Wissensmanagement als Führungsaufgabe

Kugelspiel © dkimages – Fotolia.com

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Das klassische Führungsmodell in den Krankenhäusern hat weitgehend ausgedient. Starre Hierarchien und das Konzept von Führen und Folgen lässt sich mit dem Streben nach Individualisierung und Flexibilisierung auf Dauer nicht mehr vereinbaren. Und auch für ein erfolgreiches organisationales Wissensmanagement ist ein Umdenken des derzeitigen Leadership-Ansatzes dringend erforderlich.

Krankenhäuser brauchen klare Strukturen

Der Mikrokosmos Krankenhaus folgt ganz eigenen Gesetzen. Und zwar aus gutem Grund. Anders als viele Aufgaben in der Wirtschaft kann man medizinische Leistungen nicht unabhängig von Ort und Zeit erledigen. Arbeiten von zu Hause aus? Für einen Chirurgen ist das genauso wenig realisierbar wie für einen Pfleger. Sie werden dort benötigt, wo der Patient ist. Zu vereinbarten Zeiten und zu festgelegten Regeln. Was wie gemacht wird, das gibt der Chefarzt oder die Pflegedienstleitung vor. Schließlich muss einer die Verantwortung tragen. Das schließt aber ein Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht nicht aus. Denn auch in der Führung gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern vielfältige Nuancen dazwischen.

Führungskräfte agieren als Vorbilder

Wie wichtig diese Abstufungen sind, wird am Beispiel des Wissensmanagements deutlich: Wissensmanagement fordert ausdrücklich, dass alle Beteiligten ihr Know-how offen teilen und in einen aktiven Austausch treten. Selbstverständlich stationsübergreifend. Das gelingt aber nur, wenn die Führungsriege dieses Paradigma auch vorlebt – also der Chefarzt seine über Jahrzehnte angesammelte Erfahrungen nicht als Herrschaftswissen versteht und unter Verschluss hält, sondern es proaktiv an den Nachwuchs weitergibt.

Miteinander statt gegeneinander

Oder ein anderes Beispiel: Neue Technologien läuten derzeit einen fulminanten Wandel ein. Kliniken digitalisieren ihre Prozesse und schaffen papiergebundene Ablagen ab. Laufzettel, Patientenakten und Medikationspläne gibt es künftig nur noch elektronisch. Für die betreffenden Mitarbeiter stellen diese weitreichenden Veränderungen eine immense Herausforderung dar. Schließlich bleibt im Zuge der Digitalisierung nahezu nichts mehr wie es war. Technischer Fortschritt und wirtschaftlicher Druck machen den Change aber unumgänglich. Die Mitarbeiter könnten diesen Prozess durch eine Abwehrhaltung aber zum Scheitern bringen. Gerade bei Wissensmanagement-Projekten sind die Führungsverantwortlichen daher gefordert, Neuerungen nicht mit dem Gießkannen-Prinzip einzuführen. Vielmehr gilt es,

  • alle Beteiligten von Anfang an mit ins Boot zu holen,
  • Fort-, aber auch Rückschritte kontinuierlich zu kommunizieren,
  • Veränderungs- bzw. Verbesserungsvorschläge offen anzunehmen und deren Umsetzbarkeit ernsthaft zu prüfen sowie
  • auf Sorgen und Ängste einzugehen.

Wissensmanagement macht Kliniken zukunftsfähig

Nur so kann der erforderliche Change im Krankenhaus gelingen. Das ist umso wichtiger, da die derzeit größten Führungsherausforderungen ebenso im Wissensmanagement angesiedelt sind: Mitarbeiter finden und binden steht laut einer Umfrage des „Galileo. Institut für Human Excellence“ dabei ganz oben auf der Agenda. Gefolgt von Veränderungsmanagement und der Etablierung moderner Führungsmodelle. An dieser Stelle zeigt sich, wie eng verzahnt die Themen Leadership und Wissensmanagement tatsächlich sind. Wirkungsvolles Teamwork, das flexibel auf sich schnell veränderte Rahmenbedingungen reagieren kann, kann es mit statischen Strukturen nicht geben. Diese aufzubrechen, ist eine der größten Herausforderungen im Klinikbetrieb. Mit Hilfe neuer Leadership-Konzepte gilt es dann, die längst überfälligen Wissensmanagement-Projekte nicht nur zu planen und zu initiieren, sondern sie auch zielgerichtet und mit Erfolg umzusetzen. Nur so werden die Krankenhäuser die künftigen medizinischen und demografischen Herausforderungen meistern können.

nl/KWM
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