Wissensmanagement mit Bordmitteln. Geht das?

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Zu zeit- und ressourcenintensiv, zu teuer und infolgedessen – derzeit – kaum durchführbar. Mit diesen Argumenten schieben Kliniken die Umsetzung von Wissensmanagement immer wieder auf die lange Bank. Zu Unrecht! Denn das Thema lässt sich auch mit Bordmitteln angehen.

Klein anfangen, groß rauskommen

Wissensmanagement ist heterogen und gerade im komplexen Mikrokosmos Krankenhaus mitunter ein Fass ohne Boden. Doch wie bei jedem Projekt gilt auch hier: Klein anfangen und dann weiter ausrollen. Oder anders gesagt: Wer überschaubare Meilensteine setzt, der nimmt dem „Giganten Wissensmanagement“ das Grauen. Und der Anfang lässt sich, ohne Zweifel, ohne hohe Anfangsinvestitionen machen. Doch wo beginnt man am besten?

Es geht um Wissen

Kliniken sind, wie kaum eine andere Organisation, wissensgetrieben. Fachliches Know-how trifft auf organisationsbezogenes Wissen. Prozess- und Patientenwissen müssen unter einen Hut gebracht werden. Der Großteil davon ist implizites Know-how, doch das explizite Wissen wächst exponentiell. Wohin damit? Und: Wie wird man der immer kürzer werdenden Halbwertszeit von medizinischem Wissen Herr? Eine der dringlichsten Aufgaben für das Wissensmanagement besteht folglich darin, die Vielfalt des Klinikwissens auf einen Nenner zu bringen.

Vom Gegeneinander zum Miteinander

Denn das meiste Know-how ist im Krankenhaus nicht frei verfügbar, sondern entweder an Personen gebunden oder in isolierten Wissensinseln gespeichert – und damit unerreichbar für Dritte. Die Gründe dafür lassen sich insbesondere auf die Organisationsstruktur zurückführen. Medizin, Pflege und Verwaltung agieren weitgehend losgelöst voneinander. Hinzu kommen fachliche Spezialisierungen. Diese Einteilung erschwert einen klinikübergreifenden Wissensfluss. Doch damit nicht genug: Hinzu kommt eine Organisationskultur, die den Maßstäben der Wissensgesellschaft nicht mehr gerecht wird. Statt einer offenen, bereichsübergreifenden Vernetzung dominieren Eigeninteressen und Besitzstandsdenken. Wissen ist in vielen Kliniken noch immer Macht.

Alle Beteiligten an einen Tisch holen

Und genau hier kann – und muss – Wissensmanagement ansetzen. Bringen Sie die konkurrierenden Parteien zusammen. Erarbeiten Sie beispielsweise in einem World Café die größten Barrieren für einen aktiven Wissensaustausch und finden Sie Lösungen. Das kann unter anderem ein Essens Rodeo sein, bei dem wechselnde Gruppen aus Medizin, Pflege und Verwaltung gemeinsam in die Kantine gehen und sich bei einem Imbiss austauschen.

Klinik- und Stationsleitung mit Vorbildcharakter

Wichtig ist dabei, dass die Verantwortlichen mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn der Chefarzt der Pflegeleitung die Kompetenz abspricht, kann auch das Miteinander auf operativer Ebene nicht funktionieren. Bringt er hingegen einen Vorschlag aus dem pflegerischen Bereich in die wöchentliche Teambesprechung ein, so zeigt er: Das Miteinander funktioniert durch gegenseitige Wertschätzung – schließlich arbeiten wir an einem gemeinsamen Ziel: dem Patientenwohl.

Einstellungsänderungen kann man nicht kaufen

Diese Einstellung lässt sich mit keiner IT der Welt kaufen, sondern kann nur von innen heraus entstehen. Die Überzeugung muss sich in den Köpfen der Mitarbeiter verankern. Und erst wenn Pflege, Medizin und Verwaltung auf Augenhöhe kommunizieren, dann können Wissensmanagement-Lösungen ansetzen. Und auch die sind oft schon vorhanden. Archive, Datenbanken und Suchsysteme gehören in den meisten Einrichtungen längst zu den Bordmitteln. Nur genutzt werden sie häufig unzureichend, weil das nötige Verständnis fehlt.

nl/KWM
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