Wissensmanagement ist eine Frage der Führung

Mit gutem Beispiel voran © magele-picture/ Adobe.Stock.com

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Wissensmanagement soll medizinische Daten vernetzen, relevante Informationen besser zugreifbar machen und die Kommunikationsflüsse effizienter gestalten. Doch in der Krankenhauspraxis bleiben entsprechende Projekte oft hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück: Die klinikweite Suche findet nicht die richtigen Ergebnisse, Angebote zum Workplace Learning werden nicht genutzt und zum Erfahrungsaustausch gehen die Mitarbeiter nach wie vor in die Kaffeeecke statt ins neu implementierte Social Intranet. Die Gründe dafür sind jedoch weder in den gewählten Software-Lösungen zu suchen noch liegt es am mangelnden Umsetzungswillen der Mitarbeiter. Vielmehr ist es eine Frage der – richtigen – Führung, die maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg von Wissensmanagement-Maßnahmen entscheidet.

Digitalisierung mit großen Effizienzpotenzialen

Wissensmanagement findet in Kliniken derzeit vor allem auf Basis der Digitalisierung statt. Innovative IT-Lösungen sollen helfen, bisher verborgene Datenschätze zu heben und sie wertschöpfend zu nutzen. Damit steigen nicht nur die Patientensicherheit und die Qualität der medizinischen Versorgung. Auch die Effizienz der gesamten Organisation steigt: Krankenhäuser können dank digitalisierter Prozesse ressourcenschonender und damit wirtschaftlicher arbeiten. Das entlastet das Personal und macht sich auch monetär bemerkbar. Laut der Roland-Berger-Studie „Gesundheit 4.0“ sehen Experten aus der Gesundheitswirtschaft die größten Potenziale dabei in

  1. der IT-Vernetzung im Krankenhaus
  2. einer IT-geschützten Patientenverwaltung
  3. der Verwendung sensorgestützter Geräte
  4. der Nutzung von Big Data
  5. dem Einsatz von 3D-Druck sowie
  6. der Implementierung künstlicher Intelligenz.

Doch laut der Studie haben entsprechende Maßnahmen die wirtschaftliche Situation in mehr als zwei Dritteln aller Gesundheitseinrichtungen nicht verbessern können.

Keine erfolgreiche Digitalisierung ohne wissensförderliche Klinikkultur

Wissensmanagement ist kein Selbstläufer! Vernetzung, Digitalisierung und Big Data werden ihre Potenziale nur dann entfalten, wenn die entsprechenden Initiativen auf fruchtbaren Boden fallen. Sie können noch so viel Grassamen auf die Autobahn streuen – es wird kein Gras wachsen. Beim Wissensmanagement ist es genauso: Wenn Sie möchten, dass die Klinikmitarbeiter ihr Wissen in einem Wiki dokumentieren oder Erfahrungen im Social Intranet teilen, dann muss in der Organisation ein wissensförderliches Klima herrschen – in dem alle und jeder sein Know-how bereitwillig weitergibt und auch bei Fehlern keine Angst vor Repressalien haben muss. Und eine solche Klinikkultur zu etablieren, ist in aller erster Linie eine Führungsaufgabe.

Klinikmanagement mit Vorbildfunktion

Der erforderliche Turnaround gelingt dabei insbesondere durch das Vorleben der gewünschten Verhaltensweisen. Gefragt sind dabei die Ober- und Chefärzte, die Pflegedienstleitung, aber auch die Direktion in den administrativen Bereichen. Sie müssen ihren Mitarbeitern zeigen, dass sie es ernst meinen. Möglich ist das, indem sie ihre eigenen Erfahrungen mitteilen, auch einmal von Fehlentscheidungen berichten und ihre Mitarbeiter aufrichtig nach ihrer Meinung fragen.

Erst der kulturelle, dann der digitale Wandel

Der Hebel lässt sich nicht von heute auf morgen umstellen. Doch die Zeit drängt. Der Personalmangel, steigende Patientenzahlen und zunehmender wirtschaftlicher Druck machen eine schnelle Digitalisierung unausweichlich. Daher gilt es, besser heute als morgen den ersten Schritt hin zu einer erfolgreichen Umsetzung zu machen – und den Weg zu ebnen für einen offenen, positiven und gleichberechtigten Umgang mit der Ressource Wissen. Ist dieser Grundstein gelegt, ist die Einführung digitaler IT-Lösungen nur noch einen Mausklick entfernt. Denn ob man seine Erfahrungen im Krankenhausflur austauscht oder sie in ein Klinikportal einpflegt, macht dann keinen großen Unterschied mehr.

nl/KWM
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