Wissensmanagement zur Entlastung im Klinikalltag

Wissensmanagement im Klinikalltag

© Thieme & Frohberg GmbH

Wissensmanagement soll für Entlastung im Klinikalltag sorgen. Denn das Bild in deutschen Kliniken sieht überall gleich aus: Steigende Patientenzahlen treffen auf eine viel zu dünne Personaldecke. Egal ob Pflege, Medizin oder Verwaltung. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Und dennoch müssen die Krankenhäuser ihrem Versorgungsauftrag gerecht werden – bei möglichst hoher Behandlungsqualität. Damit das gelingt, sind Prozessoptimierungen notwendig. Hier sind drei Beispiele, wie sie sich mit Hilfe von Wissensmanagement realisieren lassen.

Vernetzung: Finden statt suchen

Akten, Kladden, Notizzettel: Das Krankenhaus ist randvoll mit (überlebens-)wichtigen Informationen. Vitalwerte, Befunde, Medikationen – dieses Wissen muss stets der richtigen Person zugeordnet und permanent verfügbar sein. Ordnet der Arzt einen neuen Wirkstoff an, wird ein Patient verlegt oder hat er eine Unverträglichkeit? Dann sollte davon jeder am Behandlungsprozess beteiligte Mitarbeiter wissen – bzw. in dem Moment davon in Kenntnis gesetzt werden, wenn er mit dem Patienten in Kontakt tritt. Ohne aufwendiges Suchen oder langwieriges Recherchieren – dafür bleibt im hektischen Klinikalltag keine Zeit. Und wo keine Zeit ist, wird Wichtiges mitunter übersehen. Sind die Patientendaten vernetzt, erhalten Ärzte, Therapeuten, Pfleger & Co. alle relevanten Informationen auf Knopfdruck auf ihrem Dienst-Tablet o.Ä. angezeigt. Sie sind damit nicht mehr in der Holschuld. Das führt zu nachhaltiger Entlastung und verringert die Fehlerquote.

Digitalisierte (Dokumentations-)Prozesse

Auf die Frage, welche Tätigkeiten im Krankenhausalltag die meisten Ressourcen binden, lautet die Antwort unisono: Dokumentationen. Aufgrund immer komplexer werdender rechtlicher Vorgaben nehmen diese Aufgaben eine herausragende Stellung ein. In der Folge fehlt notwendige Zeit für die Arbeit am und mit dem Patienten. Zudem gehen wertvolle Informationen häufig verloren. Deutlich wird das am Beispiel der Pflege. Das Fachpersonal notiert Besonderheiten und Beobachtungen oft in Fließtexten. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf Entzündungen, Sturzgefahren etc. schließen und Verbesserungspotenziale aufdecken. Doch nur selten bleibt die Zeit, die Dokumentationen entsprechend zu analysieren. Die Digitalisierung von Pflegedokumentationen macht genau das auf Knopfdruck möglich. Doch erst etwas mehr als ein Drittel der deutschen Krankenhäuser verfügt über eine digitale Pflegedokumentation[1] und fördert so den wichtigen interdisziplinären und intersektoralen Wissensaustausch. Digitale Pflegedokumentationen tragen zudem dazu bei, Kommunikationswege zu verkürzen sowie redundante Erfassungen zu vermeiden und dadurch Ressourcen zu schonen.

Monitoring in Echtzeit

Welche Betten sind momentan verfügbar? Wie sieht die Auslastung im OP und im Labor aus? Welche Arzneimittel müssen nachbestellt werden? Auf dem Weg zum Smart Hospital sollten all diese Informationen über ein Dashboard in Echtzeit abrufbar sein. Möglich wir das durch ein Monitoring mittels QR-Codes. Damit lässt sich beispielsweise nachverfolgen, wo sich welches Bett gerade befindet, wie gut das Lager gefüllt ist oder wie die Kapazitäten im Labor aussehen. Auf diese Weise lässt sich einerseits gut planen, um Leerläufe zu vermeiden oder Engpässen vorzubeugen. Andererseits schont es Ressourcen, da aufwändige Nachfragen per Telefon entfallen.

Was man für diese und andere digitale Szenarien braucht, sind vor allem digital erfasste Daten und eine über Schnittstellen vernetzte IT-Landschaft. Darauf aufbauend lassen sich für jedes Krankenhaus individuelle Anwendungsszenarien entwerfen, die die verfügbaren Wissensbausteine sinnvoll verknüpfen und bedarfsgerecht abrufbar machen – ob in der Verwaltung, im OP oder auf der Station.

[1] https://www.hs-osnabrueck.de/fileadmin/HSOS/Homepages/IT-Report_Gesundheitswesen/IT-Report_2018_final.pdf

nl/kwm

Lesen Sie gerne auch einen früheren Beitrag zum Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen.

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