Wissensmanagement 2020 – das Fazit, Teil 1: Welche Schwächen haben die Corona-Maßnahmen aufgezeigt?

Wissenmanagement und Cororna

©Thieme & Frohberg GmbH

Der Start in die Corona-Pandemie war holprig: Es fehlte allerorts an Schutzausrüstung. Die Preise für Masken schnellten in die Höhe. Die Auslieferung glich einer Geduldsprobe. Und der Mangel an Desinfektionsmitteln wurde zur Beinahe-Gefahr für Ärzte, Pfleger und Patienten. Das Durcheinander im Februar und März 2020 hat vor allem eine Tatsache ans Licht gebracht: Das Wissensmanagement im Gesundheitswesen ist bisher viel zu nachlässig vorangetrieben worden. Gerade im Health Sector mit seinen komplexen Liefer- und Dienstleistungsketten müssen insbesondere die Verantwortlichen in Echtzeit vorhandene Bestände monitoren können. Szenario-Rechnungen machen es darüber hinaus möglich, Bedarfe auch an unvorhersehbare Ereignisse anzupassen und den georderten Nachschub lückenlos nachzuverfolgen. Doch im ersten Quartal dieses Jahres haben entsprechende Maßnahmen kläglich versagt. Und zwar aus dem Grund, weil sie überwiegend noch gar nicht implementiert waren.

Wissensmanagement – die verkannte Disziplin

Wissensmanagement ist im Gesundheitswesen noch viel zu wenig ausgeprägt. Was das bedeutet und wohin das führen kann, hat Covid-19 sowohl den direkt Beteiligten als auch der breiten Öffentlichkeit geradezu plakativ vor Augen geführt. Verlässliche Aussagen zur Auslastung der Intensivbetten oder der Verfügbarkeit von Beatmungsgeräten? Waren anfangs schlichtweg nicht möglich. Prompter Nachschub an Masken, Desinfektionsmitteln etc.? Zunächst: Fehlanzeige! Im Gegenteil: Die dringend benötigte Ausrüstung ging unterwegs sogar verloren. Sowas passiert. Durchaus. Doch das Fatale an der Situation war: Die Transportwege ließen sich nicht nachverfolgen. Während sich Pakete von einschlägigen Zustelldiensten mittlerweile fast minutengenau tracken lassen, waren die verschwundenen Masken einfach „weg“.

In der Logistikbranche sorgen RFID-Chips beispielsweise für permanente Transparenz. Das führt nicht nur zu Sicherheit auf Seiten von Sender und Empfänger, sondern ist auch ein wichtiger Aspekt des Risikomanagements.

Fehlerkultur als essenzieller Teil des Wissensmanagements

Die plötzlich und unerwartet über uns hereingebrochene Pandemie – mit all ihren Auswirkungen, die wir bis heute spüren – hat also zum einen den Nachholbedarf in puncto Wissensmanagement aufgedeckt. Zum anderen hat sie aber auch gezeigt, wie schnell alle Beteiligten aus den Fehlern lernen können – deren Ursache ja oftmals weit in der Vergangenheit lag.

Sorglosigkeit und ein falsches Sicherheitsgefühl haben dazu beigetragen, dass die Ressource Wissen vor allem im Gesundheitswesen bisher nicht denjenigen Stellenwert erreicht hat, der ihr eigentlich gebührt und der für nahtlose Prozesse erforderlich ist. Doch im Wissensmanagement gelten Fehler als sehr ergiebige Lernquellen. Sie dienen nicht dazu, jemanden bloßzustellen oder anzuprangern – sondern bieten die einmalige Gelegenheit, aus Erfahrung zu lernen. Ziel ist es, es künftig besser zu machen und den gleichen Fehler kein zweites Mal zu begehen. Und genau das hat das Gesundheitswesen gemacht.

Jetzt, während des nächsten Lockdowns und bei weitaus höheren Fallzahlen als im Frühjahr, ist Schutzausrüstung vorhanden. Nachbestellungen erfolgen weitgehend reibungslos. Getreu dem Motto „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ haben die Verantwortlichen schnell die richtigen Stellschrauben gefunden und zumindest punktuell an den wissensintensiven Prozessen gearbeitet. Das ist ein guter Anfang, auf dem man mit weiteren Wissensmanagement-Tools und -Methoden aufbauen kann.

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