Wissensmanagement 2020: Alles andere als „normal“!

künstliche intelligenz medizin

© Thieme & Frohberg GmbH

Künstliche Intelligenz, Big Data und E-Health – 2020 sollte zur Zäsur im Gesundheitswesen werden. Das Jahr, in dem das Wissensmanagement den Durchbruch schafft und analoge Prozesse flächendeckend durch digitale Alternativen abgelöst werden. Besser, schneller, effizienter wollte man die Abläufe zum Beispiel im Krankenhaus machen. Innovativer sein, ressourcen- und kostenschonender agieren. Es sollte der lang ersehnte Sprung in Richtung Smart Health werden. Doch dann kam Corona und alle nicht systemrelevanten Projekte wurden auf Eis gelegt. Auch das Wissensmanagement ist davon betroffen. Allerdings nicht alle Bereiche. Die Pandemie hat nämlich auch bewiesen, wie wichtige Wissensmanagement für das Gesundheitswesen ist. Damit kann das Jahr 2020 doch als Durchbruch in die Geschichte des Gesundheitswesens eingehen. Wenn auch anders als ursprünglich geplant.

Wissensmanagement in Warteposition

Seit März 2020 scheint sich alles dem Corona-Virus unterzuordnen. Nicht notwendige Operationen werden verschoben, Bettenkapazitäten freigehalten und alle verfügbaren Ressourcen im Kampf gegen das Virus gebündelt. Kein Wunder also, dass die Einführung eines klinikweiten Suchsystems oder einer digitalen Kollaborationslösung auf der Prioritätenliste ein ganzes Stück weit nach unten gerutscht ist. Allerdings lohnt sich ein genauerer Blick auf diese Entwicklung: Entsprechende Projekte sind nicht plötzlich unwichtig geworden. Vielmehr liegen alle Bemühungen derzeit auf der Bewältigung des Infektionsgeschehens. Denn Covid-19 sorgt weder dafür, dass Daten schneller gefunden werden, noch dass die Kommunikationswege effizienter funktionieren. Das heißt: Die derzeit „auf Halde“ stehenden Projekte rücken künftig wieder in den Fokus. Aber unter anderen Vorzeichen.

Der erstaunliche Wandel vom Nice-to-have zum Must-have

Aus einem „Nice-to-have“ ist plötzlich ein „Must-have“ geworden. Statt „bessere Datentransparenz müssen wir mal in Angriff nehmen“ heißt es nun „der Datenzugriff in Echtzeit ist im Gesundheitswesen alternativlos“. Es ist der Blinkwinkel, der sich durch die Pandemie verändert hat. Auch und gerade für die Aspekte des Wissensmanagements.

Es ist viel passiert …

Und auch wenn es so scheint als wären bisherige Wissensmanagement-Vorhaben im Zuge von Covid-19 in den Hintergrund gerückt, hat sich doch einiges getan. So haben zum Beispiel die knapp 19.000 Apotheken in Deutschland in diesem Sommer damit begonnen, an die Telematikinfrastruktur anzudocken, und damit den Weg für das digitale Rezept geebnet.

Zudem haben sich ganz neue, ungewöhnlich pragmatische Abläufe entwickelt und längst etabliert. Stichwort: Krankschreibung per Telefon. Das war vor einem Jahr noch undenkbar. Zwar erfolgt die Ausstellung des gelben Zettels nach wie vor per Post. Aber daran lässt sich sicher arbeiten. Es ist das Mindset, das sich – fast unbemerkt – verändert hat. Doch genau dieses Mindset ist es, das Wissensmanagement-Projekte im Gesundheitsweisen brauchen, um erfolgreich eingeführt zu werden.

Endlich! Der Weg für erfolgreiches Wissensmanagement ist geebnet.

Im Großen funktioniert es bereits, wie beim Melderegister für Intensivbetten und Beatmungsgeräte. Aber auch im Kleinen, also im Klinikverbund oder klinikintern wird sich diese Einstellung durchsetzen. Ja, ist sie vielerorts bereits sogar schon vorhanden. Insofern war 2020 für das Wissensmanagement kein Rückschritt und auch keine ungewollte Verschnaufpause – sondern ein Meilenstein. Veränderung beginnt bekanntlich im Kopf. Und dieser Change ist bereits vollzogen. Alles andere ist „nur noch“ eine Frage der Organisation, der Planung, Finanzierung und Implementierung. Aber es fällt künftig auf einen viel fruchtbareren Boden und hat dadurch viel größere Erfolgschancen, sein gesamtes Potenzial auch tatsächlich entfalten zu können.

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