Wann ist der richtige Moment für die Patientenaufklärung vor einer OP?

Das Patientenrechtegesetz schreibt vor, dass sie Patienten vor einem Eingriff so frühzeitig informieren müssen, dass diese ihre Entscheidung für oder gegen die Operation „wohlüberlegt“ treffen können. Zugleich darf die Aufklärung nicht zu lange zurückliegen. In der Praxis gibt es deshalb immer wieder Unsicherheiten. Welche Rolle für den Aufklärungszeitpunkt der konkrete Einzelfall und der jeweilige Behandlungsverlauf spielen, erläutert Dr. Kathrin Janke, Fachanwältin für Medizinrecht, an einem aktuellen Beispiel.

Im verhandelten Fall ging es um ein Kind, das seit seiner Entbindung geistig und körperlich behindert ist. Die werdende Mutter litt unter anderem an Schwangerschaftsdiabetes und wurde mit vorzeitigen Wehen im Krankenhaus aufgenommen. „Angesichts der problematischen Situation klärten die Ärzte sie bereits zu diesem Zeitpunkt über die Möglichkeit eines Kaiserschnittes auf; die Frau entschied sich für eine natürliche Geburt“, erläutert Juristin Janke. Nach einem vorzeitigen Blasensprung zwei Wochen später wurde unmittelbar die Geburt eingeleitet. Zunächst setzten die Ärzte gemäß dem Wunsch der werdenden Mutter auf eine vaginale Entbindung. Da sich der Zustand des Kindes jedoch verschlechterte, führten sie schließlich einen Notkaiserschnitt durch.

Das Kind leidet heute an schweren Behinderungen. In seinem Namen wurde gegen die Klinik Klage auf Entschädigung eingereicht. Die beiden ersten Instanzen gaben dieser statt, das Oberlandesgericht unter Hinweis auf Aufklärungsfehler. Der Bundesgerichtshof (BGH) folgte dem nicht und stellte fest, dass die Mutter bereits zu Beginn der Einlieferung ins Krankenhaus umfassend und rechtzeitig über die Möglichkeit eines Kaiserschnitts aufgeklärt worden sei. Eine relevante Änderung der ärztlichen Einschätzung hinsichtlich Chancen und Risiken der beiden Entbindungsmöglichkeiten habe sich seither nicht ergeben, so die Richter.

Den Einzelfall im Blick haben

„Wenn sich das Nutzen-Risiko-Verhältnis nicht maßgeblich verändert hat, besteht keine erneute Aufklärungspflicht“, erklärt Medizinrechtsexpertin Dr. Janke. „Die BGH-Entscheidung verdeutlicht aber zugleich, wie wichtig es für Ärzte ist, den jeweiligen Einzelfall im Blick zu haben.“

[contentbox headline=““ type=“gray“]In vergleichbaren Fällen sollten Ärzte vor einem Eingriff stets prüfen, ob sich das Krankheitsbild oder der Allgemeinzustand des Betroffenen seit dem Zeitpunkt der Patientenaufklärung stark verändert hat. Dann wäre eine neuerliche Aufklärung erforderlich – so rechtzeitig, dass der Patient das Für und Wider in Ruhe abwägen kann. Wieviel Zeit er dafür braucht, hängt auch von seiner individuellen Situation ab: von seinem Beruf, seinem Alter, Bildungsstand, dem persönlichen Umfeld und natürlich der Schwere des Eingriffs. [/contentbox]

„Eine Aufklärung am Tag der Operation beispielsweise ist in der Regel zu spät. Ein Tag oder noch besser ein paar Tage sollten schon dazwischenliegen“, empfiehlt Janke. „Der Nachweis, dass die Aufklärung umfassend, korrekt und rechtzeitig erfolgt ist, liegt stets beim Arzt“, fügt sie hinzu. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass er die Aufklärung sorgfältig dokumentiert“.

Quelle:

 

src/KWM

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert