenmanagements vor dem Hintergrund knapper Betriebskosten- und Investitionskostenbudgets.

Damit sind die Managementansätze von Krankenhäusern eher als instrumentenorientiert zu kennzeichnen. Weniger ausgeprägt sind Konzepte für eine integrale Unternehmensführung, wie sie von Siegfried Eichhorn und Barbara Schmidt-Rettig in der 1. Auflage der Krankenhaus-Managementlehre empfohlen wurden. Mit dem Ziel, die Bedeutung der systembedingten Verflechtungen im Management zu verdeutlichen, wurde von den Autoren – ausgehend vom St. Galler Management-Konzept – der Ansatz eines integrierten Krankenhausmanagements entwickelt und damit der Übergang von der Krankenhausbetriebslehre zu einem Konzept eines integrierten Krankenhausmanagements vollzogen.

Unter Federführung von Julia Oswald wurde die 2. Auflage um die dispositive Managementebene für Krankenhäuser erweitert und nimmt auf die wesentlichen Elemente des eher praxisorientierten Ansatzes von Knut Bleicher Bezug.

Krankenhäuser sind als Experten- und Spartenorganisationen zu bezeichnen, für die sich das Unternehmensergebnis aus der Summe der Department-/Fachabteilungsergebnisse bildet. Demzufolge benötigen sie neben einem zentralen, krankenhausbezogenen Steuerungsansatz ein dezentrales Führungskonzept. Dieses stellt die Managementverantwortung von Fachabteilungen/ Zentren in den Vordergrund und verbindet das strategisch sowie operative Management.

Weiterzuentwickeln ist daher der integrative Managementansatz, der die einzelnen Managementdimensionen verbindet, Wechselwirkungen aufzeigt und beherrschbar macht wie auch in der Praxis systematische Entscheidungssequenzen ermöglicht. Gleichzeitig bedarf es eines entsprechenden Führungsmodells, welches einen dezentralen, fachabteilungsbezogenen Ansatz ermöglicht, um über dezentrale Ziele und Ergebnisse und deren Koordination zu einem zieladäquaten Unternehmensergebnis zu gelangen. Ziel ist die integrative Ausrichtung der Managemententscheidungen der Krankenhauspraxis, um die häufig historisch bedingten Lücken im Krankenhausmanagement transparent zu machen und wo es möglich ist zu schließen. Dieser Ansatz, der den Weg vom Politik-Folgen-Management zum Politik-Entscheidungs-Management einleiten kann, wird mit 24 Einzelbeiträgen von 19 Autorinnen und Autoren in die Rahmenbedingungen des Krankenhausmanagements auf die derzeitig angewandte Praxis unter Rückgriff auf psychologische, soziologische und verhaltenswissenschaftliche Disziplinen eingebunden.

Zunächst werden die Grundlagen der Gesundheitsökonomie, der Gesundheitspolitik, des deutschen Gesundheitssystems sowie der Krankenhausplanung und -finanzierung erläutert. Die Übertragung auf die Krankenhauspraxis erfolgt dann in drei Abschnitten.

In einem ersten Teil werden die Struktur und Prozesse des Krankenhausbetriebes wie Trägerstrukturen und Rechtsform, Managementstrukturen und Leitungsorganisation, Aufbau- und Ablauforganisation und Prozessorganisation erklärt.

Der zweite Teil befasst sich mit den Strukturen und Prozessen der Leistungserstellung im Krankenhaus, insbesondere der Diagnostik und Therapie, Pflege, Fürsorge und Seelsorge sowie den Leistungen der Administrativen Bereiche und Versorgungsbereiche.

Der dritte Teil präzisiert die betriebswirtschaftlichen Funktionen und Entscheidungen und ihre krankenhausspezifischen Besonderheiten wie Angebotspolitik und Leistungsplanung, Finanzierung, Controlling und Management, Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen, Personalmanagement, Marketing, Logistik und Facility Management.

Julia Oswald und Barbara Schmidt-Rettig, August 2017

 

© Kohlhammer Verlag

Julia Oswald / Barbara Schmidt-Rettig / Siegfried Eichhorn (Hrsg.)
Krankenhaus-Managementlehre
Theorie und Praxis eines integrierten Konzepts
784 Seiten, 125 Abb.
978-3-17-030883-1

 

 

 

 

Bildquelle: © Kohlhammer Verlag und alphaspirit – Fotolia.com

 

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