Wissensmanagement in der Pflege – eine besondere Herausforderung?

Wissensmanagement Pflege

©Thieme & Frohberg GmbH

Im März 2020 ging es plötzlich ganz schnell: Aus den oft unsichtbaren Pflegekräften – den Krankenschwestern, Pflegeassistenten und Fachkrankenpflegern – wurden im Zuge der Covid-19-Pandemie viel umjubelte Corona-Helden. Auf einmal bekamen sie ein Gesicht und die Aufmerksamkeit, die ihrer anspruchsvollen Tätigkeit gerecht wird. Doch mit dem Abflachen der Infektionszahlen gerieten auch die Pflegehelden wieder in Vergessenheit. Das ist fatal für den gesamten Berufszweig, auch angesichts des gravierenden Fachkräftemangels, der – zwar nicht nur, aber auch – auf das Image des Pflegeberufs zurückzuführen ist. Doch es kann noch schlimmer kommen – dann nämlich, wenn nicht nur die Leistung der Pflegekräfte in Vergessenheit gerät, sondern auch ihr in der Pandemie gewonnenes Wissen. Und das ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn Wissensmanagement ist in diesem Sektor nach wie vor ausbaufähig. Warum eigentlich?

Relevantes Wissen rund um den Patienten

Alle im Pflegeprozess geplanten und durchgeführten Maßnahmen sind Bestandteil der Pflegedokumentation. Auch Auffälligkeiten und besondere Beobachtungen gehören dazu – dabei können neben medizinischen Aspekten die verschiedensten Bereiche relevant sein, von der Hygiene über die Ernährung bis hin zu sozialen Aspekten. Und natürlich pflegt jeder Mitarbeiter die Pflegedokumentation, schließlich handelt es sich dabei um eine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtaufgabe, die auch der eigenen Absicherung dient. Denn nicht dokumentiert heißt in aller Regel: nicht gemacht.

Doch die Dokumentationspflichten nehmen gerade in der Pflege immer mehr Raum ein und werden zum wahren Ressourcenfresser. Das führt unter Umständen dazu, das beiläufige Wahrnehmungen und sekundäre Beobachtungen gar keinen Eingang mehr in die Pflegeakte finden. Einfach, weil es zu viel Zeit kostet. Dabei sind gerade solche Informationen oft besonders wichtig, weil sie ein Indikator sein können für ungewöhnliche Abweichungen vom geplanten Genesungsprozess.

Von der starren Pflegedokumentation zum dynamischen Interaktionsmedium

Genau hier zeigen sich die beiden größten Herausforderungen beim Wissensmanagement in der Pflege: Erstens kostet insbesondere die Dokumentation zu viel Zeit. Und zweitens wird sie anschließend nicht kollaborativ genutzt. Doch erst aus dem aktiven Austausch über die Pflegemaßnahmen und -beobachtungen kann Wissen entstehen, das für den Behandlungsverlauf relevant ist und Mehrwerte für den einzelnen Patienten bietet. Die Pflegedokumentation muss folglich zu einem dynamischen Wissensdokument werden, das als Interaktionsmedium für alle am Behandlungsprozess Beteiligten dient.

Digital, intuitiv und automatisiert

Wie das gelingt? Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels und der zunehmenden Arbeitsbelastung im Pflegebereich müssen die Dokumentationspflichten so weit wie möglich automatisiert werden. Das funktioniert beispielsweise durch smarte Dokumentationsassistenten, die die einzelnen Behandlungsschritte automatisch erfassen und zusätzliche Informationen per Zuruf notieren.

Allerdings ist nicht jede Pflegekraft IT-affin, schließlich liegt ihre Kernkompetenz in der Patientenbetreuung. Hier zählen Empathie und Einfühlungsvermögen, keine Programmierkenntnisse. Folglich muss die eingesetzte IT selbsterklärend sein. Für aufwendige Schulungen, mehrmaliges Nachfragen oder zentimeterdicke Handbücher fehlt den Fachkräften schlichtweg die Zeit.

Neue Routinen zu etablieren darf folglich nicht schwerfallen und auch nicht als Mehrbelastung gedeutet werden können. Davon gibt es in der Pflege schon genug. Nur wenn die angebotenen Lösungen punktgenau funktionieren, stoßen sie auf Akzeptanz – und tragen dazu bei, dass das wichtige Pflegewissen stets präsent ist.

 

> Lesen Sie hier den Beitrag: „PflegeStandard“: Perspektiven und Herausforderungen für die Pflege

 

nl/KWM

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