Was ist Wissensmanagement?

Wissensmanagment

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Wissen gilt mittlerweile als wichtigster Rohstoff und bedeutendster Produktionsfaktor, auch – oder gerade – im Gesundheitswesen. Um das wertvolle Know-how entsprechend einsetzen zu können, sind Kliniken zunehmend bestrebt, ihr wertvolles immaterielles Kapital bestmöglich zu nutzen. Der Weg dorthin führt – zwangsläufig – über ein organisationales Wissensmanagement. Das klingt logisch. Ist es auch. Aber: Wissensmanagement … was ist das eigentlich genau?

Daten sind kein Wissen

Spricht man über Wissensmanagement, hat nahezu jeder Gesprächspartner eine andere Definition im Kopf. Meist gleicht diese einer vagen Vermutung. Und das ist nicht verwunderlich. Denn der Begriff Wissensmanagement ist an sich schon irreführend. Was heute Wissensmanagement heißt, wurde noch in den 1980ern als Informationsmanagement bezeichnet. Zudem verwenden wir die Begriffe Daten, Information und Wissen fälschlicherweise oft synonym. Dabei sind die Unterschiede eklatant.

Was wenigen bewusst ist: Wenn wir kommunizieren – ob mündlich oder schriftlich, ob virtuell oder im realen Klinikbetrieb – dann tauschen wir kein Wissen aus. Genau genommen sind es Daten, die vom Sender zum Empfänger wechseln. Erst wenn Ihr Gesprächspartner das Gesagte auf Grundlage seines Wissens interpretiert, entstehen daraus Informationen. Bestes Beispiel dafür sind Blutwerte. Liegen diese einem Patienten vor, kann er sie lesen und die Angaben auch verstehen – aber nur selten interpretieren. Er weiß also in der Regel nicht, was der Eisenwert aussagt. Dafür bedarf es eines – wissenden – Mediziners. Er kann die Werte nicht nur lesen und verstehen, sondern auf Basis seines Know-hows auch in einen größeren Zusammenhang stellen.

Wissen kann man nicht managen

An dieser Stelle zeigt sich die zweite Crux beim Thema Wissensmanagement: Man kann, wie gerade erläutert, zwar Daten weitergeben. Aber im Grunde kein Wissen. So stehen auch im Brockhaus und in Wikipedia genau genommen nur Daten, die erst weiterverarbeitet werden müssen. Diese Daten kann man speichern, transferieren und managen – Wissen aber nicht. Dieses ist, nahezu untrennbar, mit den Wissensträgern verbunden. Was will Wissensmanagement also tatsächlich leisten?

Wissensmanagement hat viele Gesichter

Wissensmanagement setzt, trotz der unglücklichen Begrifflichkeit, vornehmlich an zwei Punkten an:

  • Erstens geht es genau genommen um Datenmanagement. Also darum, die in Patientenakten, Versicherungsunterlagen, Arzneimittelverordnungen etc. enthaltenen Daten verfügbar zu machen. Jeder muss wissen, welche Daten im Krankenhaus vorliegen und wie er darauf zugreifen kann. Hier kommen Begrifflichkeiten wie Dokumentenmanagement und Suchlösungen – in der Regel als Enterprise Search bezeichnet – ins Spiel.
  • Zweitens geht es dann darum, das in den Köpfen der Mitarbeiter versteckte Wissen zugänglich zu machen. Dieses Know-how zumindest in Teilen zu explizieren, gelingt häufig nur über Nachahmung. Also der Nachwuchsmediziner lernt durch Beobachtung, wo genau er das Skalpell bei einem Kaiserschnitt ansetzen muss. Dadurch sammelt er Erfahrungen, die er künftig einsetzen kann, wenn er selbst operiert. Gerade in der Klinikorganisation ist ein solches Nachahmen aber oft schwierig. Denn auch wenn es sicher zielführend wäre, wird es in der Praxis nur selten dazu kommen, dass die Klinikleitung in der Verwaltung eines anderen Krankenhauses hospitiert und die dort angewendeten Prozesse dann in die eigene Organisation überträgt. Um dennoch von Best Practices anderer Kliniken lernen zu können, bieten sich beispielsweise spezielle Wissensmanagement-Konferenzen an, bei denen Vertreter erfolgreicher Krankenhäuser davon berichten, wie sie ihre Wissensprozesse abbilden.

Wissensmanagement ist Mannschaftssport

Daten verfügbar machen, von anderen lernen, erfolgreiche Abläufe nachahmen: All das kann jedoch nur gelingen, wenn die Organisationsmitglieder – also Ärzte, Verwaltungsmitarbeiter und Klinikleitung – bereit sind, ihr Know-how zu teilen. Denn Wissensmanagement ist Mannschaftssport: Nur wenn sich die Beteiligten fair verhalten und gegenseitig die Bälle – also das Wissen – zuspielen, können sich Wissensflüsse etablieren.

nl/KWM
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