Wie lernen wir morgen? 4 E-Learning-Trends für den Health Sector

Der Fortbildungsbedarf im Gesundheitswesen ist groß. Allerdings wird – beispielsweise in der Pflege – oft nur wenig Zeit für den gezielten Wissenszuwachs verwendet. Das Gros der Mitarbeiter nutzt pro Jahr zwischen einem und fünf Weiterbildungstage. Dünne Personaldecken und eng getaktete Dienstpläne machen es immer schwieriger, die eigenen Kompetenzen auszubauen. Geschickt konzipiertes E-Learning kann Abhilfe schaffen und betriebliches Lernen harmonisch in den Krankenhausalltag integrieren.

Wie erfolgt Wissenserwerb in der Praxis?

Um sich neues Wissen anzueignen, besuchen Mitarbeiter regelmäßig Präsenz- oder Online-Schulungen. Auch Blended-Learning-Formate, die virtuellen und Vor-Ort-Wissenserwerb kombinieren, sind hoch frequentiert. Doch in der Praxis gründen nur 10 Prozent des Wissenszuwachses auf klassische Weiterbildungsmaßnahmen. Und die anderen 90 Prozent?

20 Prozent des Know-hows werden in der Interaktion und im Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten generiert. Den größten Teil – die verbleibenden 70 Prozent – eignen wir uns hingegen bedarfsgesteuert und in Eigenregie an. Sobald ein Problem auftritt, suchen wir nach einer Lösung. Entweder fragen wir einen Kollegen bzw. eine Kollegin. Oder wir recherchieren selbst, suchen nach Praxisanleitungen, Tutorials etc. Diese 70-20-10-Formel geht auf die Forscher Morgan McCall, Robert Eichinger und Michael Lombardo vom Center for Creative Leadership in North Carolina zurück. Bereits in den 1990er Jahren entwickelten sie ihre so genannte Bildungsformel, die bis heute Bestand hat. Doch was bedeutet das für die klinische Lernpraxis?

Betriebliches Lernen muss schnell, prägnant und bedarfsgerecht erfolgen

E-Learning hat im Zuge der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen auch im Gesundheitswesen und speziell im Krankenhaus eine neue Bedeutung gewonnen. Allerdings bringt es wenig, einst als Präsenzveranstaltung konzipierte Seminare 1:1 in den digitalen Raum zu übertragen. Das mag bei Pflichtschulungen zu rechtfertigen sein, kommt aber den sonstigen Lernbedürfnissen nicht entgegen. Vielmehr gilt es, große Wissensgebiete in viele kleine, leicht verdauliche Lernnuggets aufzuteilen und dieses Know-how praxisorientiert zur Verfügung zu stellen. Dieser Entwicklung spielen auch die aktuellen E-Learning-Trends in die Hände. Sie spiegeln die derzeitigen Wünsche und Anforderungen an die Weiterbildung wider und sollten gerade im hektischen Klinikalltag Berücksichtigung finden:

  1. Kurze Lerneinheiten: Wissenserwerb sollte in Form von Microlearning stattfinden. Die einzelnen Wissensnuggets nehmen dabei zwischen fünf bis maximal 15 Minuten Zeit in Anspruch. So lassen sie sich optimal in den Arbeitsalltag integrieren.
  2. Selbstgesteuerter Wissenserwerb: Wissenserwerb muss dann erfolgen, wenn ein konkreter Lernbedarf besteht. Microlearnings setzen genau hier an, indem sie relevantes Wissen auf Abruf bereithalten, das die Mitarbeiter im Fall einer Frage oder Unsicherheit konsumieren können.
  3. Adaptive Learning: Da Wissensbedarfe individuell verschieden sind, benötigt jeder Mitarbeiter einen eigenen, auf ihn zugeschnitten Mix aus Weiterbildungsnuggets. Auf Basis künstlicher Intelligenz wird es möglich, adaptiv zu lernen. Ausgehend von den vorhandenen Kompetenzen, dem Aufgabengebiet und der gewünschten beruflichen Entwicklung werden beim adaptive Learning automatisch passende Lerneinheiten vorgeschlagen. Für jeden Mitarbeiter individuell.
  4. User-generated Content: Das im speziellen Klinikkontext benötigte Wissen ist sehr spezifisch. Um es optimal auf die Rahmenbedingungen und Besonderheiten im eigenen Haus zuzuschneien, muss das Wissen entweder extern teuer eingekauft oder aber selbst erstellt werden. Der Trend geht zu Letzterem. Dabei fungieren vermehrt einzelne Mitarbeiter als Content-Ersteller. Immer dann, wenn sie selbst eine Frage gelöst haben, dokumentieren sie ihre Herangehensweise für andere Lerner. So entsteht quasi „on the job“ eine wachsende Wissensbasis mit maximalem Praxisbezug.

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