Wissenskultur im Krankenhaus – entscheidend für den Erfolg von Wissensmanagement

Wissenkultur im Krankenhaus

© Thieme & Frohberg GmbH

Sie haben ein Klinik-Wiki eingeführt, aber kaum einer nutzt es? Trotz neuer Ablagestruktur speichern die Mitarbeiter ihre Dokumente nach wie vor auf ihrem persönlichen Desktop? Und das vereinbarte Ampelsystem zur Ressourcenauslastung liegt nach dem Abflauen der ersten Begeisterungswelle weitgehend auf Eis? Wenn der Erfolg Ihrer gut gemeinten, detailliert geplanten und nachhaltig eingeführten Wissensmanagement-Maßnahmen ausbleibt, muss es nicht zwangsläufig am falsch gewählten Ansatz liegen. Meistens sind die Ursachen an ganz anderer Stelle zu suchen: in der Organisationskultur Ihrer Klinik.

Drei Stellschrauben für eine wissensförderliche Klinikkultur

Bei der kritischen Analyse der Wissenskultur geht es insbesondere um das Wir-Gefühl. Gibt es in Ihrem Krankenhaus ein solches Miteinander, auch über Hierarchien und Leistungsbereiche hinweg? Ziehen alle an einem Strang? Und wenn ja, an welchem? Viele Krankenhäuser stecken – initiiert unter anderem durch die wachsende Zahl junger Mitarbeiter, die ins Berufsleben drängen – mitten in einem Paradigmenwechsel. Weg vom klassischen „Wissen ist Macht“-Denken hin zu einer „Wissen teilen ist Macht“-Auffassung. Dieser Change ist für die Zukunft des Gesundheitswesens unerlässlich und sollte daher aktiv vorangetrieben werden. Denn nur so lassen sich die künftigen Herausforderungen rund um alternde Gesellschaft und Fachkräftemangel sowie Globalisierung, Wettbewerbs- und Kostendruck erfolgreich lösen. Um entsprechende Veränderungen im Mindset herbeizuführen, stehen insbesondere drei Stellhebel zur Verfügung, die aber alle gleichermaßen bedient werden müssen: Kommunikation, Mitbestimmung sowie Feedback- und Fehlerkultur.

Wissen ist Kommunikation

Wenn wir miteinander reden, tauschen wir Wissen aus. Und entwickeln es weiter. Deshalb darf Kommunikation, weder schriftlich noch mündlich, zur Einbahnstraße werden. Statt nur Aufträge von oben nach unten weiterzugeben, muss Kommunikation auf Augenhöhe stattfinden. Das gilt auch und insbesondere für die hierarchieübergreifende Kommunikation. Natürlich ist es gerade in Kliniken wichtig, dass klare Verantwortlichkeiten existieren und wichtige bzw. zeitkritische Anweisungen ohne Wenn und Aber ausgeführt werden. Das ist häufig auch eine Frage von Haftung und Expertise. Aber darüber hinaus gibt es auch Kommunikation im Sinne von Erfahrungsaustausch. Und hier können nicht nur die Jüngeren von den Älteren lernen, sondern auch umgekehrt. Folglich sollte man ihn stets respektvoll führen und auch die Sichtweise des Gegenübers berücksichtigen.

Mitbestimmung ist Wertschätzung

Damit sind wir auch schon beim zweiten wichtigen Stellhebel: der Mitbestimmung. Wer im gegenseitigen Wissensaustausch Gehör findet, erfährt Wertschätzung. Und genau die motiviert zu mehr Engagement und mehr Leistung. Steigern lässt sich diese Kausalität noch durch die Möglichkeit aktiver Mitbestimmung. Wer Ideen hat und weiß, wo diese produktiv einzubringen sind, kann seinen Teil zur Veränderung der Klinikorganisation beitragen. Es ist das individuelle Wissen, das Teil des Changes wird. Übrigens fühlen sich Mitarbeiter, die Mitbestimmungsrechte haben und sich in Folge dessen besonders wertgeschätzt fühlen, auch stärker an ihren Arbeitgeber gebunden. Damit wird dieser Aspekt der Wissenskultur zu einem nicht zu unterschätzenden Faktor für die klinikweite Personalarbeit.

Feedback- & Fehlerkultur

Wissensentwicklung ist ein Prozess. Dabei erweist es sich immer wieder als erfolgsentscheidend, das eigene Know-how kritisch zu reflektieren. In Eigenregie gelingt das nur selten. Während vor allem junge Krankenhausmitarbeiter häufig eher belehrende Rückmeldungen von ihren älteren Kollegen erhalten, lässt die Feedbackkultur mit wachsender Expertise oft nach. Das liegt unter anderem an den vielerorts starren Hierarchien im Krankenhaus. Doch auch Ober- und Chefärzte oder die Pflegeleitung sind nicht unfehlbar. Aber ein entsprechendes Feedback bleibt aus. Dabei muss Feedback nicht per se immer negativ sein. Auch positive Rückmeldungen sind wertvoll und beflügeln mitunter zu Höchstleistungen.

Wissensflüsse explizit erlauben

Wer nie nach seiner Meinung gefragt wird oder beim Versuch, einen Verbesserungsvorschlag zu machen, abgewiegelt wird, der ist nicht bereit, sein Wissen zu teilen. Weder im Gespräch mit dem Kollegen noch digital in Kollaboration-Tools. Vielmehr müssen die Klinikverantwortlichen mit gutem Beispiel vorangehen, sich öffnen, Einblicke in ihren Erfahrungsschatz geben und Feedback auch von Jüngeren zulassen. Erst so entstehen der erforderliche Aha-Effekt und die notwendige Motivation, dieses Verhalten nachzuahmen und selbst zum Wissensgeber zu werden.

nl/KWM

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