Wissensmanagement in Krankenhäusern: Warum eigentlich?

Wissensmanagement © XtravaganT/ Adobe.Stock.com

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Das Wissen in Krankenhäusern zeigt sich in vielfältiger Form. Das immaterielle Kapital setzt sich aus medizinischem, organisationalem und prozessualem Know-how zusammen. In der Regel ist nur eine dieser Säulen frei zugänglich: das Fachwissen. Diese wird in Studium und Ausbildung vermittelt, ist online oder in einschlägiger Literatur nachlesbar. Ganz anders sieht es beim Wissen zu Organisation und Prozessen aus. Als implizite Wissensdimension ist dieses Know-how nirgends dokumentiert und damit weder transparent noch nachvollziehbar. Use Cases zeigen, dass es sich stattdessen in den Köpfen der Mitarbeiter verbirgt und sich bei der täglichen Arbeit am und mit Patienten bemerkbar macht.

Das Potenzial von Wissensmanagement

Die Aufgabe von Wissensmanagement ist es zum einen, das explizite Fachwissen des Klinikpersonals up-to-date zu halten und auf Knopfdruck abrufbar zu machen. Zum anderen soll es die verborgenen impliziten Wissensschätze heben und stations- sowie abteilungsübergreifend verfügbar machen. Nur so kann fachübergreifendes Arbeiten gelingen. Auch für das Onboarding neuer Mitarbeiter ist eine transparente Wissensbasis für eine vernünftige Patientenversorgung unerlässlich. Patienten profitieren, wenn das gesamte Klinikpersonal über einen einheitlichen Wissensstand verfügt. Gewinner des Wissensmanagements ist damit die gesamte Klinikorganisation, denn ein bewusster Umgang mit dem immateriellen Klinikkapital spart Zeit und Geld und trägt nachhaltig zur Steigerung der Qualität bei.

Wissensportal: Immer auf dem neuesten Stand

Die Medizin ist permanent in Bewegung. Auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand zu bleiben, ist für Ärzte und medizinisches Fachpersonal eine wichtige Grundlage ihrer Arbeit. Doch neben dem Klinikalltag mit Schichtdienst und Überstunden bleibt oft wenig Zeit, die vielfältige Literatur zu sichten. Was gibt es Neues? Wo finde ich relevante Informationen? Und welche davon sind für mich und meine Tätigkeit am wichtigsten? Mit einem Wissens- und Lernportal können Kliniken ihren Mitarbeitern über einen virtuellen Zugang zur einschlägigen Fachliteratur bieten. Eine Vorselektion anhand individueller Kriterien ist beispielsweise nach Fachrichtung möglich. Zudem lassen sich wichtige Neuigkeiten teilen: Wer eine Information findet, die auch für andere relevant ist, kann sie liken oder an Kollegen versenden.

Lernmanagement: Kontinuierlicher Wissensausbau

Lernmanagement-Systeme gehen noch einen Schritt weiter. Statt Wissen „nur“ abrufbar zu machen, wird der Wissenserwerb durch die didaktische Aufbereitung von fachlichem Know-how aktiv vorangetrieben. Die Mitarbeiter können an Online-Schulungen teilnehmen wie z.B. an halbstündigen Webinaren bis hin zur modulartig aufgebauten Weiterbildung inklusive Abschlusstest. Wer welches Training absolviert, hängt dabei einerseits vom klinischen Bedarf, andererseits aber auch von den individuellen Stärken und Schwächen des einzelnen Mitarbeiters ab. Der Vorteil: Die Teilnehmer können ihr Lerntempo selbst bestimmen und ideal auf ihre aktuelle Arbeitsbelastung abstimmen.

Clinical Search: Wissen auf Knopfdruck wiederfinden

Gesprächsnotizen, Arztberichte, Laborergebnisse – im Krankenhaus wimmelt es nur so vor Wissen. Die Herausforderung besteht darin, dieses Know-how auf Knopfdruck abrufbar zu machen. Dafür bedarf es dreierlei Bausteine aus dem Wissensmanagement:

  1. Die konsequente Digitalisierung aller Daten.
  2. Intelligente Schnittstellen zwischen den einzelnen IT-Systemen.
  3. Einer klinikweiten Search-Lösung, die alle Datenquellen verbindet.

Wissenssicherung: Implizite Schätze finden

Wie werden Leitlinien im Krankenhaus gelebt? Wer sind wichtige Ansprechpartner im Notfall? Welches Patientenwissen ist relevant? Wie verhalte ich mich im Kontakt mit Angehörigen? Solches Know-how basiert in der Regel auf Erfahrungen. Erfahrungen sind allerdings personengebunden und erklärungsbedürftig. Auch, weil sich die Wissensträger oftmals gar nicht bewusst sind, über welches Wissen sie verfügen. Mithilfe von Experteninterviews und Mindmaps lässt sich dieses „stille“ Know-how filtern und für die Kollegen bereitstellen. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem Ausscheiden der Babyboomer-Generation aus dem aktiven Berufsleben wird dieser Aspekt zunehmend wichtiger.

Wissensmanagement ist noch viel mehr

Die Bandbreite reicht von automatisierter Dokumentenerstellung über den intelligenten Posteingang und die vernetzte Logistikkette bis hin zur Nutzung von Algorithmen zur besseren Entscheidungsfindung. Doch so vielfältig die Disziplin auch ist, eines haben alle Teilaspekte gemeinsam: Sie machen Krankenhausprozesse schlanker, schneller, effizienter. Sie schonen die knappen Ressourcen in der Klinikorganisation und sie tragen nachhaltig zu einer optimalen Patientenversorgung sowie maximaler Behandlungsqualität bei.

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