Wissensmanagement in der Pflege: Worauf es jetzt ankommt!

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© Thieme & Frohberg GmbH

In keinem anderen Bereich werden die Herausforderungen des demografischen Wandels so deutlich wie in der Pflege. Bis zum Jahr 2035 werden Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft (Köln) zufolge bis zu einer halben Million Pflegefachkräfte fehlen.[1] Gleichzeitig wächst die Zahl der Pflegebedürftigen aufgrund der gesellschaftlichen Altersstruktur in nächster Zeit überproportional stark an. Schon heute liegt sie 70 Prozent höher als zu Beginn des Jahrtausends.[2] Digitalisierungsprojekte helfen – als Teil der Wissensmanagement-Strategie – diese historisch einmalige Herausforderung zu meistern. Doch anders als in der Medizin muss sich die Pflege dieses Handlungsfeld ganz neu erschließen. Die Zeit drängt!

Der Bundesverband der Gesundheits-IT (bvitg) sieht akuten Handlungsdruck. Neben technischen Anforderungen, wie der Anbindung an die Telematikinfrastruktur, sind es vor allem digitale Prozesse, die Pflegekräfte entlasten und die Versorgungsqualität erhöhen können. bvitg-Geschäftsführer Sebastian Zilch findet: [3]

„Wir sind überzeugt, dass die Digitalisierung einen wichtigen Beitrag dazu leisten kann, den zukünftig weiter zunehmenden Bedarf an Pflegedienstleistungen und -personal zu decken und damit dem herrschenden Pflegenotstand zu begegnen.“

Pflegedokumentation: Digital statt analog

Konkret bedeutet das den konsequenten Abschied vom Papierformat. Ziel muss es sein, alle Pflegevorgänge elektronisch zu erfassen und die erhobenen Daten intelligent zu verknüpfen. Nur so gelingt es, einen ganzheitlichen Blick auf den Patienten zu bekommen und allen am Pflegeprozess Beteiligten orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf relevante Informationen zu gewährleisten. Idealerweise sogar sektorenübergreifend. Denn die Übergänge von ambulanter, stationärer und Krankenhauspflege sind oft fließend. Über Schnittstellen lassen sich die Daten jedoch verknüpfen. Das spart zum einen wertvolle Zeit, weil Daten nicht neu erhoben oder aufwändig angefordert werden müssen. Zum anderen trägt es zur Qualitätssicherung bzw. -steigerung bei.

Digitale Kompetenzen: Pflegepersonal mit Weiterbildungsbedarf

Digitales Datenmanagement gehört für Pflegefachkräfte derzeit nicht zu den Kernkompetenzen. Sie konzentrieren sich stattdessen auf ihre Pflegetätigkeiten und dokumentieren routiniert mit Hilfe von papiergebundenen Formularen. Die jahrelange Handhabung dieser Dokumentationsform erfolgt effizient. Jede Veränderung wird zunächst als Mehrarbeit empfunden, gerade im eng getakteten Pflegealltag. Erst einmal etabliert, bringen digitale Pflegeprozesse jedoch mannigfaltige Mehrwerte mit sich. Darunter auch eine deutliche Zeitersparnis. Doch der Weg dorthin muss zunächst geebnet werden: über die Vermittlung von digitalen Kompetenzen und einer begleitenden Change-Marketing-Strategie.

Die digital-affine Pflegekraft

Es geht darum, Akzeptanz für veränderte Prozesse zu schaffen. Denn noch immer scheitern die meisten (Digitalisierungs-)Projekte aufgrund mangelnden Engagements. Dass nicht jeder von einer Veränderung sofort begeistert ist, liegt in der Natur des Menschen. Wir sind bekanntlich Gewohnheitstiere. Der Changemanagement-Experte John P. Kotter hat daher sieben Phasen der Veränderung definiert, die jeder Beteiligte durchläuft – idealerweise bis zum Schluss. Es handelt sich um Schock, Verneinung, Einsicht, Akzeptanz, Ausprobieren, Erkenntnis und Integration. Durch Aufklärung, Verständnis, die aktive Beteiligung der Mitarbeiter am digitalen Veränderungsprozess sowie zielgerichtete Weiterbildungsmaßnahmen helfen, Pflegekräfte „mit auf die Reise“ zu nehmen und mindestens bis zur Akzeptanz, besser aber darüber hinaus für die Digitalisierung der Pflege zu begeistern.

Übrigens: Ein solcher Umbruch, wie die Einführung technischer Lösungen zur digitalen Pflegedokumentation, sind ein idealer Zeitpunkt, um kritisches Wissen in der Belegschaft zu identifizieren und nachhaltig zu sichern. Die Identifikation gelingt über Methoden wie das Kompetenzrad von North, die Wissensträgerkarte oder mittels einer Skill Matrix. Die anschließende Wissenssicherung erfolgt am effizientesten in Form moderierter Interviews und anhand von Wissenslandkarten. So wird einmal gesichertes Wissen auch für die nachfolgenden Mitarbeitergenerationen zugreifbar.

nl/KWM

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172651/umfrage/bedarf-an-pflegekraeften-2025/

[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172651/umfrage/bedarf-an-pflegekraeften-2025/

[3] https://www.bvitg.de/handlungsempfehlungen-digitalisierung-pflege/

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