Wissensmanagement in der Praxis: Welche Methode ist die richtige für unsere Klinik?

wissensmanagement in der klinik

© Thieme & Frohberg GmbH

Wissensmanagement verschlankt Prozesse, automatisiert Abläufe und liefert Informationen bedarfsgerecht an exakt die richtigen Klinikmitarbeiter. Damit hat es das Potenzial, Suchaufwände zu reduzieren, den Kompetenzzuwachs zu optimieren und Ressourcen zu schonen. Damit diese Mehrwerte in der Krankenhausorganisation aber auch tatsächlich Realität werden, müssen die Verantwortlichen erst ihren individuellen Bedarf identifizieren. Wie in der Medizin braucht es nämlich auch beim Wissensmanagement erst eine Diagnose, um anschließend den wirkungsvollsten Behandlungsweg festlegen zu können.

Die häufigsten Gründe für Wissensmanagement

Die Rahmenbedingungen sind in jedem Krankenhaus anders – und dennoch drückt der Schuh vielen Organisationen an derselben Stelle. In der Praxis sind es insbesondere vier Gründe, die zur intensiven Auseinandersetzung mit Wissensmanagement führen:

  1. Bestehende Wissenslücken: Die Mitarbeiter benötigen spezifisches Know-how, um ihr Aufgabengebiet auch künftig auf gleichbleibend hohem Niveau bewältigen zu können. Entsprechende Weiterbildungen sind aber oft mit hohem Aufwand, Kosten und Ausfallzeiten verbunden. Zudem erfolgt die Umsetzung häufig losgelöst vom Klinikalltag, was den Praxistransfer erschwert.
  2. Ressourcenintensive Dokumentationspflichten: Die Dokumentation aller Behandlungsschritte ist rechtlich vorgeschrieben und reduziert unter anderem die Haftungsrisiken, gleichsam bindet dieses To-do immer mehr Ressourcen. In der Konsequenz bleibt weniger Zeit für den einzelnen Patienten. Digitalisierung und Automatisierung können helfen, die Mitarbeiter in diesem Punkt nachhaltig zu entlasten – ohne in einen rechtlichen Graubereich zu rutschen.
  3. Aufwändige Informationssuche: Handschriftliche Notizen, Kladden, Arztbriefe – die Suche nach wichtigen Wissensbausteinen rund um die Patientenhistorie gelingt oft nicht medienbruchfrei. Stattdessen gilt es, papiergebundene und digitale Dokumente gleichsam zu berücksichtigen. Eine Suche auf Knopfdruck, wie sie die Medizin 4.0 vorsieht, ist in den meisten Kliniken noch nicht möglich.
  4. Fehlende Vernetzung: Die Übergabegespräche beim Schichtwechsel gelingen meist noch ganz gut. Aber wie kommt die Nachtschicht an das Wissen des Personals aus der Frühschicht? Und wie tauschen sich Ärzte und Pfleger aus? Mangelnde Vernetzung und fehlende Kommunikation führen dazu, das wichtige Wissensbausteine schlichtweg nicht weitergegeben werden. Das führt zu redundanter Arbeit in den verschiedenen Bereichen, angefangen bei der medizinischen Versorgung bis hin zur Laborauslastung.

Für jede Herausforderung die richtige Lösung

Auch wenn es für jede dieser Herausforderungen unterschiedliche Herangehensweisen und Lösungsstrategien gibt, kristallisieren sich in der Praxis dennoch immer wieder Handlungsansätze heraus, die besonders häufig funktionieren und/oder sich durch eine überdurchschnittliche Akzeptanz auszeichnen:

  • Um den klinischen Wissenserwerb zu optimieren, bieten sich E-Learning-Lösungen an. Zudem führen Lernmanagement-Systeme – entweder als Add-on für bestehende IT-Tools oder als separate Implementierungen zu deutlichen Effizienzsteigerungen im gesamten Kompetenzmanagement. Für schnell verfügbares Lösungswissen eignen sich darüber hinaus Expertensysteme, über die auf interne und externe Fachmedien zugegriffen werden kann.
  • Um Patientenwissen revisionssicher zu archivieren, und den Dokumentationsprozess gleichzeitig zu (teil-)automatisieren, bedarf es eines digitalen Dokumentenmanagement-Systems. Welches das geeignetste ist, muss jede Klinik für sich entscheiden. Die Umsetzung kann im Rahmen des KIS erfolgen, als Einzellösung oder in kollaborativer Form, beispielsweise als Wiki. Im Zusammenspiel mit virtuellen Assistenten, Chatbots u. Ä. gelingt zudem die Automatisierung des Dokumentationsprozesses. Auch eine Dokumentation per Sprache, mit anschließender automatisierter Verschriftlichung, ist auf diese Weise realisierbar.
  • Eng verknüpft mit der Dokumentation ist das Wiederfinden der archivierten Informationen. Die Herangehensweise ist dabei im Grunde für jedes Krankenhaus die Gleiche – das Schaffen einer klinikweiten Suchlösung mit intelligenten Schnittstellen zur gesamten, oft heterogenen IT-Landschaft. Damit auch tatsächlich alle verwendeten Daten erfasst werden, muss der Datenbestand unbedingt in digitaler Form vorliegen bzw. digitalisiert werden.
  • Auch die Kollaboration der Mitarbeiter lässt sich sowohl elektronisch als auch analog fördern: Während Teamsites im Intranet vorwiegend der Wissensvernetzung dienen, können bei analogen Methoden, wie Essensrodeo oder Working Out Loud, gleichzeitig auch die interdisziplinäre Verständigung und das menschliche Miteinander profitieren.

nl/KWM

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