WhatsApp-Nutzung in der Klinik: Probleme und Lösungen

Messenger-Anwendung Handy © oatawa/ Adobe.Stock.com

© oatawa/ Adobe.Stock.com

Privat nutzen viele von uns ganz selbstverständlich WhatsApp und andere Messenger-Dienste. Zu allen erdenklichen Themen werden Gruppen gebildet, um Informationen schnell in die Runde zu geben oder Bilder und Videos zu versenden. Im beruflichen Umfeld ist die Nutzung solcher Messaging-Anwendungen vor allem aus Datenschutzgründen ein Problem. Dennoch verwenden viele Angestellte die privaten Kanäle ebenso zu beruflichen Zwecken – auch Klinikpersonal, nicht zuletzt, weil eine „offizielle“ Alternative in der Regel fehlt.

Dort, wo es keine intern auf die Bedürfnisse angepassten Lösungen gibt, bedienen sich Mitarbeiter und auch Führungskräfte oft der einfachen und kostenlosen Möglichkeit, den Messenger-Dienst WhatsApp zu nutzen. Wer dieser Praxis Herr werden möchte, sollte daher nicht nur die damit verbundenen Probleme klar kommunizieren und die Verwendung im Klinikalltag verbieten, sondern auch nach Alternativen suchen.

Welche Probleme birgt die berufliche Nutzung von WhatsApp und Co?

Messenger-Dienste wie WhatsApp sind nicht für den beruflichen Gebrauch konzipiert. Mehr noch: Die Nutzungsbedingungen von WhatsApp untersagen jede nicht-private Nutzung – es sei denn, das Unternehmen genehmigt diese ausdrücklich. Das ist aber nur ein Teil des Problems. Weitaus schwerwiegender ist, dass die Krankenhaus-IT die Anwendung nicht kontrollieren kann. Im Hinblick auf die DSGVO erfüllt WhatsApp in vielen Punkten die Anforderungen nicht. Dazu gehören neben dem Serverstandort außerhalb der EU vor allem fehlende Kontroll- und Datensicherheitsmechanismen. Vor diesem Hintergrund ist ein Nutzungsverbot jedoch nur eine Konsequenz.

Alternativen suchen und finden

Da niemand auf die Vorzüge einer schnellen und zuverlässigen mobilen Kommunikation verzichten möchte, müssen Alternativen für die Mitarbeiter gefunden werden. Diese müssen auf die Klinikbedürfnisse angepasst sein und den Schutz sensibler Patientendaten gewährleisten.

Die IT-Initiative ENTSCHEIDERFABRIK beschäftigt sich in diesem Jahr intensiv mit der Entwicklung einer solchen Lösung. Am Digitalisierungsprojekt „Beseitigung des WhatsApp-Dilemmas durch sichere mobile Krankenhaus-Kommunikationslösungen“ beteiligen sich mehrere Einrichtungen: Die Kliniken Nordoberpfalz, die St. Augustinus Kliniken, die Vestischen Caritas Kliniken, das Klinikum Oldenburg, das Westpfalz Klinikum sowie das Universitätsklinikum Münster. Auf Industrieseite ist das Unternehmen Infinite Convergence Solutions mit seinem Messaging Service NetSfere involviert.

NetSfere als Lösung des Dilemmas?

Seit Februar 2018 schult das IT-Unternehmen bereits Klinik-Administratoren, damit sie beispielsweise User-Accounts aufsetzen und löschen können. Einige Einrichtungen probieren dies zunächst mit dreißig bis vierzig Nutzern aus und geben ein Feedback, um die Applikationen weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Bereits jetzt ist es möglich, über eine sichere Programmierschnittstelle Zusatzdienste einzurichten. Ein Beispiel sind Alarme. Wird ein spezieller Alarm-Server eingerichtet, so kann via Nachrichten-Dienst schnell zur Evakuierung beispielweise bei einem Brand aufgerufen werden. Manche Einrichtungen planen auch bereits E-Learning-Funktionalitäten. So könnte ein Arzt den richtigen Umgang mit Krampfpatienten filmen und über die gleiche Plattform hochladen. Auch eine Integration in Krankenhausinformationssysteme (KIS) soll möglich werden.

