Wie entwickeln Mitarbeiter ein agiles Mindset?

Krankenhäuser und Pflegeschulen müssen raus aus ihrem starren Korsett – und sich zu agilen Organisationen entwickeln. Damit das gelingt, bedarf es allerdings eines agilen Mindset unter den Mitarbeitern und Schülern. Aber auch die Lehr- und Führungskräfte sind gefragt: Sie fungieren als Vorbilder und müssen mittels „agile Leadership“ die neuen Leitgedanken in der Organisation verbreiten.

Vom fixed zum agile Mindset

Unter Mindset versteht man Denkweisen, Überzeugungen und Verhaltensmuster. Oft ähneln sich die Mindsets der Mitarbeiter einer Klinik oder der Lehrer und Schüler einer Schule. Es sind die ungeschriebenen Gesetze, die gelebte Organisationskultur und das „gewünschte“ Benehmen, was sich im Mindset niederschlägt. Gerade Einrichtungen im Gesundheitsweisen verharren dabei häufig noch im so genannten „fixed“ Mindset: Ihr Denken ist dabei statisch. Lernen erfolgt aufgrund extrinsischer Anreize, Fehler führen zu Maßregelung, Bloßstellung oder Abwertung und Veränderungen werden aus Angst vor Neuem oft skeptisch gesehen.

Um den sich rasch verändernden Rahmenbedingungen in der VUCA-Welt gerecht zu werden, muss allerdings dringend ein Paradigmenwechsel stattfinden. Weg vom fixed und hin zum „growth“ oder eben agilen Mindset, das keine Entwicklungsgrenzen kennt, sondern von einem Klima der Neugierde und des Wissensdursts geprägt ist. Diese beiden Eigenschaften bilden dabei die Basis für das permanente Streben nach Weiterentwicklung – der eigenen Fähigkeiten wie auch der gesamten Organisation. Dabei verstehen Mitarbeiter, Schüler und Lehrer Fehler und konstruktives Feedback als wertvolle Lernquellen.

Eine Frage der (Wissens-)Kultur

Wie agil eine Organisation ist, kann man anhand von fünf Werten festmachen:

  • Flexibilität und Veränderungsbereitschaft
  • Lernwille und Fehlertoleranz
  • Teamgedanke
  • Respekt und Vertrauen
  • Fokus auf Kunden- bzw. Patientenbedürfnisse

Sie sind das Herzstück des Agilen Manifests und finden sich als zentrale Elemente auch in der Definition einer gelebten Wissenskultur wieder.

Was kann ein agiles Mindset bewirken?

Ein agiles Mindset setzt Innovations- und Verbesserungspotenziale frei, es erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit und macht Beschäftigte produktiver. Sie bringen sich und ihre Ideen mehr ein, agieren produktiver und tragen damit nachweislich mehr zur Wertschöpfung bei, was wiederum dazu führt, dass sich jeder Einzelne als wichtiger Bestandteil der Gesamtorganisation versteht. Wertschätzung und Sinnhaftigkeit der eigenen Tätigkeit erhöhen die emotionale Zugehörigkeit zum Unternehmen. Dadurch steigt die Mitarbeiterbindung, die Fluktuation nimmt ab. In Schulen führt ein agiles Mindset dazu, dass Schüler besser und eigeninitiativ lernen. Ziel ist nicht der Abschluss, sondern der Lernprozess an sich.

Wie entsteht ein agiles Mindset?

Natürlich gibt es Weiterbildung zu agilen (Projektmanagement-)Methoden. Für ein agiles Mindset ist jedoch weniger externes Methodenwissen erforderlich. Stattdessen braucht es einen Cultural Change, der offene hierarchieübergreifende Kommunikation, eine Feedback- und Fehlerkultur sowie ein wertschätzendes Miteinander zum „New Normal“ werden lassen. Auslösen lässt sich ein solcher Veränderungsprozess durch die Führungsmannschaft. Also ganz klassisch: top-down. Allerdings kann der Change nicht verordnet, sondern muss aktiv vorgelebt werden. Erst wenn Mitarbeiter und Schüler mehrfach erlebt haben, dass ihre Meinung wertgeschätzt wird, Fehler keine negativen Folgen nach sie ziehen und – auch kritisches, aber immer konstruktives – Feedback ausdrücklich erwünscht ist, dann setzt sich ein  Veränderungsprozess in den Köpfen der Mitarbeiter und Schüler in Gang.

Unterstützen lässt sich der Change durch agile Maßnahmen, wie die Einführung von Task Boards, des Daily-Standup-Meetings, Burn-Down-Charts, osmotische Kommunikation und Planning Poker. Diese Methoden geben dem Change-Prozess ein Gesicht und führen dazu, das neue Mindset auch aktiv anzuwenden.

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