Wie entstehen ICD-10-GM & OPS?

Kodierwerke: ICD-10 und OPS

© Deutscher Ärzteverlag/ CoreDesign

Kodierwerke – jeder Arzt, ob behandelnd oder in Forschung tätig sowie Verwaltungsmitarbeiter im Gesundheitswesen kennen die obligatorischen Kodierwerke ICD-10-GM und OPS. Die wenigsten fragen sich wahrscheinlich, wo sie ihren Ursprung haben und wie die Kodierwerke es denn schaffen, jedes Jahr pünktlich in der ersten Januarwoche druckfrisch und zeitgerecht zu erscheinen. Zugegeben, die spannendsten Werke sind Kodierwerke nicht.  Aber sie sind wichtig für die alltägliche Arbeit im Gesundheitswesen. Deshalb veröffentlicht der Deutsche Ärzteverlag zu Beginn eines jeden Jahres die aktualisierten ICD-10-GM und OPS.  Bevor wir uns dem Entstehungsprozess widmen, sollte vorab noch eine Frage geklärt sein: Woher kommen die heutigen ICD-10-GM und OPS-Klassifikationen, die heute grundelementar in der Medizin sind?

Geschichte der Kodierwerke in Deutschland

Der Ursprung der heutigen Klassifikationen liegen in den vor über 110 Jahren entstandenen Todesursachenverzeichnis, welches sich mit der Zeit zu einer internationalen und nicht mehr wegzudenkenden Klassifikation für alle Problemstellungen der Morbidität entwickelt hat. Die Einführung dieser Klassifikationen geht auf das Jahr 1968 in den Krankenhäusern der DDR zunächst noch mit ICD-8 zurück. Die Bundesrepublik folgte etwas später, 1986. Erst seit dem Millenniumsjahr 2000 müssen Diagnosen stationärer als auch ambulanter Patienten nach der ICD-10 verschlüsselt werden. Diese orientieren sich nach einer spezifisch deutschen sowie jährlich revidierten Version, die sich seit 2004 ICD-10 GM (German Modification) nennt.

Die Ziele von ICD-10- GM und OPS

Medizinische Klassifikationen dienen zur medizinischen Dokumentation sowie zur strukturierten Auswertung. Hintergrund ist dabei, „die zunehmende Komplexität der medizinischen Forschung und Betreuung, die steigenden Kosten für das immer leistungsfähigere Gesundheitswesen, der ökonomische Zwang zu einer immer rationelleren gesundheitlichen Betreuung und – damit verbunden – zu einer entsprechenden leistungsgerechteren Abrechnung und schließlich die verbesserten Möglichkeiten der Informationsverarbeitung.“ [1] Um Krankheiten und ihre möglichen Folgen, aber auch Medikamente sowie Organe, operative, therapeutische oder diagnostische Behandlungsverfahren einheitlich zu erfassen und zu klassifizieren, übernehmen Klassifikationen „die systematische Ordnung des medizinischen Wissens.“

Phase 1: Änderungen zur Vorjahresausgabe der ICD-10 und OPS

Die Kodierwerke vom Deutschen Ärzteverlag bleiben ihrem strukturierten Charakter treu, denn jährlich erscheinen sie pünktlich in der ersten Januarwochen, um von Beginn an das neue Jahr mit aktualisierten Klassifikationen zu starten. Hinter der alljährlichen Überarbeitung der ICD-10-Ausgaben verbirgt sich ein intensiver, stressiger, aber erfolgreicher Prozess.

  • Start: September.
  • Deadline: Erste Dezemberwoche
  • Ziel: Pünktliche Lieferung im Januar.

Der Deutsche Ärzteverlag arbeitet mittlerweile mit der Firma Transcom, ein Ingenieurbüro für technische Kommunikation, zusammen. Diese haben eine eigene Software entwickelt, durch die sich die Dateien der bisherigen ICD- und OPS-Ausgaben ziehen lassen und so automatisiert wie möglich, einen ersten Entwurf der neuen ICD- und OPS-Bände erstellen. Diese Software kann z.B. neue Änderungen zu der Vorjahresausgabe automatisch kennzeichnen. Die Kennzeichnung solcher Veränderungen ist essentiell für den nächsten Schritt im Veröffentlichungsprozess. Hier schaltet sich die Produktmanagerin Gabriele Graf ein. Ab diesem Zeitpunkt ist Frau Graf lange im Home-Office. Sehr lange. Genauer gesagt zehn Wochen. In diesen zehn Wochen übernimmt sie die vollständige erste Korrektur der geplanten ICD- und OPS-Versionen. Dieser Schritt lässt sich nicht automatisieren und ist ohne Frau Graf nicht umsetzbar. Wer jetzt in der Annahme ist, damit sei der Prozess abgeschlossen, nun dem muss ich sagen: noch lange nicht.

Phase 2: Redaktionelle Arbeit der Autoren

Nach zehn Wochen intensiver Korrekturarbeit erfolgt ein weiterer Überarbeitungvorgang. Nun sind die beiden Autoren hinter den Kodierwerken an der Reihe: Dr. med. Bernd Graubner, Medizininformatiker und Prof. Dr. Thomas Auhuber, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und verifizierter Gesundheitsökonom. Für Sie beginnt nun die wohl stressigste Phase: Die Autoren lassen bei ihrer redaktionellen Arbeit keine Details aus den Augen. Nicht nur inhaltliche Punkte werden akribisch abgearbeitet, sondern auch formale. Dabei wird u.a. strengstens auf Schreibweisen geachtet. Zu der Korrektur zählen Kapitel, Anhänge, Inhaltsverzeichnis, Zeilen- und Seitenumbrüche, Silbentrennung, Kopfzeilen, Rechtschreibprüfung … und wenn auch der letzte Punkt richtig gesetzt wurde, stehen sie, die ICD-10-GM und OPS für das neue Jahr. Insgesamt bleiben für den Druck sowie inklusive Lieferung nur zehn Tage. Der Deutsche Ärzteverlag arbeitet mit einem langjährigem deutschen Logistikpartner, damit der Ablauf jedes Jahr reibungslos verläuft.

Quo vadis, ICD-10-GM und OPS?

Damit die Klassifikationen ICD-10-GM und OPS auch weiterhin Ihre Qualität halten können, sind externe Meinungen zu Verbesserungsvorschlägen immer gewünscht. Alle, die mit diesen Kodierrichtlinien arbeiten, sind stets gerne dazu aufgefordert, auf mögliche Fehler hinzuweisen (kundenservice@aerzteverlag.de).

 

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Zu den Autoren

Seit 1967 ist der wichtigste Mann hinter den ICD- und OPS-Ausgaben Dr. med. Bernd Graubner. Er ist nicht nur promovierter Mediziner, er studierte neben seiner Facharztausbildung zusätzlich Informatik. Mit Beginn seiner Tätigkeit als Arzt ist er ganz vorne mit dabei, wenn es um die internationale Klassifikation der Krankheiten und Todesursachen (ICD) mit Operations- und Prozedurenklassifikationen geht. Bis 2017 war er außerdem Mitglied der Arbeitsgruppen ICD und OPS beim Bundesministerium für Gesundheit. Nach dieser langen und intensiven Arbeit ist es nun für Dr. Graubner Zeit zu gehen. Seinen Nachfolger Prof. Dr. Thomas Auhuber arbeitet er bereits seit über einem Jahr in seine Welt ein. Dr. Auhuber ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Notfallmedizin sowie zertifizierter Gesundheitsökonom.

 

[1] Dr. med. Bernd Graubner, ICD und OPS: Historische Entwicklung und aktueller Stand

sü/KWM

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