Welche Rolle spielt Wissensmanagement in der Medizin?

© Kim Schneider/ AdobeStock

Krankenhäuser sind komplexe Organisationen. Laut Statistischem Bundesamt beschäftigen sie rund 1,2 Millionen Mitarbeiter der unterschiedlichsten Professionen – alle mit demselben Ziel: Patienten bestmöglich zu behandeln. Doch angesichts von wirtschaftlichem Druck, steigenden Patientenzahlen und zunehmendem Fachkräftemangel wird es immer schwerer, dieser Herausforderung gerecht zu werden. Wissensmanagement in der Medizin kann aktiv zur Lösung dieser komplexen Situation beitragen. Denn von den Methoden und Tools profitieren alle Akteure, vom Arzt über den Verwaltungsmitarbeiter bis hin zum Patienten.

Wissensmanagement schont Ressourcen

In erster Linie benötigen Kliniken zurzeit qualifiziertes Personal. Doch der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Zudem kämpft die Gesundheitsbranche im Allgemeinen und das Krankenhaus im Speziellen mit einem Imageproblem. Im Vergleich zur Industrie gelten sie als eher weniger attraktive Arbeitgeber. Hohe körperliche und psychische Belastung, Schichtdienst, Überstunden ohne praktikable Ausgleichsregelung, wenig familienfreundliche Arbeitsbedingungen, fehlendes Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht gehören zu den am häufigsten genannten Gründen, weshalb junge Talente sich nicht bevorzugt in Klinikorganisationen bewerben oder weshalb bestehendes Personal aktiv nach alternativen Beschäftigungsverhältnissen sucht.

Um die Behandlungsqualität aufrechtzuerhalten, haben Krankenhäuser diesbezüglich zwei große Stellhebel:

  1. Sie müssen sich als attraktive Arbeitgeber positionieren, um bestehende Fachkräfte zu halten und neue potenzielle Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen.
  2. Sie müssen die vorhandenen personellen Ressourcen so weit wie möglich entlasten (z.B. durch Automatisierung), um die wachsenden Patientenströme zu bewältigen.

Von der Wissenskultur zum attraktiven Arbeitgeber

Beides kann Wissensmanagement leisten – auch in der Medizin. Der erste Schritt führt über die Etablierung einer Wissenskultur. Mit der Wissenskultur werden Kliniken automatisch zu Organisationen, in denen Wertschätzung und eine hierarchieübergreifende Kommunikation selbstverständlich sind und sich die HR-Abteilung konsequent am Mitarbeiterlebenszyklus orientiert. Wer das zur gelebten Realität macht, der gilt in der Regel als attraktiver Arbeitgeber.

Prozesse automatisieren, Mitarbeiter entlasten

Der zweite Schritt ist die Prozessoptimierung. Hier liegen immense Potenziale zur Verbesserung. In der Folge werden Dokumente doppelt und dreifach erstellt und liegen dann in verschiedenen Versionen vor. Schon bei der manuellen Eingabe von Patientendaten passieren Fehler. Diese Fehler ziehen sich dann wie ein Schatten durch die gesamte Patientenhistorie, verschwenden wertvolle Zeit und binden kostbare Ressourcen. Die Automatisierung von Prozessen ist komplex, zielt aber auf die Entlastung von Mitarbeitern.

Wissensmanagement erhöht die Qualität

Nicht nur innerhalb einer Organisation bieten wissensbasierte Systeme viel Potenzial. Die Verarbeitung der weltweiten medizinischen Datenmengen kann für die Medizin zum Quantensprung werden. Wenn alle verfügbaren Daten zusammengeführt würden, ließen sich viel schneller individuelle Behandlungswege finden, Risiken erkennen, Krankheitsverläufe vorhersehen und Epidemien abwenden, noch bevor sie entstehen. Vor allem im digitalen Wissensmanagement liegt die Zukunft der Medizin. Krankenhaus sollten daher die Grundlagen dafür schaffen: Daten verfügbar machen, in elektronische Wissensbausteine überführen, sie intelligent vernetzen und konsequent für den medizinischen Fortschritt und damit für das Patientenwohl nutzen.

 

nl/KWM

Bildquelle: © Kim Schneider / Adobe.Stock.com

Hinterlassen Sie einen Kommentar