ENTSCHEIDERFABRIK auf der MEDICA

Am Dienstag (13.11.) werden die Ergebnisse der Ausarbeitungen zu allen fünf Digitalisierungsthemen des aktuellen Jahres kompakt im Rahmen des 41. Deutschen Krankenhaustages präsentiert. Weitere Informationen zur MEDICA-Beteiligung der ENTSCHEIDERFABRIK sowie eine Projektübersicht sind online abrufbar unter: http://www.medica.de/entscheiderfabrik.

Quellen:
ENTSCHEIDERFABRIK präsentiert bei der MEDICA 2018 ihre diesjährigen Digitalisierungsprojekte
Beseitigung des WhatsApp-Dilemmas im Krankenhaus , f&w führen und wirtschaften im Krankenhaus, Beilage IT-Branchenreport (11/2018)
Rechtskonforme Alternative zu Whatsapp einführen von Sven Eisenkrämer, Springer Professional online, 8.6.2018

cp/KWM
Bildquelle:
© oatawa/ Adobe.Stock.com

4 Kommentare auf “WhatsApp-Nutzung in der Klinik: Probleme und Lösungen”

  1. Alex sagt:

    Servus zusammen,
    NetSfere kann nicht die Lösung sein – gerade unter DSGVO-Gesichtspunkten.
    Hier sollten lediglich deutsche bzw. europäische Anbieter aufgeführt werden, die neben der Datensicherheit, Hosting in Deutschland, auch die Datenhoheit für die einzelnen Unternehmen / Krankenhäuser gewährleistet.
    Viele Grüße

    • KWM–Redaktion sagt:

      Liebe(r) Alex,
      Danke für Deine Anmerkung. NetSfere haben wir als Beispiel herausgegriffen – sicher gibt es auch noch weitere Anbieter. Nach unserer Quelle gilt die Lösung NetSfere als DSGVO-tauglich. Für Einrichtungen besteht die Möglichkeit, die Anwendung als Public-Cloud-Lösung mit Serverstandort Deutschland als auch als dedizierte On-Prem-Lösung im eigenen Rechenzentrum zu nutzen.
      Mit freundlichen Grüßen
      Deine KWM-Redaktion

      • Alex sagt:

        Liebe Redaktion,
        je nachdem, welche Quelle man nutzt, ist auch Whatsapp DSGVO tauglich. ^^ Nicht, dass ich euch eine falsche Quellen-Auswahl unterstellen möchte. Jedoch ist es immer eine Sache des Blickwinkels.

        Dazu: Haben Krankenhäuser die Kapazitäten solche Systeme als On-Prem-Lösungen zu verwalten? Und ist die Nutzerbereitschaft auch wirklich gegeben, solche Systeme dann zu nutzen? Denn, wenn man die Nutzer nicht erreicht und die APP nicht funktioniert oder extrem anfällig ist, nutzen sie automatisch weiterhin WhatsAPP. Das ist leider Realität.

        Aus eigener Erfahrung gibt es bspw. Rocket Chat – On Premise und funktioniert nicht wirklich.

        Daher wäre schon sinnvoller dieses Tool auch zu anderen zu vergleichen. Hier kann man locker Threema (aus der Schweiz und eine super APP), SIMSme Business (aus Deutschland mit einfacher Verwaltung) oder ginlo @work (Auch aus Deutschland, einfache Verwaltung und garantiert volle Datenhoheit).

        • KWM–Redaktion sagt:

          Liebe(r) Alex,
          vielen Dank für Deine Nachricht und Deine Hinweise und Ergänzungen.
          Mit freundlichen Grüßen
          Deine KWM-Redaktion

Hinterlassen Sie einen Kommentar