Weiterbildung muss sich dem Klinikalltag anpassen – nicht umgekehrt

Fortbildung © Paavo Blafield – Thieme Gruppe

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Immer offen für Neues sein, wissbegierig bleiben und innovative Lösungswege suchen – in der Medizin ist das selbstverständlich. Und wird immer wichtiger. Lebenslanges Lernen gehört in Krankenhäusern daher zur Voraussetzung, um Qualitätsstandards zu erfüllen und die Patientensicherheit zu garantieren. Steigender Kostendruck und Personalengpässe, gepaart mit der immer kürzer werdenden Halbwertzeit medizinischen Wissens machen Weiterbildung parallel zum Klinikalltag aber immer schwieriger. Müssen Ärzte, Pfleger und administrative Mitarbeiter also noch mehr leisten? Sind sie gefordert, zusätzliches Engagement aufzubringen, um ihr Wissen up-to-date zu halten und sich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten? Nein! Vielmehr muss sich der Wissenserwerb den Gegebenheiten im Gesundheitswesen anpassen und auf die Bedürfnisse des Klinikpersonals ausgerichtet sein.

Klassische Weiterbildung ist teuer und oft schwer realisierbar

Viele Krankenhäuser können es sich schichtweg nicht mehr leisten, tagelang auf ihre Mitarbeiter zu verzichten, weil sie sich in Präsenzseminaren regelmäßig weiterbilden. Zumal der Wissensbedarf stetig steigt. Waren es früher einzig und allein medizinische Themen, die vermittelt werden mussten, ist im Zuge der Digitalisierung auch Wissen rund um Software-Lösungen, elektronisches Arbeiten, Datenschutz und IT-Sicherheit erforderlich. Der Wandel vom analogen hin zum digitalen Krankenhaus ist ein Meilenstein. Und die damit verbundenen Veränderungen ziehen erheblichen Schulungsbedarf nach sich. Und zwar über alle Ebenen des Klinikpersonals hinweg.

Neue Prozesse betreffen häufig die gesamte Belegschaft. Nehmen wir als Beispiel die organisationsweite Einführung eines Krankenhaus-Informations-Systems (KIS). Darauf greifen medizinisches und administratives Personal gleichermaßen zu. Damit alle wissen, wie sie richtig damit umgehen, brauchen sie eine Schulung. Am besten gleichzeitig, damit alle über denselben Wissensstand verfügen. Ergo müsste – rein theoretisch – die Klinik für ein bis zwei Tage schließen, um einen reibungslosen Change von der Papier- hin zur elektronischen Verwaltung zu garantieren. Dass das undenkbar ist, versteht sich von selbst. Aber dieses Beispiel zeigt eindrücklich, welchen Spagat Kliniken beim Thema Wissensvermittlung oftmals machen müssen.

Lernen, wo und wann Sie wollen

Die Lösung liegt – dank der oft gescholtenen Digitalisierung – in IT-basierter Weiterbildung. Statt an einem externen Schulungsort erfolgt der Wissenserwerb häppchenweise und „on the job“. Über eine E-Learning-Lösung oder im Rahmen eines klinikweiten Wissensmanagement-System erhalten die Krankenhausmitarbeiter genau das Wissen, das sie für ihre Arbeit benötigen. In sogenannten Learning Nuggets können sie zum Beispiel auf dem Weg in die Klinik oder zu Hause einzelne Lerneinheiten absolvieren. Auch ruhige Phasen während Nacht- und Bereitschaftsdiensten eignen sich dafür, das eigene Wissen auszubauen. Und zwar ohne Gruppenzwang und ohne festgelegte Lernzeiten, sondern im individuellen Lerntempo und unter selbst gewählten Rahmenbedingungen.

Möglich machen das webbasierte Zugänge zur Lernplattform. Während sich der eine über sein Tablet einwählt, nutzt der andere seinen heimischen Laptop oder den PC auf der Station. Mit Benutzernamen und Passwort ausgestattet, kann jeder Ort zum Klassenzimmer werden. Ob man das neue Wissen verstanden hat, lässt sich anhand von Tests überprüfen. Bei Bedarf geht nach jeder erfolgreich absolvierter Lerneinheit eine Info an den Vorgesetzten. Das ist zum Beispiel bei Pflichtschulungen erforderlich. So erhält die Klinik einen Nachweis, dass alle Mitarbeiter über das dringend erforderliche Know-how verfügen.

Digitales Lernen zahlt sich aus

Und es rechnet sich vor allem auch monetär. Die Reisekosten für externe Schulungen entfallen. Es entstehen auch keine Mehrkosten für den mit externen Weiterbildungen verbundenen Personalausfall. Zudem ist der Transfer in den Klinikalltag barrierefrei möglich. Die hohe Flexibilität trägt zudem zur Motivation beim einzelnen Lerner bei. Sind die zu vermittelnden Wissenseinheiten dann auch noch attraktiv gestaltet und mit spielerischen Elementen versehen (Stichwort Serious Games), dann wird Wissensvermittlung zum Spaßfaktor und zur willkommenen Abwechslung im Klinikalltag.

nl/KWM
Bildquelle: © Paavo Blafield – Thieme Gruppe

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