Wissensmanagement: Wie Persönlichkeit wirkt

Forschungen haben ergeben: Abhängig von der Persönlichkeit teilen Mitarbeiter bereitwillig ihr Wissen – oder behalten es lieber für sich. Das beeinflusst auch den Erfolg eines Wissensmanagements. Führungskräfte sollten deshalb die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter stärker berücksichtigen.

Wissenschaftler des Tübinger Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) untersuchten in einer Studie, wie viele und welche Informationen die Teilnehmenden weitergeben: Eher die weniger wichtigen, die ohnehin schon bekannt sind – oder auch die wirklich wichtigen Informationen, über die nur sie selbst verfügen. Dabei legten die Forscher die Persönlichkeitsklassifikation des Management-Professors Adam Grant zugrunde, der Menschen in Nehmende, Vergleichende und Gebende unterteilt. Danach sind Gebende stets hilfsbereit, geben mehr als sie bekommen, und zwar ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Nehmende dagegen versuchen, so viel wie möglich zu bekommen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Vergleichende verhalten sich nach dem „wie Du mir, so ich Dir“-Prinzip: Sie teilen Ressourcen, wenn sie dafür auch welche bekommen.

 

Führungskräfte sollten beim Wissensmanagement immer auch die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter im Blick behalten

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass die Klassifikation nach Grant das Verhalten der Probanden auch in Bezug auf den Wissensaustausch gut vorhersagen kann: Die dem Typ „Nehmende“ zugeordneten Studienteilnehmer verhielten sich signifikant selbstorientierter und narzisstischer als „Gebende“. Sie behielten mehr Informationen für sich und teilten tendenziell eher solche, die ohnehin offen verfügbar waren.

Nehmende behalten Informationen eher für sich

Aus den Ergebnissen der Studie ergeben sich wichtige Folgerungen für das Wissensmanagement in Unternehmen. Es reicht nämlich offenbar nicht aus, den Mitarbeitern geeignete Wissensmanagement-Tools zur Verfügung zu stellen. Stattdessen sollten Führungskräfte immer auch die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter im Blick behalten, da gerade Nehmende dazu neigen, wichtige Informationen für sich zu behalten. Es braucht deshalb auch Strategien, um alle zum Mitwirken zu motivieren. Stellt Wissen zum Beispiel eine entscheidende Machtressource im Unternehmen dar, die dem Mitarbeiter Anerkennung bringt, werden damit hohe Hürden für den Austausch gelegt.

Die Studie führten die Leibniz-Wissenschaftler mit über 1200 Berufstätigen durch. In einem ersten Durchlauf mussten die Teilnehmenden entscheiden, wie sie sich in einer Dilemma-Situation verhalten. Aus ihrem Verhalten ergab sich die Zuordnung in Nehmende, Vergleichende und Gebende, die für die nächste Fragerunde wichtig war – nämlich wie bereitwillig welcher Typ Wissen mit anderen teilt.

 

Quelle:
Utz, N. Muscanell, A. S. Göritz: Give, match, or take: A new personality construct predicts resource and information sharing, in: Personality and Individual Differences 70 (2014) 11–16

am/KWM

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